26.09.2022

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Parlament

Kreißsaal, Hörsaal, Plenarsaal

Wo manch weltfremder Vorstoß seine Wurzeln haben könnte: Ein Großteil der Grünen-Bundestagsfraktion hatte kaum je Berührung mit dem wirklichen Leben

Wolfgang Kaufmann
04.04.2022

Einer der jüngsten Tiefpunkte des Parlamentarismus hierzulande war der Auftritt der 23-jährigen Bundestagsabgeordneten Emilia Fester, die während der Debatte um die Einführung einer allgemeinen Impfpflicht den ungeimpften Teil der Bevölkerung auf hysterisch-infantile Weise dafür verantwortlich machte, dass sie während der vergangenen zwei Jahre der Universität habe fernbleiben müssen. Was der Angehörigen der Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen freilich nicht sonderlich geschadet haben kann, weil sie an gar keiner Hochschule immatrikuliert ist.

Vielmehr arbeitete die Abiturientin ohne Berufsabschluss oder Studienplatz als freischaffende Regieassistentin, bevor sie ins Parlament einzog. Damit strebte sie offenbar eine ähnliche Karriere an, wie das grüne „Urgestein“ Claudia Roth. Diese brach ihr Studium der Theaterwissenschaft nach zwei Semestern ab und betätigte sich hernach als Dramaturgin und Managerin einer Musikgruppe – bis die Letztere pleite ging. Dennoch avancierte Roth später zur Bundesvorsitzenden ihrer Partei, Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages und schließlich Staatsministerin im Kabinett Scholz.

Dabei bilden Roth und deren kreischende Epigonin Fester keineswegs unrühmliche Ausnahmen innerhalb ihrer Fraktion. Das zeigt ein Blick auf die Gesamtheit der 118 Abgeordneten der Bündnisgrünen im 20. Deutschen Bundestag, der sich am 26. Oktober 2021 konstituierte. Ohne jeglichen Berufs- oder Studienabschluss sind auch Tobias Bacherle, Agnieszka Brugger, Deborah Düring, Katrin Göring-Eckardt, Erhard Grundl, Kathrin Henneberger, Oliver Krischer, Ricarda Lang, Sascha Müller, Omid Nouripour, Corinna Rüffer, Jamila Schäfer, Merle Spellerberg und Niklas Wagener. Das ergibt eine „Ungelernten-Quote“ von immerhin 13,6 Prozent.

Politikwissenschaftler dominieren

Wobei in manchen Fällen aber noch die theoretische Hoffnung auf ein erfolgreiches Ende der Hochschulausbildung besteht, obgleich deren Beginn schon „einige“ Jahre zurückliegt. Diesbezügliche Rekordhalterin ist die 1985 geborene Brugger, die seit 2009 im Bundestag sitzt und seit 2018 auch als stellvertretende Fraktionsvorsitzende fungiert. Sie studiert bereits seit 2004 Politikwissenschaften und Öffentliches Recht an der Universität Tübingen – von 2006 bis 2009 mit einem Stipendium der den Grünen nahestehenden Heinrich-Böll-Stiftung. Hinter ihr auf Platz zwei liegt Jamila Schäfer, deren Immatrikulation 2012 erfolgte.

Dass man auch ein überlanges Studium noch irgendwann zu Ende bringen kann, demonstrierten unter anderem die nunmehrige Islamwissenschaftlerin Luise Amtsberg sowie der gleich doppelt akademisch geadelte Islamwissenschaftler und Agrarökonom Karl Bär. Beide benötigten von 2004 bis 2013, um zum Abschluss zu kommen. Ebenso währten Philipp Krämers Anstrengungen zur Erlangung der Würde eines „Joint Bachelor“ in Philosophie und Soziologie an der TU Darmstadt von 2013 bis 2021 – bei einer Regelstudienzeit von drei Jahren.

