Preußische Allgemeine Zeitung Zeitung für Deutschland · Das Ostpreußenblatt · Pommersche Zeitung
Derzeit präsentiert das Ostpreußische Landesmuseum das Schaffen eines bis vor wenigen Jahren weithin unbekannten Künstlers
Über Künstler aus Ostpreußen, die nach dem Krieg in der DDR lebten, ist viel weniger bekannt als über jene, die in der Bundesrepublik weiterarbeiten konnten. Es fehlten dort die Einrichtungen, die eine Identität als aus Ostpreußen stammend unterstützt hätten. Dennoch hat auch Walter Mamat im Laufe seiner Künstlerexistenz in der DDR die Zeit in Ostpreußen nicht vergessen und immer wieder einmal Erinnerungen in Kunstwerken gestaltet.
Seine Herkunft hätte man in DDR-Verhältnissen als „proletarisch“ bezeichnet. Walter Mamat wurde am 21. März 1912 in Memel geboren als siebentes von neun Kindern des Maurers Albert Mamat und der Schneiderin Anna Mamat geborene Doblies. Seine offenbar vorhandene künstlerische Begabung konnte zwar aus finanziellen Gründen nicht auf einer Kunstakademie entwickelt werden, er ging aber in die Lehre bei einem Dekorations- und Kirchenmaler.
Um die freie Malerei weiter zu erlernen, nahm er Unterrichtsstunden bei Carl Knauf in Königsberg, ab 1931 in Nidden. 1934 bis 1936 musste er seinen Militärdienst in der litauischen Armee ableisten. Seine Heimat gehörte seit 1923 zu Litauen. Die Verbindung zu Knauf, seinem Lehrer, blieb jedoch bestehen. Von 1937 bis 1940 war er dessen Assistent. Ab 1940 musste er als Hilfszeichner in einem Rüstungsbetrieb arbeiten. Mit diesem Betrieb wurde er im Oktober 1944 wegen der Kriegslage aus Memel evakuiert und gelangte schließlich nach Mitteldeutschland. Ab Juli 1945 war er dann in Wittenberg ansässig.
Von Memel nach Wittenberg
Diese eher dürftigen Fakten sind bisher für die erste Hälfte des Lebens von Mamat fast alles, was bekannt ist. Die Erforschung von Leben und Werk des Malers steht noch am Anfang. Durch die jetzt im Ostpreußischen Landesmuseum laufende Ausstellung ergibt sich ein weiterer Anstoß, um hierin voranzukommen. Da auch nur sehr wenig von Mamats Arbeiten vor 1945 erhalten geblieben scheint, bedarf es noch weiterer vergleichender Betrachtung, um seinen Stil der ersten Lebenshälfte besser zu erkennen. Mamat hat nur sehr wenige seiner Arbeiten datiert, ähnlich wie sein Lehrer Knauf, was die Einordnung nicht erleichtert.
Bei der Evakuierung aus Memel muss der Maler einige Arbeiten mitgenommen haben. Schon zu Weihnachten 1945 zeigte er in einer Ausstellung in Wittenberg Motive von der Kurischen Nehrung. In einer Zeitung hieß es dazu: „Der aus Ostpreußen stammende Landschafter W. Mamat hat Bilder seiner Heimat ausgestellt. Seine Arbeiten sind gut und erfreuen durch Farbe und gute Zeichnung.“ Das wäre eine gute Kurzcharakterisierung eines Knauf-Schülers. Knauf selbst war reiner Landschaftsmaler und zumeist auf das Memelland konzentriert.
