25.05.2022

Preußische Allgemeine Zeitung Zeitung für Deutschland · Das Ostpreußenblatt · Pommersche Zeitung

Suchen und finden

Hinterpommern

Historische preußische Festungen in Swinemünde

Auch heute ziehen die Festungsanlagen viele Besucher an

Erwin Rosenthal
29.01.2022

Für Liebhaber einer guten Fischsuppe, die von Heringsdorf, Ahlbeck oder Bansin aus einen Trip nach Swinemünde planen, gilt das Restaurant „Prochowina“ als Geheimtipp. Empfehlenswert ist es aber nicht nur wegen der leckeren Fischsuppe oder des tellergroßen Koteletts (eigentlich ein Schnitzel), sondern auch wegen seines Ambientes. Ein mehr als 150 Jahre altes Kreuzgewölbe macht die gastliche Stätte unverwechselbar. Und nicht ohne Grund heißt das Lokal – wohl etwas frei übersetzt – „Schießpulver“, denn das Gebäude diente früher als Pulverkammer der Westbatterie, einer der vier Swinemünder historischen Festungen.

Die im Jahre 1765 von Friedrich II. gegründete Stadt war fast hundert Jahre militärisch leicht angreifbar gewesen. Bereits vor der Stadtgründung, im Jahre 1759, hatten die Schweden die Stadt nach längerem Kampf für kurze Zeit erobert und den Hafen geschädigt, wo sie nur konnten. Wolgast, der Nachbarhafen, war zu dieser Zeit noch in schwedischer Hand und Swinemünde der Konkurrent.

Einst wenig Schutz für die Stadt

Im 18. Jahrhundert stand für den militärischen Schutz Swinemündes lediglich eine aus 25 Männern bestehende Invalidenkompanie bereit. Die invaliden Soldaten mussten ihr Brot als Handwerker verdienen, während ihr Kommandant 19 Taler „Service“ im Jahr erhielt. Als 1806 die Söldner Napoleons anrückten (es waren zumeist Deutsche), versagte die Truppe auf der ganzen Linie.

1813 gründete man eine aus 360 Mann bestehende Bürgergarde. Später wurden Stettiner und Greifswalder Soldaten zum Schutz Swinemündes abkommandiert.

Richtig ernst wurde es, als die Stadt in den ersten deutsch-dänischen Krieg einbezogen wurde. Ab Mai 1848 blockierte die dänische Fregatte „Haffrowen“ den Hafen und legte Handel und Wandel in der Stadt völlig lahm. Die überaus kleine preußische Flotte – sie bestand nur aus den Schiffen „Amazone“ und „Adler“ – wagte keinen Angriff, sondern wappnete sich stets vorsorglich zur Flucht. Die Not der Einwohner war groß und erst ein Darlehen von 5000 Talern aus dem „Königlichen Mildtätigkeitsfonds“ brachte Entlastung. Im gleichen Jahr begann man mit dem vom preußischen Kabinett bereits im September 1846 angeordneten Bau von vier Verteidigungsanlagen.

Das erste, auf der Ostseite der Swine errichtete Fort, erhielt den Namen „Werk I“. Es fiel nach 1945 der Erweiterung des Hafens zum Opfer. Das Werk II, die spätere Ostbatterie der Seefestung Swinemünde, wurde in den Jahren 1856 bis 1863 unter Nutzung der bereits existierenden Erdwälle rechts der Swinemündung erbaut und verfügte über zehn Geschützstellungen.

1846 Anordnung des Festungsbaus

Das Werk III wurde in den Jahren 1854 bis 1858 am westlichen Swineufer nach dem Schema einer Redoute errichtet. Es war von einem Wall und einem Wassergraben umgeben. An den äußeren Wänden des dreistöckigen Rundbaus befinden sich auf drei Etagen 24 Schießscharten für Kanonen. Die ursprüngliche Bezeichnung „Werk III“ wurde später in Engelsburg geändert, weil das Gebäude eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Mausoleum des römischen Kaisers Hadrian, der späteren Kastellburg der Päpste, aufweist.

Auch das Werk IV (die Westbatterie), erbaut 1856 bis 1861, existiert noch heute fast unverändert. Die Anlage war in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts vergrößert worden und beherbergte eine Küstenbatterie mit Geschützstellungen, Munitionslagern und Unterkünften für die Soldaten.

Nur Werk 1 existiert nicht mehr

Die drei historischen Festungen zählen heute zu den Sehenswürdigkeiten von Swinemünde und werden touristisch genutzt. Auf der Engelsburg [Fort Anioła] gibt es ein Café und auf der Ostbatterie [Fort Gerhard], in der Nähe des Leuchtturms gelegen, begeistert der „Kommandant“ in historischer preußischer Uniform und mit Pickelhaube die Kinder, die er in „Exerzierübungen“ einbezieht.

Auf dem Höhepunkt der Vorführung wird schließlich ein Kanonenschuss ausgelöst. Und neben der Westbatterie [Fort Zachodni], die ebenfalls besichtigt werden kann, befindet sich das oben erwähnte Restaurant.

Von keiner der genannten Festungen war im Ernstfall jemals ein Schuss abgegeben worden.



Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Dann unterstützen Sie die PAZ gern mit einer

Anerkennungszahlung


Kommentar hinzufügen

Captcha Image

*Pflichtfelder

Da Kommentare manuell freigeschaltet werden müssen, erscheint Ihr Kommentar möglicherweise erst am folgenden Werktag. Sollte der Kommentar nach längerer Zeit nicht erscheinen, laden Sie bitte in Ihrem Browser diese Seite neu!