05.10.2022

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Hintergrund

Kadyrows Krieg

Die Rolle des tschetschenischen Clan-Führers in Putins Machtgefüge und bei dessen Ukraine-Feldzug

Bodo Bost
03.03.2022

Am vierten Tag der Invasion in der Ukraine verkündete der tschetschenische Präsident Ramsan Kadyrow, dass er seine Kämpfer auch in die Ukraine geschickt hat. Aber offenbar konnten diese Bergkrieger, die im Bürgerkrieg in Syrien sehr gefürchtet sind, in der weitgehend flachen Ukraine nicht denselben Schrecken verbreiten wie in den kaukasischen Bergen, denn schon am selben Tag gab es Meldungen, dass die ukrainische Armee ein ganzes Bataillon Kadyrows bereits aufgerieben habe.

Wladimir Putins Verhältnis zu Tschetschenien ist sehr zwiespältig. Seine Ernennung zum Ministerpräsidenten durch Präsident Boris Jelzin 1999 fiel zusammen mit den großen Terroranschlägen August/September 1999, bei denen vorwiegend in Moskau 367 Menschen ums Leben kamen. Diese Terroranschläge waren der Anlass für Putin, im Oktober den Zweiten Tschetschenienkrieg zu beginnen. Wenige Wochen später wurde er geschäftsführender Präsident Russlands und im Mai 2000 auch gewählter Präsident. Kein einziger der sechs Bombenanschläge wurde, trotz Putins Expertise als KGB-Mann, aufgeklärt. Zwei damals sehr bekannte Oppositionelle, Litwinenko und Beresowski, welche die These vertraten, dass Putin und der FSB-Geheimdienst die Attentate selbst inszeniert hätten, starben später in London unter mysteriösen Umständen. Putin gewann seine erste Präsidentschaftswahl nur, weil er sich als starker Mann und Rächer für die Terroropfer aufspielte.

Russland konnte auch den Zweiten Tschetschenienkrieg unter Putins Führung nicht gewinnen. Allerdings wurde Tschetschenien zu neun Zehnteln zerstört. Lediglich mit einem für Russland sehr teuren Deal mit dem tschetschenischen Kadyrow-Clan konnte das Land befriedet werden. Die Hauptstadt Grosnij wurde komplett neu aufgebaut im Kadyrow-Stil. Der Kadyrow-Clan erhielt unbegrenzte Machtbefugnisse und Dutzende Milliarden aus dem russischen Staatshaushalt. Seit 2004 steht Ramsan Kadyrow nach der Ermordung seines Vaters bei einer Militärparade in Grosnij an der Spitze des Landes und des Clans.

Seitdem herrscht in der de facto selbstständigen Kaukasusrepublik ein bizarrer Personenkult. In Kadyrostan herrschen zudem längst eigene islamische Scharia-Gesetze und eine eigene islamische Armee und Geheimpolizei, die nur Kadyrow gehorchen. Nicht einmal mehr eine Farce von Demokratie wird geduldet. Kein Russe lebt mehr in dem Gebiet. Putin hat sich die weitere Pro-forma-Zugehörigkeit des Gebietes zu Russland faktisch mit Geld und der Abgabe weitestgehender Souveränitätsrechte an den Kadyrow-Clan erkauft. Diesem gelingt es jedoch nur mit Terror und immensen Geldzuweisungen, seine Herrschaft zu sichern. Kadyrow hat selbst eine eigene Außenpolitik begonnen, Putin hat ihn in Abu Ghosh bei Jerusalem in Israel mit russischem Geld die größte Moschee des jüdischen Staates bauen lassen. Damit können Kadyrow und Putin mächtig Eindruck machen auf andere muslimische Führer weltweit, denn Jerusalem ist die drittheiligste Stadt des Islams.

Nachdem Russland jetzt begonnen hat, sein eigenes „Brudervolk“ in der Ukraine abzuschlachten, erhielten die einstigen schlimmsten Feinde Russlands aus dem Kaukasus, gegen die Russland in 15 Jahren zwei Kriege verloren hat, noch mehr Freiraum. Sie dürfen auch auf dem Schlachtfeld im slawischen „Bruderland“ Ukraine morden und Schrecken verbreiten in radikalislamischer Manier. Auch in Russland dürfen sie das jetzt bereits, allerdings bislang nur gegen Tschetschenen, wie das Beispiel des ehemaligen Richters Sajdi Jangulbajew und dessen Familie in Nischnij Nowgorod zeigt.

