26.11.2022

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Vom Nachbarn zum Freund: Małgorzata Urlich-Kornacka führt auf den Spuren des Romanhelden von Marek Krajewski
Foto: Chris W. WagnerVom Nachbarn zum Freund: Małgorzata Urlich-Kornacka führt auf den Spuren des Romanhelden von Marek Krajewski

Östlich von Oder und Neiße

Kommissar Mock putzt nie mehr seine Schuhe

Zum Ende der Krimi-Reihe, die im Breslau der Vorkriegszeit spielt

Chris W. Wagner
18.11.2022

Nun ist es raus, es wird keinen weiteren Breslau-Krimi mit Kommissar Eberhard Mock in der Hauptrolle geben. Dies verkündete der Kriminalautor Marek Krajewski am vergangenen Montag im Breslauer Art Hotel.

Nach 13 Bänden sei er des Themas müde, begründet Krajewski. „Ich mag Eberhard Mock und empfinde eine starke Bindung zu meinem Helden. Gerne würde ich mich mit ihm zusammensetzten, plaudern und Tee trinken. In Gedanken habe ich mich jedoch von ihm verabschiedet, aber er wollte mir nicht so recht glauben“, scherzte der 56-jährige Altphilologe, der dem Breslauer Publikum seinen letzten Breslau-Krimi „Błaganie o śmierć“ (Das Flehen um den Tod) vorstellte. Durch den Abend führte die Germanistin, Fremdenführerin und Autorin Małgorzata Urlich-Kornacka. Auch sie will es nicht wahrhaben, dass Krajewski nach 23 Schriftstellerjahren mit seinem Helden bricht.

Die Romanfigur Eberhard Mock, geboren in Waldenburg [Wałbrzych] kommt als Veteran des Ersten Weltkrieges nach Breslau. „Ich möchte, dass meine Leser Eberhard als eine innerlich zerrissene, aber starke Persönlichkeit in Erinnerung behalten, als einen Menschen, der nach Schicksalsschlägen wieder aufsteht, der brutal sein kann, aber auch aus Mitleid weint“, sagt der Autor.

Vorkriegs-Breslau ist Hauptrolle

Neben Mock spiele das Vorkriegs-Breslau die Hauptrolle in dieser Krimireihe, so Urlich-Kornacka. Fasziniert vom Werk Krajewskis beschloss sie bei ihren Stadtführungen, auf den Spuren von Eberhard Mock zu wandeln.

Ihre Führung geht beispielsweise zum Rehdigerplatz 1 [plac Lejba Icchaka Pereca], wo die Romanfigur Eberhard Mock seit 1925 wohnte. Diese Adresse wählte Krajewski nicht zufällig. Der Autor ist nämlich ganz in der Nähe, in der Opitzstraße [ul. Żelazna], geboren worden. Als kleiner Bub fand er auf den Straßen und alten Gebäuden immer wieder Spuren der deutschen Vergangenheit, obwohl es doch hieß, Breslau sei „polnisch“. Doch der kleine Krajewski stieß immer wieder auf Inschriften wie „Briefe“ statt „listy“ und ab und zu schimmerte unter dem abgebröckelten Putz ein Schriftzug wie: „Obst und Gemüse“ durch. Das waren seine ersten Begegnungen mit der deutschen Sprache und mit der deutschen Vergangenheit der Stadt. „Ich bin ein neugieriger Mensch und wollte beim Recherchieren selbst das einstige Breslau entdecken“, sagt er. Krajewski beschreibt in seinen Breslau-Romanen, wie sich die Menschen kleideten, was sie in Gaststätten besonders gerne bestellten, worüber sie sich damals unterhielten, wie die politische Stimmung war. Auf die Frage, wie viel Ähnlichkeit Krajewski mit seinem Helden Mock habe, antwortet er: „Als mein Held die Straße entlang ging, stolperte und sich die Spitze seines glänzenden Schuhs beschädigte, kam aus seinem Mund ein dickes Schimpfwort. Ich verstehe ihn. Mit mir ist es ähnlich, falls so etwas passiert. Die Welt kann untergehen, aber die Schuhe müssen immer geputzt sein!“

Krajewskis schriftstellerisches Abenteuer begann 1999 mit dem Roman „Tod in Breslau“. 2003 folgte der „Kalenderblattmörder“, „Gespenster in Breslau“ zwei Jahre später. Zu der Roman-Reihe mit Eberhard Mock gehört auch „Festung Breslau“ (2006), „Pest in Breslau“ (2007), „Finsternis in Breslau“ (2009), wo neben Mock ein neuer Held, Kommissar Edward Popielski, erscheint. Die Krimireihe wird allerdings weitergesponnen und erlebt dieser Tage ihre Premiere als Filmserie.

Die seit 2016 erschienen Breslau-Kriminalromane wurden nicht mehr ins Deutsche übersetzt, was Urlich-Kornacka bedauert, denn sie habe die Krajewski Bücher zunächst auf Deutsch gelesen. Es passe atmosphärisch besser zum alten Breslau, sagt sie. Sie verspricht, auch wenn es keine weiteren Mock-Krimis mehr gibt, ihre Führungen auf seinen Spuren beizubehalten, auch und vor allem in deutscher Sprache (malgorzata.wroclove@gmail.com).



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