16.04.2024

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August Heinrich Hoffmann von Fallersleben

Mehr als nur der Verfasser des „Liedes der Deutschen“

Der vor 225 Jahren geborene Künstler und Wissenschaftler machte sich in vielfacher Hinsicht um die Kultur seines Landes verdient

Manuel Ruoff
02.04.2023

Das Gemälde des deutschen Malers und Zeichners Ernst Henseler „Bildnis des Dichters Heinrich August Hoffmann von Fallersleben“ aus dem Jahre 1898 zeigt einen alten Mann mit langem Kopfhaar und langem Bart wie ein Germane sowie einem Wanderstab in uriger Natur unweit eines alten, stämmigen Baumes. Romantischer geht es kaum. Und in der Tat war der Dargestellte ein Exponent der Romantik.

Für Verbundenheit und Identifizierung mit der Heimat spricht, dass August Heinrich Hoffmann von Fallersleben seinen heute zu Wolfsburg gehörenden Geburtsort zu einem Bestandteil seines Künstlernamens machte. Denn eigentlich hieß er nur August Heinrich Hoffmann.

Hoffmann war der Sohn eines Kaufmanns, Gastwirts, Senators und Bürgermeisters von Fallersleben und dessen Ehefrau, der Tochter eines Braumeisters aus Wittingen. Für Geld und Einfluss des Vaters spricht, dass der ihn vor dem Militärdienst bewahren konnte. Entsprechend gut und solide war auch die Bildung und Ausbildung des Jungen. Dem von Privatstunden ergänzten Besuch der Bürgerschule in Fallersleben folgte eine Fortsetzung der Bildung am Pädagogikum in Helmstedt und schließlich dem Katharineum in Braunschweig.

550 Kinderlieder

Mittlerweile mit 18 ungefähr so alt wie ein heutiger Abiturient, nahm Hoffmann 1816 in Göttingen ein Theologiestudium auf. Noch im selben Jahr wurde er Burschenschafter.

Hoffmann geriet unter den Einfluss der Klassik und des ihr nacheifernden Klassizismus. Mit Johann Joachim Winckelmann wurde ihm ein geistiger Begründer des Klassizismus im deutschsprachigen Raum zum Vorbild. Mehr als die Theologie weckte das klassische Altertum sein Interesse.

Bei Studien in Kassels Museum und Bibliothek lernte er indes 1818 Jacob Grimm kennen. Dieser stellte ihm mit Erfolg die suggestive Frage, ob ihm sein Vaterland nicht näher liege als die Klassik. Hoffmann bejahte diese Frage für sich und wechselte vom Klassizismus zur Romantik. Nun wandte er sich der Sprache und Literatur seines Vaterlandes zu, der Germanistik, zu deren Etablierung als wissenschaftlicher Disziplin er in den folgenden Jahrzehnten wesentlich beitragen sollte.

1819 folgte er seinem Professor Friedrich Gottlieb Welcker an die Bonner Universität. Dort wurde Ernst Moritz Arndt einer seiner Dozenten. Grundsätzlich enttäuschten ihn indes Vorlesungen wie Lehrkörper, und er wendete sich dem Selbststudium mittels Büchern zu.

Für einen Bücherfreund liegt es nahe, Bibliothekar werden zu wollen, und dieses Ziel strebte Hoffmann nun an. 1823 wurde er zum Kustos der Universitätsbibliothek Breslau berufen. Als an der dortigen Universität 1829 durch den Tod Johann Gustav Gottlieb Büschings die Professur der deutschen Sprache und Literatur vakant wurde, fiel die Wahl schließlich auf Hoffmann. 1830 wurde er außerordentlicher Professor, 1835 dann ordentlicher.

Bereits vor der 48er-Revolution exponierte er sich im Sinne des Nationalliberalismus. Auf der Überfahrt zur damals britischen Badeinsel Helgoland wurde ihm bewusst, dass die Briten eine Hymne hatten, aber die Deutschen nicht. Auf der Insel verfasste er dann das „Lied der Deutschen“ zur Melodie der österreichischen Kaiserhymne. Mit den Worten „Deutschland, Deutschland über alles“ sowie „Einigkeit und Recht und Freiheit“ bekannte er sich zu einem einigen Deutschland als Vaterland sowie den liberalen Idealen Rechtsstaatlichkeit statt Willkür und Freiheit statt Knechtschaft.

Denselben Geist atmen seine um diese Zeit, 1840 und 1841, veröffentlichten zweiteiligen „Unpolitischen Lieder“ mit ihren 140 beziehungsweise 150 polemisch-satirischen Gedichten. Langfristig dürfte für die Deutschen das „Lied der Deutschen“ wichtiger gewesen sein, ist es doch heute ihre Nationalhymne. Für den weiteren Lebensweg des Verfassers waren es indes die „Unpolitischen Lieder“. Nicht nur, dass sie verboten wurden, der Professor wurde ihretwegen 1842 auch pensionslos entlassen. 1843 verlor er nach der Professur auch noch seine preußische Staatsbürgerschaft und wurde des Landes verwiesen. Es begannen die sogenannten Wanderjahre.

