28.11.2022

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Umbettung im Kreis Lyck

Letzte Ruhestätte in Zielhausen

Friedhof von Dorntal wurde bei Straßenbauarbeiten zerstört

Reinhard Donder
02.12.2021

Durch das Dorf Czernien, ab 1929 Dorntal [Czernie], führt die sogenannte Via Baltica, eine Fernstraße von Mitteleuropa ins Baltikum. Der Bau der Straße führte mitten durch das bereits 1493 gegründete Oratzendorf im Kreis Lyck. Der Bau erfolgte ohne vorhergehende, detaillierte archäologische Untersuchungen, sodass die Straßenführung quer durch den ehemaligen deutschen Friedhof des Ortes verläuft, der bis zur Vertreibung der Deutschen 1945 genutzt wurde. Sämtliche Orte des Kreises Lyck, nahezu 160, hatten eigene Friedhöfe. Während der Straßenbauarbeiten wurde wenig Rücksicht genommen und immer mit großem Gerät gearbeitet.

Dorntal hatte über die Jahrhunderte immer etwa 100 Einwohner, dementsprechend wurde der Friedhof schon öfter gebraucht. Der Vorschlag ehemaliger Bewohner, die Gebeine der Verstorbenen nach Kalkofen umzubetten, weil der Friedhof in Kalkofen im Register der historischen Denkmäler aufgeführt ist, wurde aus unterschiedlichen Gründen abgelehnt. Unter anderem hieß es, dass die Umbettung nach Kalkofen wegen rechtlicher und finanzieller Komplikationen nicht möglich sei.

Die polnischen Behörden fanden letztendlich eine vortreffliche Lösung, indem sie beschlossen, die menschlichen Überreste aus Dorntal nach Zielhausen, östlich am Stadtrand von Lyck, umzubetten. In einer würdevollen Feier fand die Umbettung Anfang Oktober statt.

Vertreter der Behörden wohnten der Umbettung bei. Pastor Pysz von der evangelischen Kirche in Johannisburg zelebrierte die feierliche Einwohnung der Gedenkstätte. Auf einer dort angebrachten Tafel steht: „Hier ruhen die Reste von den verstorbenen Personen, die aufgefunden wurden bei den archäologischen Arbeiten auf dem ehemaligen evangelischen Friedhof in Cziernie, deutsch Dorntal“. Die Feier wurde professionell durchgeführt, die Überreste sind in etwa 150 Grabschachteln eingebettet.



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