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Der reinste Horror: Prinz Tamino sieht sich mit einer wahren Riesenschlange konfrontiert
Foto: TOBIS Film/Luis Zeno KuhnDer reinste Horror: Prinz Tamino sieht sich mit einer wahren Riesenschlange konfrontiert

Kultur

Königin der Nacht im Wunderland

Abenteuergeschichte für Familien – Mozarts bekannteste Oper läuft als „The Magic Flute – Das Vermächtnis der Zauberflöte“ im Kino

Helga Schnehagen
17.11.2022

Seit dem 17. November ist der vom deutschen Hollywood-Regisseur Roland Emmerich („Independence Day“) produzierte Film „The Magic Flute – Das Vermächtnis der Zauberflöte“ im deutschsprachigen Raum im Kino zu sehen. Eine Premiere, denn vorherige Verfilmungen von Mozarts Oper waren nur eine Bühnenabfilmung von Ingmar Bergmann und eine zweite, die in den Ersten Weltkrieg transferiert wurde.

Herausgekommen sind dieses Mal zwei Geschichten. Eine gefühlvolle Rahmengeschichte aus der Gegenwart und die Zauberflöten-Oper als aktionsreiches Fantasy-Märchen. Die Rahmengeschichte spielt an einem legendären Mozart-Internat in den österreichischen Alpen. Dort entdeckt der 17-jährige Gesangsschüler Tim Walker, gespielt vom britischen Schauspieler Jack Wolfe, eines Nachts eine Geheimtür, die ihn in die fantastische Welt von Mozarts „Zauberflöte“ katapultiert. Dort angekommen, wird er zu Prinz Tamino, und die Handlung nimmt über mehrere Nächte den bekannten opernmäßigen Verlauf.

Bei der aktuellen Verfilmung von Mozarts „Zauberflöte“ ging Regisseur Florian Sigl ein großes Wagnis ein. Schließlich handelt es sich um eine der weltweit meistgespielten Opern überhaupt. Soll heißen: Sehr viele kennen Mozarts letztes Bühnenwerk und fast alle lieben es.

Aus dem märchenhaften Stoff ein spannendes Fantasy-Abenteuer à la Hollywood zu machen, scheint sich auf den ersten Blick anzubieten. Dabei vermeidet der Film, mit der Opernvorlage in Konkurrenz zu treten. Dazu trägt sowohl die Parallelität von zwei Geschichten bei als auch das Genre zwischen Schauspiel und Musical mit nur noch einem Hauch von großer Oper.

Ein Sieg der Liebe

Zum Happy End des Prinzenpaars Tamino und Pamina sowie von Papageno und Papagena gesellt sich im Film ein drittes, das von Tim Walker und der von der Irin Niamh McCormack gespielten Sophie. Damit verbinden die beiden Internats-Schüler aus dem Film das Opern-Märchen mit dem realen Leben. Ein Sieg der Liebe also auf ganzer Linie!

Doch so einfach ist das nicht. Die Rahmengeschichte des ab sechs Jahren freigegebenen Familienfilms ist sehr dominant, und viele Zuschauer, gerade die jüngeren, werden ihr mehr Aufmerksamkeit schenken als Mozarts Märchen. Denn sie spricht die Themen an, denen junge Menschen auf dem Weg ins Leben der Erwachsenen ausgesetzt sind: Leistungsdruck der Schule, Erwartungsdruck der Eltern, Mobbing, Freundschaft, Feindschaft, Angst, Zweifel, erste Liebe und schließlich ganz allgemein die Suche nach dem eigenen Weg zum beruflichen und privaten Glück.

Im Rampenlicht des Films stehen mit Sophie eine selbstbewusste junge Frau und mit Tim ein sensibler junger Mann. Gerade Jack Wolfe alias Tim Walker dürfte vor allem bei den weiblichen Teenagern einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Er hat nicht nur das Potential zum Prinzgemahl, sondern auch zum „Traumpartner“ schlechthin.

Mit deutschen Geldern finanziert

Als internationale Traumpartnerschaft entpuppt sich ihrerseits die Filmproduktion. Trotz seines englischen Titels und seiner ausländischen Hauptdarsteller firmiert „The Magic Flute“ als deutscher Film mit deutschen Filmgeldern. Die Produktionskosten lagen bei über zehn Millionen Euro. Dabei wurde er aus mehreren deutschen und österreichischen Töpfen gespeist. Unter anderem steuerten der FilmFernsehFonds Bayern aus dem Fördertopf für internationale Koproduktionen 1,6 Millionen Euro bei, die Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg 500.000 Euro sowie Hessen Film und Medien 350.000 Euro.

Die Besetzung durch eine die britische Casting-Direktorin sorgte für eine bunte Schar an Mitwirkenden. Als einer der wenigen deutschen Darsteller darf Stefan Konarske (TV-Serie „Das Boot“) als Monostatos mitwirken. Weiterhin kommt der in Eritrea geborene deutsche Comedian Tedros „Teddy“ Teclebhran als Internatslehrer Mr. Baumgartner zum Zug.

Zu den bekannten Namen zählt der „Game of Thrones“-Star Iwan Rheon als Vogelfänger Papageno. Auch F. Murray Abraham, der 1985 für seine Rolle als Antonio Salieri im Filmdrama „Amadeus“ einen Oscar erhielt, spielt als Internatsleiter Dr. Longbow mit, des Weiteren die französische Opernsängerin Sabine Devieilhe als Königin der Nacht und Opernsänger Rolando Villazón in einer kurzen Rolle als Vater und Opernstar Enrico Milanesi.

Der Film gibt dem Nachwuchs eine Chance, und die frischen Stimmen und der große Elan sorgen für seine besondere Note. Der Film ist synchronisiert, neben den Sprechrollen auch der Gesang. So leiht der 32-jährige Peter Lewys Preston, gebürtiger Deutscher mit slowenisch-amerikanischen Wurzeln, Papageno seine deutsche Gesangsstimme.

Gedreht wurde vom 7. Februar bis zum 15. April 2021 Corona-bedingt vor allem in den nahezu hermetisch abgeriegelten Bavaria Studios am Münchner Stadtrand. Natürlich spielen auch die Mozart-Stadt Salzburg und das Salzburger Land eine herausragende Rolle. Mit den Internatsszenen ging man in den spätbarocken Prachtbau von Schloss Leopoldskron. Kulissen für die Außenaufnahmen bilden unter anderem die Festung Hohensalzburg, die Salzburger Altstadt und Burg Hohenwerfen im Salzburger Land.



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