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Der Wochenrückblick

Man kennt sich

Wie das Getöse um den Graichen-Clan alles übertönt, und was dabei leider fast untergeht

Hans Heckel
06.05.2023

Mir geht es ja genauso wie Ihnen. Auch ich habe längst den Überblick verloren, wer im Habeck-Ministerium und bei nahestehenden, mit Steuergeld reich beschenkten Organisationen mit wem verwandt ist. Einige Medien malen für ihre Leser bereits Organigramme, um ihnen das kunstvolle Kuddelmuddel der vielfachen privaten Beziehungen zwischen Entscheidungsträgern, Einflüsterern und Begünstigten halbwegs anschaulich zu machen.

Als Habecks Staatssekretär Patrick Graichen, der als eigentlicher Kopf der Energiewende gilt, schließlich seinen eigenen Trauzeugen in eine lukrative Stellung hieven wollte, ging es selbst grüngewirkten Journalisten zu weit. Es erhob sich ein Getöse, das erstaunlich groß wurde angesichts der ansonsten bedingungslosen Zuneigung, die unsere meisten Medienmacher den Grünen entgegenbringen.

Was eigentlich schade ist, denn in dem Lärm ging eine andere Geschichte fast unter, die eigentlich viel zu irre daherkommt, um wahr zu sein. Ist sie aber, auch wenn man es kaum glauben mag. Und wäre der Hintergrund nicht so traurig und so ernst, hätte diese Geschichte das Zeug für eine Politposse, die dermaßen überzeichnet anmutet, dass sie im Falle einer Veröffentlichung als Buch oder Film von der Kritik ziemlich sicher verrissen würde – viel zu klischeehaft, völlig übertrieben, kurz: unglaubwürdig.

Fangen wir mit dem glamourösen Finale an. Es ist der 17. November 2022, als die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) Landesverdienstmedaillen an Leute verleiht, die sich als Helfer nach der Ahrtal-Flut hochverdient gemacht haben. Star der Veranstaltung ist Nicole Schober, die unter ihrem Künstlernamen Missy Motown den Klub „Das Bett“ in Frankfurt am Main betreibt. Sie wird als Chefin der gemeinnützigen Gesellschaft „Helfer-Stab“ geehrt, die im Ahrtal Großartiges geleistet haben soll.

Angefangen hat die Geschichte möglicherweise Jahre zuvor, als Missy Motown auf einem Trierer CSD-Marsch Begona Hermann kennengelernt hatte, damals eine Spitzenbeamtin der Mainzer Landesregierung. Hermann, die mittlerweile pensioniert ist, unterschrieb im September 2021 als Vizechefin der Landesbehörde für Katastrophenschutz und Wiederaufbau einen Vertrag mit Missys „Helfer-Stab“, durch den schließlich fast eine Million Euro Steuergelder in die Kasse der Organisation fließen sollten.

Mitte Juli 2021 waren bei der Flut im Ahrtal 135 Menschen gestorben und unzählige Existenzen vernichtet worden. Gleich nach der Flut hatten sich etliche kompetente Helfer in das Tal begeben, so etwa ein Landwirt mit seinem schweren Gerät und ein Kanal-Unternehmer. Doch ab August sahen die sich plötzlich zu ihrem Entsetzen einer Schmutzkampagne ausgesetzt. Auf einer Antifa-Seite seiner Paderborner Heimat wurde dem Unternehmer beispielsweise per manipuliertem Foto ein SS-Spruch in den Nacken montiert, um ihm eine NS-Gesinnung unterzujubeln. Hasskommentare gegen die Ehrenamtlichen füllten mit einem Mal das Netz. Bundesweit häuften sich dann auch in größeren Medien Berichte über die angeblich rechtsradikale Gesinnung der freiwilligen Helfer.