Mamat muss sich entschieden haben, seinen weiteren Berufsweg als freischaffender Maler zu gehen. Dazu ergab sich nun die Gelegenheit, eine Kunsthochschule zu besuchen. Er studierte von 1946 bis 1948 an der Weimarer Kunsthochschule bei Hermann Kirchberger und Otto Herbig. Hier konnte er auch den bislang fehlenden Teil seiner Ausbildung nachholen: die Figurenmalerei. Dies gelang so sehr, dass es schon 1949 in einer Ausstellungskritik hieß: „Dem Figürlichen, vor allem dem Portrait, scheint seine besondere Liebe zu gehören .... Allerdings möchten wir den figürlichen Kompositionen den Vorzug geben.“ Dennoch gehörten in der im Februar 1949 in Halle präsentierten Ausstellung von 43 gezeigten Arbeiten 24 der Landschaft an, davon 21 der Kurischen Nehrung. Aber die neue Richtung war bereits vorbereitet. 1948 begann in der Sowjetunion der sogenannte Formalismusstreit, der ab 1949 auch in der DDR aufkam. Es ging um Ablehnung moderner Kunstrichtungen, wie der abstrakten Kunst, die im Westen aufkamen. Zugleich wurde gefordert, dass die Kunst nah an der Wirklichkeit sein solle, den sozialistischen Arbeitsalltag möglichst optimistisch darstellen und der Umerziehung im Geist des Sozialismus dienen solle.
Mamat wird diese Auseinandersetzungen mitbekommen haben. Sein Weimarer Lehrer Hermann Kirchberger war davon betroffen. 1950 wurde ein großes Wandbild abgenommen und 1951 musste Kirchberger sein Lehramt aufgeben. Mamat stand mit immerhin schon 37 Jahren am Anfang einer Berufsrichtung als freischaffender Künstler, zudem hatte er eine Familie zu versorgen. So entschied er sich für den staatlich vorgesehenen Weg. „Der Künstler ging auf die Forderungen der Allgewaltigen ein, denn er wollte auch leben. Die Aufträge waren sowieso nicht dicht gesät, und ein Monatsgehalt stand den Künstlern nicht zur Verfügung“, schrieb er später einmal.
Sein Werk umfasste bald eine Vielzahl von Aufgaben und Motiven: Landschaften, Portraits, Blumenbilder, Tiere und – für die offiziellen Aufträge ganz wichtig – Menschen bei der Arbeit. Auch in vielen Techniken war er zu Hause: Zeichnungen, Aquarelle, Pastelle, Gemälde, Wandmalerei. Letzteres hatte er bei Kirchberger gelernt und konnte es nun für die Großaufträge der staatlichen Betriebe einsetzen. Er schloss mit verschiedenen Betrieben Verträge, um dort zu arbeiten.
Überleben mit Großaufträgen
So war er in der Maschinen-Traktoren-Station (MTS) in Straach bei Wittenberg Ende der 1950er Jahre tätig: „In die Betriebe müsste man gehen, und so war ich sehr froh, als der Rat des Kreises und die MTS Straach mit mir einen Vertrag abschlossen und mir die Möglichkeit gaben, mich zwei Monate auf der MTS aufzuhalten. Jetzt konnte ich das Leben der Menschen auf dem Lande studieren und neue Bildinhalte bekommen. So entstand dann u.a. das Bild des heutigen Mähdrescherfahrers Franz Loschtiak.“
Zu den Großaufträgen gehörte 1967 ein Wandbild im Treppenhaus der Betriebsakademie der Gummiwerke in Piesteritz (VEB Gummiwerke Elbe) bei Wittenberg. Mamat hatte seit 1960 einen Vertrag mit dem Betrieb und leitete „den Zirkel für bildnerisches Volksschaffen“. Das Werk in Latexfarben zeigte in der Bildmitte eine überlebensgroße „Gestalt eines Arbeiters, in dessen einer Hand eine Taube ruht, während die andere den Lauf der Waffe umfasst. Diesem Symbol für die Bereitschaft der Werktätigen, den Frieden zu schützen und die Errungenschaften unserer Republik zu verteidigen, sind genrehafte Szenen zugeordnet, deren jede Wesentliches über den Charakter unserer neuen, sozialistischen Ordnung aussagt: Die Dreiergruppe der Chemiker, das Idyll der Mutter mit ihren Kindern, das glückliche junge Paar, das lesende und das malende Mädchen, der Arzt und der von ihm betreute Patient“, so schildert es ein zeitgenössischer Zeitungsbericht. Das Wandbild ist heute mit einer Tapete überklebt und dadurch wohl verloren.
