20.01.2022

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Streitbar, charismatisch – und gegen die deutsche Minderheit: Janusz Kowalski
Foto: imago images/newspixStreitbar, charismatisch – und gegen die deutsche Minderheit: Janusz Kowalski

Östlich von Oder und Neiße

Mit Charisma gegen die Deutschen

Der Sejm-Abgeordnete Janusz Kowalski ist für die massive Mittelkürzung beim Deutschunterricht mitverantwortlich

Chris W. Wagner
30.12.2021

„Kowalski trifft Schmidt“ so heißt eine TV-Sendung, die alle 14 Tage im Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb) ausgestrahlt wird. „Kowalski trifft Schmidt in den Rücken“, könnte eine Endlosserie der Angriffe von Janusz Kowalski gegen die Deutschen in der Republik Polen heißen.

Eins muss man ihm lassen, Kowalski hat Charisma, und er ist ein begabter Rhetoriker. Der Abgeordnete des Solidarischen Polens (Solidarna Polska) schmettert seit Jahren seine flammenden Reden gegen die Deutsche Minderheit in seiner Heimat, der Woiwodschaft Oppeln. So forderte er laut- und medienstark die Abschaffung deutscher Ortsschilder auf den zwei einzigen Haltestellen unweit von Oppeln, die polenweit solche tragen. 

Kowalski fordert Abschaffung deutscher Ortsschilder 

Auf dem historischen Bahnhofsgebäude in Oppeln will er eine Tafel sehen, auf der die sogenannten fünf polnischen Wahrheiten aufgezählt werden, als da seien: 

„1. Wir sind Polen, 2. Der Glaube unserer Eltern ist unser Glaube, 3. Ein Pole ist Polen ein Bruder, 4. Jeden Tag dient der Pole seinem Volk, 5. Polen ist unsere Mutter und von einer Mutter darf nicht schlecht gesprochen werden.“ Diese wurden 1938 während des I. Kongresses der Polen in Deutschland im Theater des Volkes in Berlin proklamiert und sind Kowalski heilig.

Am 30. Jahrestag des Deutsch-Polnischen Vertrags über gute Nachbarschaft rief er vor dem deutschen Konsulat in Oppeln dazu auf, diesen Vertrag zu ändern und die Polen in Deutschland als nationale Minderheit anzuerkennen. Er forderte: „Die Rückgabe des durch die Nationalsozialisten geraubten Eigentums des Verbandes der Polen in Deutschland und eine Symmetrie in der Finanzierung des Polnischunterrichts in Deutschland“. 

Bei einer Pressekonferenz am 3. Dezember, die Kowalski vor dem Sitz der Sozial-Kulturellen Gesellschaft der Deutschen in Oppeln abhielt, dankte er Premierminister Mateusz Morawiecki, dem Vorsitzenden der Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS) Jarosław Kaczyński und Bildungsminister Przemysław Czarnek, „dass in der zweiten Lesung des Haushaltes für 2022 ein Regierungsantrag eingebracht wird, wonach im kommenden Jahr umgerechnet etwa 8,5 Millionen Euro für den Deutschunterricht als Minderheitensprache gekürzt werden und 2023 diese Unterstützung um weitere 26 Millionen Euro gestrichen wird.“ Dieses Geld, sagt er, solle in die Förderung des Polnischunterrichtes im Ausland fließen. 

Der Abgeordnete der Deutschen Minderheit, Ryszard Galla, meint, dass sich im Falle einer Annahme des Änderungsantrags kaum etwas am Unterricht ändern wurde, und die lokalen Behörden finanziell benachteiligt würden. „Wenn die Eltern den Unterricht in einer Minderheitensprache erklären, ist die Schule nach dem Schulgesetz dennoch verpflichtet, diesen Unterricht zu organisieren“, argumentiert er. 

Zukünftig soll es keine deutschen Abgeordneten mehr geben 

Der Vorschlag soll wiederholt werden, und in der nächsten Legislaturperiode wird es vielleicht gar kein Mitglied der Deutschen Minderheit im Sejm, dem polnischen Parlament, mehr geben. Dies wäre die Folge einer Änderung des Wahlgesetzes, die Kowalski bereits angekündigt hat. Damit soll der Grundsatz abgeschafft werden, wonach die nationalen Minderheitenausschüsse von der Fünf-Prozent-Hürde befreit sind. Dieser Regel ist es zu verdanken, dass die Deutschen seit 1991 regelmäßig ihre Vertreter in den Sejm entsenden können. 

 



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Kommentare

Waffenstudent Franz am 04.01.22, 22:49 Uhr

Janusz Kowalski ist kein Pole sondern Jude! Und er weiß genau, daß die Alliierten den Polen die Deutschen Ostgebiete nur zur Verwaltung überlassen haben. In einem Friedensvertrag wird von den Alliierten über das "Deutsche Reich" als Ganzes neu verhandelt! Putin will Rußlands Einfluß bis nach Frankreich ausdehnen. Und darum ist man in Warschau sehr nervös!

H. Schinkel am 04.01.22, 03:51 Uhr

Leider merkt man diese Einstellung Janusz Kowalskis auch bei der polnischen Bevölkerung. Hat man vor Jahren dort noch gut Urlaub machen können, wird man heute als Deutscher doch sehr häufig angefeindet.
Der Hass auf die Deutschen trägt, mal wieder, Früchte. Die Polen haben aus ihrer Geschichte nichts gelernt.

Michael Holz am 02.01.22, 22:07 Uhr

Solche Politiker in Polen gab es vor 1939 auch schon und diese wurden von England aufgehetzt. Was danach kam, wissen wir. (Vielleicht nicht alle?) Was war mit der polnischen Reiterarmee, welche noch im August 1939 bis zur Elbe vorstoßen wollte? Wer hat 1920 in Schlesien gezündelt und was war in der Nacht zum 1.9.1939 im Sender Gleiwitz? Waren das wirklich nur Provokateure der Nazis? Fragen über Fragen, welche heute nicht mehr beantwortet werden.

Jan Kerzel am 01.01.22, 17:14 Uhr

Ein etwas überzogener Nationalismus gehört in Polen in weiten Kreisen einfach zum guten Ton. Als Projektions- und Angriffsfläche müssen da halt oft die Deutschen herhalten. Das ist in der BRD und in einigen anderen befreundeten Ländern natürlich auch nicht anders. Das antideutsche Element ist in der oft irrationalen Politik gut einsetzbar und durchaus erfolgreich. Das hier aufgezeigte Beispiel ist ja noch im Rahmen des allgemeinen politischen Wettbewerbs. Man sollte nicht den Anspruch erheben von allen geliebt und geschätzt zu werden. Da verliert man immer. In der Politik werden Interessen vertreten, Harmonie ist selten. Wichtig ist allerdings, dass man nur mit jenen Akteuren Kooperationen anstrebt, mit denen man ein halbwegs gedeihliches Verhältnis hinbekommt. Alles andere kostet nur Zeit , Nerven und Substanz. Da alles stets in Fluss ist, können sich die Dinge natürlich auch einmal zum Positiven verändern. Die rosarote Brille ist aber stets eine schlechte Sehhilfe.

sitra achra am 30.12.21, 14:10 Uhr

Ich sehe das so: Hochmut kommt vor dem Fall. Der Mann weiß nicht, dass er der polnischen Sache letztendlich schweren Schaden zufügt. Er schießt sich mit dieser anachronistischen Intransigenz ins
eigene Knie. Wie gut, dass es europäisch gesinnte Polen gibt, die auf diesen primitiven Zug nicht aufspringen.

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