„Beraterin“ mit bewegter Geschichte
Mittlerweile türmen sich die Verdachtsmomente, dass die Kampagne inszeniert war, möglicherweise, um den Weg freizuschießen für den „Helfer-Stab“, der nach Aussagen von Betroffenen im Ahrtal kaum mehr geleistet haben soll, als Prospekte zu verteilen, wie der „Focus“ berichtet. Hinter der Schmutzkampagne soll eine bayerische „Politikberaterin“ gesteckt haben, die laut Missy Motown 15.000 bis 20.000 Euro Honorar vom „Helfer-Stab“ erhalten hat.

Die „Beraterin“ streitet eine Beteiligung an der verblüffend prompt und großflächig eingesetzten Kampagne indes ab. Die Endfünfzigerin ist mehrfach wegen Betrugs vorbestraft, musste sogar schon einmal ins Gefängnis. Sie machte Politik mit der Seite „Faktencheck Ahrtal“, auf der vermeintliche Enthüllungen über Helfer wie den Landwirt und den Kanal-Unternehmer gepostet worden waren. Am 18. April verurteilte das Amtsgericht Weilheim die „Beraterin“ wegen gefährlicher Körperverletzung gegen eine Nachbarstochter, Beleidigung und versuchter Nötigung. Da das Urteil noch nicht rechtskräftig ist, gilt die Unschuldsvermutung.

Zählen wir zusammen: eine persönliche Bekanntschaft, viel Steuergeld für offenbar ziemlich wenig Leistung auf der Basis eines Vertrages ohne gesonderte Ausschreibung, eine „Beraterin“, die allem Anschein nach schon an sich eine eigene Geschichte wert wäre, eine maßlose Schmutzkampagne, um ehrenamtliche Helfer aus dem Tal zu jagen, und zum feierlichen Abschluss die Landesverdienstmedaille. Was sagen Sie: Kann man das verfilmen?

Na ja, wenn überhaupt, müssten ein paare Details nachgebessert werden. Zunächst haben die Protagonisten dieser Story das falsche Geschlecht. Es müssten Männer sein, nachdem es in unserem Land eine anerkannte Erkenntnis ist, dass Frauen die Politik nicht nur ehrlicher, sondern auch menschlicher machen. Zudem stehen sie politisch auf der falschen Seite. Um staatliche Filmförderung zu erhalten, müssten wir die Rollen also mit Männern besetzen, die politisch auf jeden Fall rechts der Mitte verankert sind. Ein Frankfurter Klub passt auch nicht. Blenden wir stattdessen einen sächsischen Landgasthof ein, in dem sich (das sollte unübersehbar sein) „auch Rechte wohlfühlen“.

Ja, so ginge das! Warten wir ab, wie das Verfahren gegen die „Beraterin“ endet; danach können wir loslegen mit dem Dreh.

Die Frage ist allerdings, ob das Publikum so etwas wirklich lustig fände, wenn es doch weiß, dass dahinter die schreckliche Ahrtal-Tragödie steckt. Und überhaupt scheinen immer Deutsche die Freude an politischer Realsatire zu verlieren, seit sie merken, dass die Schenkelklopfer wie Vorschlaghämmer auf sie selbst, die Bürger, niederkrachen – siehe Habecks Heizhammer.

Die schwindenden Umfragewerte der Grünen legen Zeugnis ab von der wachsenden Humorlosigkeit. Minister Habeck hat das bemerkt und sucht händeringend nach Erfolgsmeldungen, mit denen er das Volk beeindrucken kann. Leider fällt er dabei ebenso ins Realsatirische zurück wie damals mit seiner Bemerkung, Läden, bei denen keiner mehr einkauft, seien ja nicht insolvent, sondern hörten nur auf, etwas zu verkaufen.
Diesmal hat er es fertiggebracht, den Viessmann-Verkauf an einen US-Konkurrenten als Erfolg zu verbuchen nach dem Motto: Dass sich das Ausland unsere Betriebe krallt, zeigt doch, wie begehrt die sind. Was, wenn es nach Habeck geht, selbstverständlich mit seiner genialen Wirtschaftspolitik zu tun hat.

