Preußische Allgemeine Zeitung Zeitung für Deutschland · Das Ostpreußenblatt · Pommersche Zeitung
Der „Pommernmarschall“ Adrian Bernhard von Borcke war bei den Krönungsfeierlichkeiten 1701 dabei
Der aus einem pommerschen Uradel entstammende Adrian Bernhard von Borcke gehörte vor 325 Jahren zu den Teilnehmern an den Feierlichkeiten zur Krönung des brandenburgischen Kurfürsten zum König in Preußen. Der in brandenburgisch-preußischen Militärdiensten stehende Soldat wurde dabei zum Vertrauten des damaligen Kronprinzen Friedrich Wilhelm, der seine Karriere beförderte und ihn zum Generalfeldmarschall sowie Minister aufstiegen ließ.
Borcke genoss über Jahrzehnte das besondere Vertrauen seines Förderers. Seine Zeitgenossen bezeichneten ihn als „Pommernmarschall“, und er zählte zu den wenigen Ausnahmen, die anschließend aus dem Kreis des Königs Friedrich Wilhelm I. auch von Friedrich II. übernommen wurden. Das lässt auf eine sachkundige und loyale Beratertätigkeit des Adeligen aus Pommern schließen, was auch der neue König schätzte.
Von Borcke wurde am 21. Juli 1668 in Döberitz bei Regenwalde in Hinterpommern geboren. Seine Mutter entstammte der Adelsfamilie Schwerin. Sein früh verstorbener Vater war kurfürstlich-brandenburgischer Offizier und Besitzer der Güter Stargordt, Döberitz sowie Regenwalde. Der Adelssprössling aus Hinterpommern absolvierte das Gymnasium in Neustettin, studierte zunächst an der Universität in Frankfurt/Oder und trat nach einer zweijährigen Kavalierstour durch Westeuropa 1690 der kurfürstlich-brandenburgischen Armee bei, mit der er einige Jahre am Koalitionskrieg gegen Ludwig XIV. teilnahm. Er bewährte sich in zahlreichen Gefechten als Offizier, wurde zum Generaladjutanten des Generalfeldmarschalls von Flemming ernannt und heiratete 1699 die Tochter des Generals Heinrich von Halland-Elliot.
Anfang 1701 gehörte er als Oberstleutnant zu den Teilnehmern der Krönungsfeierlichkeiten in Königsberg. Er wurde dabei enger mit Kronprinz Friedrich Wilhelm bekannt, der ihn in den Folgejahren förderte. Borcke übernahm als Oberst das Regiment „Kronprinz“, nahm am Spanischen Erbfolgekrieg teil, überstand Verwundungen und eine zeitweilige Gefangenschaft. Zum Generalmajor befördert erstürmte er mit dem „Alten Dessauer“ die Festung Moers und festigte bei der Huldigung Friedrich Wilhelms I. zum König 1713 in Wusterhausen den Kontakt zu seinem Förderer. Das hatte Folgen. Borcke bekam den Befehl über das neue Regiment Nr. 22 und organisierte den Ausbau der im Nordischen Krieg teilweise zerstörten Stadt Stettin. Dabei entriss er den Schweden die Insel Rügen, was das das königliche Vertrauen in ihn festigte.
Parallel ließ er auf seinem Besitz in Stargordt bei Regenwalde bis 1721 ein repräsentatives Schloss im norddeutschen Barock errichten, das in der bedeutsamen Grafiksammlung preußischer Schlösser des Buchverlegers Alexander Duncker enthalten ist. Ab 1720 fungierte er als preußischer Gesandter in Wien. Ab 1722 reformierte er die Stadtkämmereien in der preußischen Provinz Pommern. Er wurde anschließend in den Staatsrat nach Berlin berufen und war in der Folge für den König unverzichtbar.
Immer in Diensten des Königs
Nach dem Tod des Diplomaten Heinrich Rüdiger von Ilgen wurde er 1728 als dessen Nachfolger zum Staats- und Kabinettsminister erhoben. Von Borcke zählte nun endgültig und dauerhaft zum engsten Kreis von Friedrich Wilhelm I. und genoss als sachkundiger Berater das besondere Vertrauen des Königs, der ihn 1737 noch zum Generalfeldmarschall ernannte.
Nach dem Tod des Hohenzollernherrschers 1740 übernahm Friedrich II. die Regierung. Die meisten Vertrauten Friedrich Wilhelms I. wurden entlassen und ausgetauscht. Borcke gehörte jedoch zu den wenigen Ausnahmen, die ihr Ministeramt behielten. Friedrich der Große besuchte ihn, erhob ihn als Beleg seines Vertrauens in den Grafenstand und betraute ihn mit schwierigen diplomatischen Missionen. Doch dem Staatsmann aus Pommern schwanden die Kräfte. Er kränkelte und verstarb nach seiner Rückkehr aus Hannover mit 72 Jahren am 25. Mai 1741 in Berlin. Von seinen zehn Kindern überlebten ihn nur vier. Sein Sohn Heinrich Adrian war preußischer General und Nationalökonom.
Seine letzte Ruhe fand der „Pommernmarschall“ in der Berliner Garnisonskirche, die im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde. Die unzerstörten Grüfte darunter wurden in den Folgejahren mehrfach geplündert. Die Überreste wurden 1949 auf den Südwestfriedhof Stahnsdorf umgebettet. Borckes Barockschloss in Stargordt blieb bis 1945 im Besitz seiner Nachkommen und fiel beim Vormarsch der Roten Armee einem Brand zum Opfer. Es blieben nur Mauerreste erhalten.