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Raumfahrt

Länder und Konzerne liefern sich einen Wettlauf ins All

Mit Elon Musk und Jeff Bezos sind auch zwei Privatunternehmer groß im Geschäft. Derweil werden Pekings massiv verstärkte Aktivitäten mit einem gewissen Misstrauen beäugt

Wolfgang Kaufmann
13.06.2023

Während Russland weiterhin auf sein seit 1967 verwendetes Sojus-Raumschiff setzt und im Februar 2023 den 175. Start eines solchen kosmischen Oldtimers feierte, bemühen sich andere Raumfahrtnationen um grundlegende Innovationen. Dabei gab es einige Erfolge und Misserfolge. Zu den Letzteren zählt die Explosion von Starship SN24 beim ersten Testflug der bislang größten jemals gebauten Rakete der Welt am 20. April. Starship-Raketen sollen später einmal Menschen zum Mond und Mars bringen.

Allerdings geriet der Prototyp ins Taumeln und musste nach vier Minuten Flug gesprengt werden. Doch das war nicht der einzige Schock für die Herstellerfirma SpaceX von Elon Musk: Die 33 Raptor-Triebwerke der Super-Heavy-Startstufe des Starship entwickelten eine derartige Kraft, dass die aus Beton gefertigte Startrampe zerbarst und sich in einen schwelenden Krater verwandelte. Gleichzeitig flogen Betonbrocken und Unmengen von Sand bis zu sechs Meilen durch die Luft. Deswegen kam es zu Schäden an Gebäuden und in den angrenzenden Naturschutzgebieten entlang der sensiblen Küste von Südtexas.

Glück und Pech wechseln sich ab
Hieraufhin verhängte die Aufsichtsbehörde FAA ein Flugverbot, während Musk ankündigte, beim nächsten Start werde man eine wassergekühlte Stahlplatte als Basis für die Rampe verwenden. Doch dies dürfte kaum ausreichen, um wieder Grünes Licht seitens der FAA zu erhalten. Denn inzwischen klagen verschiedene Umweltgruppen und Kommunen gegen die FAA, weil deren Umweltverträglichkeitsprüfung angeblich zu lasch ausgefallen ist. Einige Aktivisten werfen der Behörde und SpaceX sogar „Umweltrassismus, wie er im Lehrbuch steht“, vor.

Deutlich mehr Glück hatte SpaceX hingegen mit der Axiom Mission 2 (Ax-2). Hierbei handelte es sich um einen bemannten Flug der wiederverwendbaren Raumkapsel Crew Dragon C212 und der Trägerrakete Falcon 9 – beides Konstruktionen von SpaceX. Ax-2 startete am 21. Mai und koppelte einen Tag später an die Internationale Raumstation (ISS) an. Anschließend unternahmen die Astronauten, zu denen neben Peggy Whitson und John Shoffner aus den USA auch die beiden saudi-arabischen Staatsbürger Ali Alqarni und Rayyanah Barnawi gehörten, eine Woche lang Experimente auf der ISS, bevor sie am 31. Mai wieder zur Erde zurückkehrten.

Barnawi, Stammzellforscherin am King Faisal Specialist Hospital and Research Centre in Riad, und der Kampfpilot der saudischen Luftwaffe Alqarni waren dabei nicht die einzigen Araber an Bord der Raumstation. Am 3. März hatte bereits die Crew Dragon C206 von SpaceX mit einer vierköpfigen Langzeitbesatzung an die ISS angedockt. Zu dieser gehört neben zwei US-Amerikanern und einem Russen auch Sultan Saif al-Nejadi aus den Vereinigten Arabischen Emiraten. Der promovierte Informationstechniker soll noch bis zum 27. August in der Raumstation bleiben. Das Unternehmen Axiom Space kassierte von Saudi-Arabien insgesamt 110 Millionen US-Dollar für die Mitnahme von Barnawi und Alqarni und plant nun die Bereitstellung eines eigenen Moduls für die ISS.

Wieder Menschen auf dem Mond
Weitere Erfolge erzielten in jüngster Zeit die privaten US-Raumfahrtunternehmen Virgin Galactic und Blue Origin. Das Erstere will Menschen für rund 450.000 US-Dollar pro Person an die Grenze des Weltraums in 100 Kilometern Höhe bringen und startete am 25. Mai eine letzte Testmission. In deren Verlauf stieg der von dem Flugzeug VMS Eve in die Luft gehievte Raumgleiter Unity mit den Piloten Jamila Gilbert und Christopher Huie bis auf 87 Kilometer hinauf. Damit kann der erste kommerzielle Flug unter der Bezeichnung Galactic 01 nun im Verlauf des Juni starten.

Und Blue Origin, das von dem Amazon-Gründer Jeff Bezos aus der Taufe gehoben wurde, erhielt dieser Tage den Auftrag zum Bau der Mondlandefähre Blue Moon, die 2029 im Rahmen der Mission Artemis 5 vier Menschen auf die Oberfläche unseres Erdtrabanten bringen soll. Damit gewann das Unternehmen eine Ausschreibung der US-Raumfahrtbehörde NASA und kann auf 3,4 Milliarden Dollar an staatlichen Geldern hoffen.

Ebenso wenig bemerkt wie die Präsenz von drei Arabern im All blieb in der Öffentlichkeit, dass das Reich der Mitte seit dem 5. Juni 2022 eine permanent mit sogenannten Taikonauten bemannte chinesische Raumstation (abgekürzt CSS für „China Space Station“) besitzt. Die CSS besteht aus drei T-förmig verbundenen Modulen von insgesamt 68,5 Tonnen Masse. Der Aufbau der Station begann im April 2021 mit dem Start des ersten Moduls und endete am 3. November 2022 mit der Ankopplung des Wissenschaftsmoduls.

Was haben die Chinesen vor?
Am 17. Juni 2021 traf die erste dreiköpfige Besatzung in der CSS ein. Danach fand noch eine weitere Mission zur Einrichtung der Station statt, bevor dann vor Jahresfrist der Dauerbetrieb anlief. Bei der Schichtübergabe im November/Dezember 2022 weilten erstmals sechs Chinesen gleichzeitig im All beziehungsweise in der CSS. Und nun gab es erneut einige Tage lang Gedränge in den drei Modulen der Station, nachdem ein weiteres Raumschiff am 30. Mai angedockt war. Dessen Besatzung soll bis Jahresende Dienst tun. 2024 steht dann für die Taikonauten die Erprobung eines weiteren Moduls an, welches ein Weltraumteleskop mit zwei Metern Durchmesser enthalten wird.

Eine weitere Innovation gelang dem Unternehmen China Aerospace Science and Technology Corporation (CASC) im Zeitraum zwischen August 2022 und Mai 2023. Im Verlauf von 276 Tagen testete die CASC ihren wiederverwendbaren Raumgleiter, der als „wichtiger Durchbruch“ im Hinblick auf einen „praktischeren und kostengünstigeren Weg bei der friedlichen Nutzung des Weltalls“ bezeichnet wurde. Allerdings besteht der Verdacht, dass das bislang vollkommen mysteriös gebliebene Raumfahrzeug auch militärischen Zwecken dienen könnte.


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