Mehr solche Erfolge, und die Sache mit dem „Industriestandort Deutschland“ hat sich über Kurz oder Lang erledigt. Aber Habeck wird uns dann trösten: Die deutsche Industrie ist gar nicht tot. Sie produziert und verkauft nur nichts mehr.


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Kommentare

Walter Schulz am 12.05.23, 06:59 Uhr

Während wir uns über grüne Vetternwirtschaft erdreisten, lassen wir uns in Massen ablenken vom eigentlichen Existenzproblem Deutschlands, seiner Bürger und deren Freiheit: Mit den Grünen Marionetten in Regierung, Behörden, Gerichten, Lehrkörpern der Unis und Schulen und der Mainstream-Medien haben die willigsten Marionetten der schlimmsten globalistischen Oligarchen das Land gekapert und führen es auf direktem Weg in die Orwell'sche Dystopie.

S Fischer am 11.05.23, 19:16 Uhr

Ich erwarte alsbald den Habeckschen Auftritt wie dereinst Erich Mielke … „ich liebe doch alle, alle Menschen..“
Für die Schweinswale in Wilhelmshaven hat er es schon verkündet.

Hi Hi am 08.05.23, 16:32 Uhr

Der deutsche Staatsbesuch in Äthiopien war höchst interessant, die dortigen Länder produzieren 70 Prozent ihrer Energie erneuerbar, davon kann Deutschland nur träumen. Es ist der Staat, der die Energie erneuerbar erzeugen sollte, nicht jeder einzelne Bürger. Das genau passiert in China, in Afrika, in Saudi-Arabien und in Norwegen.
Und da erdreistet sich das Energie-Entwicklungsland Deutschland, um in viel weiter entwickelten Ländern für eine neue Weltordnung zu werben.
Das eigene Land nach vorne zu bringen, schafft die Regierung aber nicht. Tatsächlich sympathischer wäre, wenn die neue Weltordnung von der Afrikanischen Union entwickelt wird, die Opfer des Sklavenhandels, Opfer vom Raub ihrer Bodenschätze und Opfer von sinnlosen Kriegen wurden.
Die Weltordnung der Nachfahren der deutschen Faschistengeneration, die teilweise noch vom tausendjährigen Reich träumen und deren Vorgänger der ganzen Welt mit Millionen Toten im 2. Weltkrieg bewiesen haben, dass sie keine Moral haben, und deren Kinder teilweise mit eisernem Vernichtungswillen Terroristen wurden, die sollten bitte die Finger von einer neuen Weltordnung lassen.

Rainer Dr. Büchler am 07.05.23, 09:44 Uhr

Werter Herr Heckel,
was Sie beschreiben, haben andere Autoren bereits berichtet. Im Grunde Klügel über all im Politbetrieb. Was aber niemand erwähnt, wohl weil er Schiss und die Hosen gestrichen voll hat, das ist die Scientology-Durchfilzung unserer Gesellschaft und damit verbundene Klüngelwirtschaft. Auf allen Berufs- und Wirtschaftsfeldern ziehen diese Dünnbierritter Ihresgleichen nach, wozu sie offensichtlich verpflichtet sind, da sie ihre Position ebenso ergattert haben.
Dass dem so ist, können Sie daran erkennen, dass niemand mehr über Scientology schreibt und redet. Weil allzuviele mit diesem amerikanischen Rückenwind ihr Einkommenssüppchen kochen. Und weil angts vor dieser US-Gang herrscht

Gregor Scharf am 06.05.23, 13:30 Uhr

Wenn die so weitermachen, steht womöglich bald ein Deutscher vor Gericht mit der Aussage: „Die Politiker sind gar nicht tot. Die sagen bloß nichts mehr“, nachdem er ihnen mit einem Knüppel einen Scheitel gezogen hat.

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