Dass der tschetschenische Clanführer Kadyrow jetzt Putin als erster in der Ukraine zu Hilfe eilt, zeigt, dass Putin seine slawischen „Brüder“ Weißrussland und Ukraine mit Terror unterwerfen will. Putin hat in Weißrussland mit Alexander Lukaschenko samt dessen Clan bereits einen Terrorherrscher gefunden: Nach dem Modell Tschetschenien will er jetzt offenkundig auch die Ukraine zuerst zerstören und dann einer ihm hörigen Terrorherrschaft unterwerfen. An der Zerstörung Kiews und anderer Symbolstädte des orthodoxen Christentums arbeitet Putins Armee bereits. Der ukrainische Terrorherrscher wird sicherlich aus den Donbass-„Volksrepubliken“ kommen, in denen die Mafia seit acht Jahren herrscht und Putin diese bereits seit acht Jahren schult.



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Kommentare

Walter Schulz am 04.03.22, 20:49 Uhr

Also diese Beitrag ist mit in seiner Aussage doch zu verwegen. Wie man auch immer Herrn Putin als Mensch und Politiker einordnen mag: Tatsache ist doch, dass diesem militärischen Einmarsch eine Geschichte vorausgeht, in der die NATO, die USA und die Herren Biden sen. und jun. eine Rolle spielen. Wenn man rasch Frieden schaffen will, muss man das in die Überlegungen mit einbeziehen. Russland wird die Ukraine nicht als NATO-Land akzeptieren, ob der Präsident nun Putin heißt oder sonstwie. Los gehts, Frieden schaffen, Herr Kanzler, laden Sie die Streithähne zu Waffenstillstandsgesprächen nach Berlin ein und hören Sie auf zu hetzen. Was übrigens auch für obigen Beitrag gilt - wenn eine wildgwordene Sodadeska mutwillig Frauen und Kinder dahinschlachtet sieht das doch meist etwas anders aus als das, was gerade in der Ukraine passiert. Was natürlich dennoch schlimm genug.
Nur mal so eine Idee für die Polithetzer und Russenklatscher: Wie wäre es, sich massiv für eine dauerhafte Friedenslösung mit einer neutralen Ukraine einzusetzen, die Sicherheitsgaranien sowohl von Russland als der EU und wirtschaftliche Aufbauhilfe von Russland und der EU erhält? Es käme uns allen sehr zugute.

Ralf Pöhling am 04.03.22, 13:07 Uhr

Was dem Westen sein IS ist, ist dem Osten sein Kadyrowsches Tschetschenenkommando. Der Islam ist eine kriegerische Religion, die, ganz im Vergleich zum pazifistischen Christentum, als Ideologie für Krieger wunderbar funktioniert. Jetzt kann man sich entweder am Islam abarbeiten, oder sich mit ihm arrangieren und ihn als Kampftruppe vor den eigenen Karren spannen. Und genau das scheint Putin gemacht zu haben, nachdem er sich im Tschetschenienkrieg die Finger verbrannt hat. Die Amerikanern machen das seit Jahrzehnten ja nicht anders. Man denke an den Support für Al-Qaida in Afghanistan während des Kalten Krieges oder auch an den IS, der zweifellos vom Westen bzw. vom NATO Mitglied Türkei im Hintergrund direkt protegiert worden ist, um Syrien zu destabilisieren. Die Russen haben sich nach dem Mauerfall eine ganze Menge vom Westen abgeschaut. Das Konzept der Schattenarmee ist kein russisches oder sowjetisches. Es ist ein westliches. Gilt auch für den Einsatz privater Söldner, um staatliche Interessen gegen Dritte zu verschleiern und rechtlich zu entkoppeln. Was war zuerst da? Private Söldnerfirmen im Westen, wie z.B. Blackwater, oder die russische Wagner Gruppe? Auch hier haben sich die Russen das Konzept sehr erfolgreich abgeschaut. Allerdings sollten die Russen mit dem kopieren der Amerikaner sehr vorsichtig sein, denn diese haben den Support für Al-Qaida im Kalten Krieg mit dem 11. September 2001, wo sich der selbst hervorgerufene islamische Sturm gegen sie selbst gewandt hat, extrem teuer bezahlt. Der Islam lässt sich langfristig nicht einbinden, denn er hat eigene Interessen. Mit Muselmanen kommt man eigentlich ganz gut aus. Wenn man mit ihnen ehrlich umgeht und sie auf Distanz hält. Alles andere ist hochgefährlich.

