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Herman von Boyen
Foto: unbekanntHerman von Boyen

Hermann von Boyen

Mit seinem Rücktritt endete die preußische Reformzeit

Vor 150 Jahren kam der preußische Heeresreformer und Kriegsminister im ostpreußischen Kreuzburg zur Welt

Manuel Ruoff
21.06.2021

Dass der preußische Heeresreformer Hermann von Boyen Namensgeber einer Feste im ostpreußischen Kreis Lötzen geworden ist, passt, kam er doch am 23. Juni 1771 in Kreuzburg und damit in einem ostpreußischen Ort zur Welt. Der Spross einer Offiziersfamilie trat bereits als Kind in die Fußstapfen seiner Vorfahren. Wie viele preußische Militärreformer war Boyen kein sturer Kommisskopf. Neben seiner Befähigung „junge Offiziere zu bilden“ fielen seinen Vorgesetzten seine „wissenschaftlichen Talente“ auf. An der Albertina hörte er Immanuel Kant. Mit Ernst Moritz Arndt war er befreundet. Boyen war in der Lage zu eigenständigem politischen Denken. Schon 1794, also Jahre vor der Katastrophe von Jena und Auerstedt sowie den nachfolgenden preußischen Reformen, soll er das Ideal eines Volksheeres aus selbstständig fühlenden und handelnden Männern entwickelt haben.

Boyen und der wohl bekannteste preußische Militärreformer, Gerhard von Scharnhorst, erkannten ihre Seelenverwandtschaft. Ab 1803 gehörte Boyen der von dem 16 Jahre Älteren ins Leben gerufenen Militärischen Gesellschaft an, ab 1808 der von Scharnhorst geleiteten Militär-Reorganisations-Kommission. 1811 versuchte er mit Scharnhorst und August Neidhardt von Gneisenau erfolglos, den König zum Kampf gegen Napoleon zu gewinnen. Als Friedrich Wilhelm III. sich stattdessen im Folgejahr am Russlandfeldzug des Franzosenkaisers beteiligte, wechselte Boyen wie viele andere Patrioten ins russische Lager. Zar Alexander I. wählte ihn aus, um Friedrich Wilhelm III. in Breslau sein Bündnisangebot zu unterbreiten.

Nach dem erneuten Seitenwechsel des Königs wechselte Boyen wieder in preußische Dienste. Boyen, „dessen Fähigkeiten sich nicht in der Führung von Truppen entfalteten“, wie es der deutsche Historiker Franz Schnabel so fein formuliert, leistete wieder Stabsarbeit, vornehmlich für Friedrich Wilhelm Bülow von Dennewitz.

Während Scharnhorst bereits 1813 gefallen war, begann Boyens Karriere – zumindest formal – erst nach dem Sieg über Napoleon so richtig. 1814 wurde er zum Kriegsminister ernannt. Als Boyens wichtigste Tat gilt das noch im selben Jahr verabschiedete Wehrgesetz, das die allgemeine Wehrpflicht auch in Friedenszeiten sowie die dauerhafte Einrichtung der Landwehr regelte. Weniger das stehende Heer des Königs mit seinem durchweg adeligen Offizierskorps aus Berufssoldaten denn die Landwehr mit ihrem milizartigen Charakter entsprach Boyens Ideal des Volksheeres. Die Idee des Volksheeres impliziert, dass das Volk ­zumindest bis zu einem gewissen Grade ­– für die eigene Sache kämpft und deshalb impliziert sie auch ein Mindestmaß an Volksbeteiligung an der Politik und Beschränkung der königlichen Macht durch eine Verfassung.

Der Minister musste jedoch erleben, dass sein König statt das Verfassungsversprechen einzulösen, die Landwehr in das reguläre Heer eingliederte. Boyen demissionierte daraufhin. Der preußische Reformer schrieb damit insofern Geschichte, als an diesem Rücktritt gerne das endgültige Ende der preußischen Reformzeit und der Beginn des Zeitalters der Reaktion festgemacht wird.

Boyen zog sich ins Privatleben zurück, beschäftigte sich mit geschichtlichen Studien, betätigte sich schriftstellerisch, verfasste seine Erinnerungen. Eine Rückkehr in die Politik bewirkte dann noch einmal der Regierungsantritt Friedrich Wilhelms IV. Die beiden waren miteinander befreundet, und der neue König machte ihn 1841 wieder zum Kriegsminister. Auch ansonsten wurde Boyen in der Regierungszeit Friedrich Wilhelms IV. vielfältig geehrt. Der Beginn der Errichtung und die Benennung der Feste Boyen fallen in diese Zeit.

Boyen bekleidete das Amt bis kurz vor seinem Tod. Im November 1847 trat er ein zweites Mal zurück. Am 15. Februar 1848 starb er in Berlin. Die 48er Revolution erlebte er nicht mehr mit.



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Kommentare

Lutz Beyer am 23.06.21, 08:05 Uhr

In Lötzen/Ostpreussen gibt es in der Alten Festung ein Reliefbild von Boyen und ein kleines Museum.
Lötzen war auch der Standort von Oberost im WL I. Der Kaiser war neben Hindenburg und Ludwndorf dort öfters da

sitra achra am 21.06.21, 11:19 Uhr

Und heute müssen wir uns dieses verkrampfte Karriereweib Krampf-Knarrenbauer gefallen lassen. Was würde Boyen dazu sagen?

Ernst Marquardt am 21.06.21, 10:39 Uhr

Es sind wohl eher 250 Jahre.

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