Fürstliche Bibliothek Corvey

Zum Glück hatte Hoffmann viele Freunde und Sympathisanten, war – um es neudeutsch zu formulieren – gut vernetzt. Unterschlupf und Schutz vor den Schergen der Obrigkeit fand er vor allem auf dem vergleichsweise schwach besiedelten Land. Zu nennen sind hier die Rittergüter Holdorf bei Brüel und Buchholz bei Ventschow von Rudolf Müller und Samuel Schnelle. In dieser Abgeschiedenheit des Mecklenburger Landlebens entstanden viele seiner bekanntesten Kinderlieder. Neben dem „Lied der Deutschen“ sind es viele dieser 550 Kinderlieder, mit denen er in der Liedkultur seines Volkes weiterlebt. 80 von ihnen hat der Dichter auch vertont. Des Weiteren schrieb er Volks- und Vaterlandslieder sowie auch eines der bekanntesten Weihnachtslieder. Genannt seien in diesem Zusammenhang „Alle Vögel sind schon da“, „Ein Männlein steht im Walde“ „Kuckuck, Kuckuck, ruft's aus dem Wald“, „Summ, summ, summ, Bienchen summ herum“, „Wer hat die schönsten Schäfchen“, „Winter ade“ und „Morgen kommt der Weihnachtsmann“.

An der 48er-Revolution beteiligte sich Hoffmann nicht aktiv. Er profitierte aber von einem im Revolutionsjahr erlassenen Amnestiegesetz. Seine Professur erhielt er nicht zurück, aber wenigstens eine Pension, ein Wartegeld. Das ermöglichte ihm die Heirat mit seiner Nichte Ida vom Berge.

Nun hatte Hoffmann zwar wieder ein Auskommen, aber noch nicht wieder eine adäquate wissenschaftliche Beschäftigung. Abermals profitierte er von seiner guten Vernetzung und wohlmeinenden Gönnern. Zu Letzteren gehörten neben Bettina von Arnim auch Franz Liszt und dessen Freundin Carolyne zu Sayn-Wittgenstein. Liszt erreichte, dass Hoffmann mit dem Germanisten und Hochschullehrer Oskar Schade von 1854 bis 1857 das „Weimarische Jahrbuch für deutsche Sprache, Literatur und Kunst“ herausgeben konnte. Carolyne zu Sayn-Wittgensteins Tochter Marie zu Hohenlohe-Schillingsfürst vermittelte Hoffmann dann seinen letzten Arbeitsplatz, die Fürstliche Bibliothek Corvey ihres Schwagers Viktor zu Hohenlohe-Schillingsfürst, des ersten Herzogs von Ratibor und Fürsten von Corvey. Von 1860 bis zu seinem Tode betreute Hoffmann als Bibliothekar diese mit ihren heute zirka 74.000 Bänden zu den kostbarsten und größten Privatbibliotheken Deutschlands zählende Adelsbibliothek. Auch um sie hat sich Hoffmann verdient gemacht. Im Schloss Corvey, in dem die Bibliothek untergebracht ist, starb der am 2. April 1798 geborene Deutsche infolge eines Schlaganfalls am 19. Januar 1874.


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Kommentare

Gregor Scharf am 03.04.23, 15:10 Uhr

"Deutschland, Deutschland über alles" war und ist Ausdruck der Heimatliebe und hatte nichts mit Selbsterhöhung und Weltherrschaftsanspruch zu tun.
Für einen Deutschen kommt Deutschland zuerst. In Deutschland stand seine Wiege, hat er gelebt, gelitten, geliebt und dafür würde er sterben, denn ohne das Heimatland ist er schutzlos. Das kommt den heutigen Geschichtsdeutern wohl nicht in den Sinn. Dabei ist es völlig normal, dass man seine Heimat in Ehren hält. Das ist Patriotismus und hat mit Nationalismus nichts zu tun. Letzterer zerstört, während ersterer erbaut, Orientierung und Halt gibt. Heil Deutschland war der Segenswunsch, den die Kaiser und Könige aussprachen. Heil Dir der Wunsch nach Gesundheit seinem Gegenüber. Ski heil oder Berg heil sind noch immer geläufig. Allerdings klingt es etwas aus der Zeit gefallen.

Kersti Wolnow am 03.04.23, 11:29 Uhr

Die Kinder singen heute gar nicht mehr, d.h. die 4. Generation nach 1945. Traurig.
Da fällt mir eine Episode ein, ein Bekannter unterschrieb seine Mails grundsätzlich "mit Heilsgrüßen". Ich schrak zusammen, denn sowas sagt man ja nicht. Dann las ich einen Artikel mit der Überschrift "Induziertes Irresein". Ja, weit haben sie es gebracht, dachte ich, als ich an das Lied "Alle Vögel sind schon da" dachte, denn es schließt mit den Worten "Heil und Segen". Die neuen Jacobiner reduzieren alles auf die 12 Jahre. Es wird Zeit, daß man darüber ohne Gedankenkäfig diskutieren kann.

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