sitra achra am 03.03.22, 18:25 Uhr

Die Amerikaner sind sicherlich keine Musterknaben, aber wer will die schon? Tatsache scheint aber zu sein, dass der russische Geheimdienst unter Putin die Attentate in Moskau ausgeführt hat. Deswegen musste Sascha Litwinenko, der darum wußte, sterben. Einst ein Vertrauter von Putin.
Was sich heute in Rußland abspielt, ist an Perfidie und Anarchie nicht zu überbieten. Dass ein Staatsführer seine Bevölkerung dermaßen unterdrückt und kriminellen Clans im eigenen Land und in Tschetschenien ausliefert, ist geschichtlich beispiellos.
Putin trickst und betrügt, daß sich die Balken biegen. Man kann nur hoffen, daß ihm das baldigst auf die Füße fällt und er samt seinen tschetschenischen Mamelucken von der Weltbühne verschwindet.
Leid tun mir auf jeden Fall die vielen Opfer seiner grausamen Politik. Seine Amtszeit durchzieht eine sichtbare Blutspur.
Jedoch die USA zum neuen Juden zu stilisieren, der an allem die Schuld trägt, ist nichts anderes als ein Produkt eines wirren faschistischen Geistes.

Siegfried Hermann am 03.03.22, 09:30 Uhr

Kadyrow ist ohne Zweifel ein echt übler Zeitgenosse und wie alle Tschetschen ein Harcore-Islamist, der brutalmöglichst jeden Andersgläubigen massakrieren will.
DNA-mäßig könnten die tatsächlich von den satanischen Kasaren abstammen. Passen würde das.
Beim Rest liegen Sie allerdings komplett sooowas von falsch.
Nach den Zerfall der Sowjetunion stießen neben der allgegen-wärtigen CIA, vor allem der türkische MIT in den Kaukasus vor, um ihre geisteskranken Wahn-Vorstellungen vom Turanischen Großreich bis an Chinas Grenzen unter Führung Ankaras mit allen Mitteln, heißt auch Krieg, Terror, Anschläge, Völkermord, auf Kosten aller, durchzusetzen.
Nach den 1. Krieg hat der Fallschirmspringer General Lebed ein sehr großzügiges Angebot unterbreitet und ausgehandelt (!) NICHT die Moslems, gelle!? Das haben Türken, Amis und die hardcore-Aktivisten hintertrieben wo es nur ging! Das war noch unter Votka-Boris Ägide. Irgendwann platze den Russen der Kragen unter dem Motto: Wir können auch anders....bomben.
Dann kam Putin. Der hat sehr wohl überlegt und vor allem gerechnet!!!
wie dieses Islam-Mafia-shithole kostengünstig für die Russen zu stopfen ist und ist eben auf Kadyrow gekommen. Seit 20 Jahren !!! ist seitdem Friedhofsruhe im Karton. Da sind die MRD. gut angelegt! Und fix wieder raus!
Weil komplett unterschlagen wird ist, das Grozny Zentrum der noch bedeutenden Petrochemie ist, Ölfelder bis nach Maikop reichen und Transit für das kaspische, persische Öl, (Mossul ist auch nicht weit!) und wenn die Gaspipeline steht turkmenisches Gas, ist. Und dort gibt deutlich mehr Gas als am Golf!!! Ergo: Moskau kann keinesfalls hirnverbrannten Gotteskriegern das Land überlassen, das wäre so, als wenn der IS in Galveston, Texas einen islamischen Staat errichten wollte.
Da würde die wallstreet aber zur Höchstform auflaufen und gleich das komplette Marinechor samt Atombomber schicken. Und wehe, wehe ein Lawrow würde rummosern... Unser Feenstaub-Kabinett hat da ja sowieso nüsch zu melden und darf nur die wallstreet-Befehle ausführen, wie jetzt in der Ukraine.

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