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Niederlande

Kampf für die Landessprache

An den Unis des Beneluxstaates wird mehr Englisch als Niederländisch gesprochen – Das soll sich ändern

Bodo Bost
07.07.2023

Englisch ist keine Amtssprache der Niederlande. Doch mehr als ein Drittel aller Vorlesungen an den niederländischen Universitäten sind in Englisch. Dies hat dazu geführt, dass sich in den vergangenen Jahren mehr als 120.000 internationale Studenten an niederländischen Hochschulen eingeschrieben haben. Das macht 15 Prozent aller Studenten. Fast niemand aus dieser Gruppe kann mehr Niederländisch oder muss es lernen, weil man ein Studium in den Niederlanden bequem auf Englisch absolvieren kann.

Jetzt schlägt die konservative-liberale Regierungsmehrheit um Ministerpräsident Mark Rutte vor, die Zahl der Studenten aus Ländern außerhalb der EU in einigen Fächern zu begrenzen und die Universitäten zu zwingen, mindestens zwei Drittel des Inhalts von Standard-Bachelorstudiengängen auf Niederländisch anzubieten, es sei denn, eine Universität rechtfertigt eine Ausnahme. Von internationalen Studenten dürfe auch in Zukunft verlangt werden, Grundkenntnisse der niederländischen Sprache zu erlernen, um ihre Chancen auf einen Verbleib in den Niederlanden zu erhöhen. Für immer mehr Berufe sind jedoch Niederländisch-Kenntnisse nicht mehr notwendig.

Dies ist ein neuer Ton in einem der am stärksten international vernetzten Länder der Welt, mit weitverbreiteten Englischkenntnissen und beeindruckenden digitalen Fähigkeiten. Im Vorjahr haben einige niederländische Universitäten als Reaktion auf eine Wohnungskrise Studenten aus dem Ausland schriftlich davor gewarnt zu kommen, wenn sie nicht bereits eine Unterkunft gefunden hatten.

Der zuständige Bildungsminister Robbert Dijkgraaf forderte die Hochschulen außerdem auf, nicht mehr aktiv im Ausland zu werben. Die Bürgermeisterin von Amsterdam, Femke Halsema, hat außerdem kürzlich verlangt, dass ausländische Einwohner mehr tun sollten, um Niederländisch zu lernen.

Den Gesetzesentwurf, der in Kürze veröffentlicht werden soll, will man noch in diesem Sommer beraten, damit er bereits ab September nächsten Jahres in Kraft treten kann. Doch schon jetzt gibt es gemischte Reaktionen. David Schindler, außerordentlicher Professor für Wirtschaftswissenschaften an der Universität Tilburg, wies auf Untersuchungen hin, die zeigen, dass ausländische Studenten mehr zurückgeben, als sie kosten, weil ein Viertel von ihnen nach Abschluss ihres Studiums im Lande bleibt, auch wenn sie die Landessprache während ihres Studiums nicht gelernt haben.

Universitäten sollten das lehren, was für ihre Studenten am hilfreichsten ist, „aber wenn man dies von oben nach unten vorschreibt, wird ein wesentlicher Teil der niederländischen akademischen Welt vernichtet“, sagte Schindler und ergänzte: „Was mich am meisten beunruhigt, ist der Rückgang der Forschungsqualität, weil Forschung und Innovation zu den wichtigsten Triebkräften des Wirtschaftswachstums gehören.“

Eingriff in Autonomie der Unis
Jeanet van der Laan, eine Abgeordnete der linksliberalen Partei Democraten 66, ist auch dafür, dass hohe Niederländisch-Kenntnisse erhalten bleiben müssten, äußerte aber Bedenken gegen den Gesetzentwurf: „Die konservativen Parteien schlagen vor, alle internationalen Studenten zu zwingen, einen Teil des Lehrplans auf Niederländisch zu absolvieren.“ Diese hohe Hürde, meint sie, würde ehrgeizige, internationale Talente davon abhalten, sich in den Niederlanden einzuschreiben, sodass dem Staat Talente entgehen würden, die man haben wolle.

Die Vereinigung der Universitäten der Niederlande ist der Meinung, dass einheimische Studenten ihr Niederländisch verbessern und ausländische Studenten es lernen sollten. „Es gibt immer noch Möglichkeiten für englischsprachigen Unterricht“, sagte deren Sprecher, Ruben Puylaert. Aber diese nationale Kontrolle greife in die Autonomie der Universitäten ein.

Aziza Filal, die Vorsitzende der Amsterdamer Studentenvereinigung ASVA, sagte: „Wenn mehr Bachelor-Studiengänge auf Niederländisch angeboten werden, sind sie für internationale Studenten nicht mehr zugänglich, was schade ist. Andererseits, wenn man aufhört, Abschlüsse zu ‚anglisieren', wird der Zustrom ausländischer Studenten abnehmen. Internationale Studenten können oft keine Wohnung finden und kehren deshalb in ihr Heimatland zurück, nachdem sie monatelang in Wohnheimen geschlafen und viel Geld verloren haben.“

Untersuchungen zeigen, dass ausländische Studenten am ehesten unter Studienstress leiden, und, so Minister Dijkgraaf, wenn die angehenden Studenten erst einmal in die Niederlande gezogen sind, „sollten wir uns richtig um sie kümmern, damit sie danach hierbleiben“.


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