Neben den offiziellen Werken schuf Mamat eine umfangreiche Ansammlung mit Figurenbildern und Landschaften. Bis heute sind noch nicht alle erhaltenen Nachlassteile aufgearbeitet. Einen großen Bestand von 235 Arbeiten im Haus der Geschichte in Wittenberg bringt museum-digital.de wenigstens als Abbildungen, vieles ist in Privatbesitz. Diese sind im Original leider nicht zugänglich. Eindrucksvoll ist die Präsentation des Ostpreußischen Landesmuseums in Lüneburg, welche die malerische Entwicklung Mamats erkennen lässt.
Seine frühen Arbeiten vor 1945 sind kaum bekannt oder ohne Datierung nicht genau zu bestimmen. Zwei erhaltene Fotos zeigen Aquarelle mit Dünen und mit Kurenkähnen, natürlich ganz im Stil von Knauf. Auch ein (vermutlich) mit 1947 datiertes Aquarell mit Kurenkahn vor Hoher Düne lässt sich noch gut vom impressionistischen Stil Knaufs herleiten. Spätere Arbeiten von der Kurischen Nehrung haben noch die Motivik der Knaufschen Werke, doch der Stil ist viel härter und die Farben kräftiger, wie von Eindrücken des Expressionismus geprägt. Dies könnte Mamat von seinem Lehrer Herbig in Weimar mitgenommen haben, der in solcher Farbigkeit arbeitete.
Im Herzen ein Landschaftsmaler
Wichtiger für Mamat dürften die Eindrücke des Weimarer Unterrichts bei Kirchberger gewesen sein. Dessen kräftig formende Malweise der Landschaften und die etwas kantigen Figurengestaltungen scheinen ihm weiterhin eine Richtungsweisung gewesen zu sein. Durch diesen Unterricht erhielt Mamat die entscheidenden Impulse, die ihn schließlich die sanftere, impressionistisch geprägte Malweise Knaufs überwinden ließen. Ein weiterer Impuls – wohl noch aus der Zeit nach dem Studium in Weimar – war für seinen Stil der großen Auftragsarbeiten im Sinne des sozialistischen Realismus maßgebend. Dessen genaue Herkunft müsste jedoch noch erforscht werden.
Mamat war durch die Landschaftsmalerei Knaufs grundlegend geprägt und blieb wohl auch im Herzen ein Landschaftsmaler, wie viele Arbeiten seiner Reisen belegen: 1957 nach Albanien, 1958 nach Bulgarien, 1974 nach Moskau und 1975 nochmals nach Bulgarien und zuletzt an die Wolga. Ebenso bearbeitete er viele Motive aus der Region um Wittenberg und aus der Stadt selbst. Dass er noch einmal in seine alte Heimat nach Memel gefahren wäre, ist nicht überliefert.
Mamat starb am 3. Juni 1976 in Wittenberg. 1977 wurde noch eine Gedächtnisausstellung in Wittenberg veranstaltet, danach scheint es allmählich still um sein Andenken und sein Werk geworden zu sein. Spätestens nach 1990 scheint er in Vergessenheit geraten zu sein, bis nun durch private Initiative seit wenigen Jahren eine Wiederentdeckung begann. Zu Anfang mit einer Präsentation einiger weniger Arbeiten 2018 in einer Wittenberger Ausstellung, nun durch die Personalausstellung im Ostpreußischen Landesmuseum. Parallel dazu kommt auch die Erforschung von Leben und Werk dieses Malers aus Memel und Wittenberg allmählich in Gang. Es gibt noch viel zu entdecken in der ostpreußischen Malerei wie auch in der Kunst aus der DDR.
Die Kabinettausstellung „Auferstanden aus Ruinen | Der Maler Walter Mamat (1912-1976)“ ist noch bis zum 24. August im Ostpreußisches Landesmuseum mit Deutschbaltischer Abteilung, Heiligengeiststraße 38, 21335 Lüneburg, Telefon (04131) 759950, E-Mail: info@ol-lg.de , Internet: www.ostpreussisches-landesmuseum.de zu sehen.