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Begutachtet die Schautafel: Osterodes Gemeindevorsteher Boguslaw Fijas
Foto: U.H.Begutachtet die Schautafel: Osterodes Gemeindevorsteher Boguslaw Fijas

Kernsdorfer Höhen

Marienfelder Remise vor dem Verfall gerettet

In einer feierlichen Veranstaltung wurde das wiedererrichtete Gebäude eingeweiht – Impulsgeber für weitere Objekte

Uwe Hahnkamp
18.06.2023

In Marienfelde [Glaznoty], Kreis Osterode, fand die Eröffnung eines renovierten kleinen, aber wichtigen Gebäudes mit einem reichen Programm statt. „Marienfelder Wachstube – Belebung des Dorfzentrums“ war der Titel des Wochenendes, in dessen Rahmen auch eine Sichtachse entlang des Dorfbaches, des Grießlerbachs [Gizela], sowie ein Entwurf für eine Skulptur zu Ehren dieses Baches präsentiert wurden.

„Ein Dorf, versteckt in den Kernsdorfer Höhen, weitab vom Trubel“, schreibt ein Journalist von Radio Allenstein in der Reihe „Ermland und Masuren entdecken“ über Marienfelde. Es liegt im Süden der mit 312 Metern höchsten Hügel des südlichen Ostpreußens im Tal des Grießlerbachs, der in einem Teil seines Laufs einmal die Grenze zur Zweiten Polnischen Republik bildete. Die gesamte Landschaft ist von der Eiszeit geprägt – zwei Endmoränen stießen hier aufeinander und schufen die Kernsdorfer Höhen. Die vielen Findlinge in der Region boten sehr gutes Baumaterial, etwa für die mittelalterliche Kirche von Marienfelde, die mit tatkräftiger Unterstützung ehemaliger Einwohner der Region aus der Kreisgemeinschaft Osterode wieder aufgebaut wurde. Sie war zuerst katholisch, dann evangelisch und wird heute von einem methodistischen Pfarrer betreut.

Steine aus der Eiszeit werden Kunst
Sie ist somit ein Beispiel für die Vielfalt der Kulturen im Laufe der Geschichte, welche die Verantwortlichen der Gemeinde Osterode, zu welcher der Ort gehört, und die Einwohner von Marienfelde als Leitmotiv für die Entwicklung des Orts aufgriffen. Im Jahr 2015 folgte der „Steinkreis der Gemeinschaft der Kulturen“. „Wir haben ihn aus Findlingen, die von Künstlern bearbeitet wurden, unterhalb der Kirche errichtet, wo er an die Goten, den Prußen-Stamm der Sassen und Skandinavier erinnert, die hier einst lebten“, erklärte Wiesław Skrobot, der Beauftragte des Vorstehers der Gemeinde Osterode für das kulturelle Erbe und verantwortlich für die Eröffnung der Remise.

Die Skulpturen-Ausstellung wurde zwei Jahre später erweitert, dann kamen ein Ofen zum Brennen von Keramik und eine überdachte „Terrasse der Einheimigkeit“ hinzu. Die Initiative „Zentrum der Erinnerungskultur“ hatte noch zwei weitere Bauwerke für ihre Aktivitäten im Blick, die bis dahin nur malerische Kulissen im Tal des Grießlerbachs bildeten. Das eine war die Eisenbahnbrücke der ehemaligen Bahnstrecke Bergfriede–Groß Tauersee aus dem Jahr 1909, die 2018 renoviert wurde. Damals war das andere Objekt, die Remise oder Wachstube im Dorfzentrum, noch im Zustand einer Ruine.

Es handelt sich eigentlich um ein Spritzenhaus, das Anfang des 20. Jahrhunderts an der Weggabelung in Marienfelde auf den Fundamenten der früheren Dorfschmiede errichtet wurde. Für die Renovierung konnte die Gemeinde Osterode EU-Mittel gewinnen, sodass das Gebäude 2021 gerettet werden konnte. Für großen Holztore des Bauwerks übernahmen Gisela Olszewski-Schwedt, deren Familie aus Marienfelde stammt, und ihr Mann Uwe Schwedt die Kosten. Beide hatten auch schon die Bildhauer bei den ersten beiden Projekten großzügig unterstützt.

Sichtachse und Allegorie
„Wenn diese Tore auf beiden Seiten des Gebäudes geöffnet sind, bietet sich dem Betrachter eine direkte Sichtachse entlang des Gizela auf den Steinkreis und den Kirchberg“, beschreibt Skrobot den Anblick. Diese Toröffnung erfolgte am 7. Mai zusammen mit dem ersten Spatenstich für die neue Schautafel an der Remise, sodass die Gäste selbst einen ersten Blick in die Ferne richten konnten. Beim Graben des Lochs für den Pfahl beteiligten sich auch viele Dorfbewohner. „Das ist gut, denn meine Hoffnung ist, dass die Marienfelder Wachstube und die Wiese im Dorfzentrum ein Platz der Integration, für Treffen und gegenseitige Inspiration werden“, freute sich Skrobot über das Engagement.

Ein weiteres positives Signal war die eifrige Diskussion unter den Gästen zum Modell einer Skulptur, einer Allegorie auf den Greißlerbach, den die Künstlerin Agata Markos vorstellte. Später soll die Frauenfigur in Lebensgröße den großen Findling an der Weggabelung schmücken. Mit welchen Glasurfarben, als sitzende Frau, als „laufende Frau“ – denn so lautete nach Skrobots Information der ursprüngliche Name des Orts vor dem Kommen der Deutschordensritter, wurde ebenso lebhaft diskutiert wie ökologische Aspekte des Grießlerbachs selbst. Die Belebung des Orts scheint also zu funktionieren – und scheint noch lange nicht abgeschlossen.


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Kommentare

Chris Benthe am 20.06.23, 12:18 Uhr

Alles schön und gut. Dennoch unter polnischer Verwaltung, und das schmerzt. Ich halte es mit dem "Kuratorium unteilbares Deutschland" : Dreigeteilt ? Niemals ! Damals, in den Sechziger Jahren, wurde dieses Anliegen noch von allen Parteien unterstützt, zumindest nicht angefeindet. Und ich bin durchaus der Ansicht, dass diese Heimat deutsch ist.

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