Was die Studienabschlüsse der Abgeordneten von Bündnis 90/Die Grünen betrifft, qualifizieren diese – sofern genaue Details bekannt sind – für folgende akademische Berufe (in Klammern die Zahl der Vertreter der jeweiligen Profession mit Abschlüssen vom Bachelor und Master über das Diplom bis hin zur Promotion): Politikwissenschaftler (20), Rechtsanwalt oder Jurist sonstiger Art (13), Sozialwissenschaftler (6), Volkswirt (5), Humanmediziner (4), Sozialpädagoge (4), Betriebswirt (4), Islamwissenschaftler (3), Sozialarbeiter (3), Lehrer (3), Agrarökonom (2), Agrar-Ingenieur (2), Wirtschafts-Ingenieur (2), Psychologe (2), Biologe (2), Bau- beziehungsweise Wasserbau-Ingenieur (2). Jeweils einmal vertreten sind: Ingenieur für Wald- und Forstwirtschaft, Wirtschaftswissenschaftler, Verwaltungswissenschaftler, Erziehungswissenschaftler, Kommunikationswissenschaftler, Sprachwissenschaftler, Mathematiker, Informatiker, Umweltwissenschaftler, Friedens- und Konfliktforscher, Kunsthistoriker, Film- und Fernsehwissenschaftler, Veterinärmediziner, Sozial- und Kulturanthropologe, Regionalwissenschaftler, Literaturwissenschaftler, Philosoph und Völkerrechtler.

Im Kontrast zu diesem bunten Reigen akademischer Meriten stehen ganze sieben vor dem Studium erworbene Facharbeiterabschlüsse folgender Art (in Klammern die Namen der Betreffenden): Veranstaltungskauffrau (Schahina Gambir), Forstwirtin (Tessa Ganserer), Groß- und Außenhandelskaufmann (Matthias Gastel), Wasserbautechniker (Bernhard Herrmann), Zootechnikerin (Steffi Lemke), Erzieherin (Beate Müller-Gemmeke) und Krankenschwester (Kordula Schulz-Asche).

Nur zwei mit militärischer Erfahrung

Dazu kommt als absoluter Exot die aus der Oberpfalz stammende Tina Winkl-mann, welche eine Ausbildung zur Verfahrensmechanikerin für Kunststoff- und Kautschuktechnik absolvierte und danach tatsächlich auch von 1998 bis 2019 in diesem Beruf arbeitete, bevor sie aus dem Drei-Schicht-Betrieb bei der Siemens AG in Amberg in die Politik wechselte.

Mit anderen Worten: Das oftmals strapazierte Schlagwort „Aus dem Kreißsaal über den Hörsaal in den Plenarsaal“ trifft bei der übergroßen Mehrzahl der Abgeordneten der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen in vollem Maße zu. Was dann auch so manchen weltfremden Beitrag von bündnisgrünen Parlamentariern erklärt, der unschwer erkennen lässt, dass die Betreffenden nur höchst nebulöse Vorstellungen vom Leben der Arbeiter, Bauern, Angestellten und Rentner hierzulande haben.

Ebenso auffällig ist, wie wenige Volksvertreter aus der Partei unter der Führung von Ricarda Lang (abgebrochenes Studium der Rechtswissenschaften) und Omid Nouripour (abgebrochenes Studium der Philologie, Politikwissenschaft, Rechtswissenschaften, Soziologie, Philosophie und Volkswirtschaftslehre) militärische Erfahrungen haben: Bernhard Herrmann diente anderthalb Jahre in der Volksarmee der DDR und Jürgen Trittin ein paar Monate in der Bundeswehr. Das war es dann auch schon.



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Kommentare

Jan Kerzel am 06.04.22, 06:56 Uhr

Solange wir das Verhältniswahlrecht beibehalten, ist die Sache rechtens und in jeder Hinsicht in Ordnung. Es geht hier nämlich nicht um die Bewährung im Wahlkreis und damit vor den Wählern und Bürgern, sondern um die Akzeptanz in der Partei. Das ist vollkommen losgelöst von der Bevölkerung und braucht. diese im Grunde genommen auch nicht. Nur ein Mehrheitswahlsystem, das den Wahlkreis mit absoluter oder doch zumindest mit relativer Mehrheit vergibt, schafft die grundständige Anbindung an die Bevölkerung. Dort werden im allgemeinen aber nur Personen akzeptiert, die biographisch so gebaut sind, dass sich ein Großteil der Wählerinnen und Wähler positiv damit identifizieren kann. Dadurch scheiden dann zwangsläufig Personen mit gebrochenen oder komplett unfertigen Lebensläufen weitgehend aus. Kompetenz, Lebenserfahrung und Bewährung würden nun auch in den Parteien an der ersten Stelle stehen, da man sonst chancenlos wäre. Aber so? Listenplatz, von den Spezies aufgestellt, und fertig ist der Abgeordnete.

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