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Theodor Storms „Schimmelreiter“ trabt in der Gegenwart – Neuverfilmung der Novelle als Öko-Thriller
Der Klimawandel hat nun auch Theodor Storm erreicht. Seine Novelle „Der Schimmelreiter“ wird im Kino aktuell auf eine Weise zurechtgebogen, dass sie in unsere krisengeschüttelte Welt passt. Aus dem Visionär Hauke Haien, der noch bei Storm die Deichlinie verlängerte, damit sich beim Orkan die Wellen daran brechen können, ist in dem Film, der jetzt in den Kinos angelaufen ist, ein in der Gegenwart angekommener Technokrat mit Ingenieursdiplom geworden.
Es ist keine drei Jahre her, dass uns das Kino mit „Die Flut – Tod am Deich“ mit einer in der Jetztzeit spielenden „Schimmelreiter“-Adaption beglückt hat, nach Vorlage eines Romans von Andrea Paluch und einem gewissen Robert Habeck. Der Ex-Klimaschutzminister hätte auch Pate stehen können für den neuen Film, in dem die Wellen an der Nordseeküste erneut höherschlagen. Denn nun steigt der Meeresspiegel wegen des Klimawandels. Hätte man den Faden konsequent weitergesponnnen, hätten Greta Thunberg und ihre Fridays-for-Future-Aktivisten ihren Kleinkrieg am Deich mit AfD-nahen „Klimaleugnern“ ausgefochten.
Ganz so auf die Spitze hat es sich Regisseurin Francis Meletzky – sie führte auch 2018 Regie bei „Aenne Burda – Die Wirtschaftswunderfrau“ – dann doch nicht zu treiben getraut. Die Widersacher, denen der eigenbrötlerische Deichgraf Hauke Haien gegenübersteht, sind um den Verlust von Haus und Hof besorgt. Um das Meer zu bezwingen, kommt Haien auf den irrwitzigen Gedanken, eine Deichlinie zu fluten. Die Bewohner des dahinterliegenden Ortes sollen auf Pfahlbauten umziehen. Wenn das die Lösung der Klimaprobleme ist, dann müsste man für die Nordsee-Anrainer ein zusätzliches sattes Sondervermögen bereitstellen.
Um die unplausible Klimalösung noch in den alten Novellenrahmen zu pressen, kommt der Deichgraf nicht mit einem geländegängigen SUV angefahren, sondern mit einem behäbigen Schimmel angetrabt. Schließlich hatte Storm den Stoff einer in einer Danziger Zeitschrift erschienenen Geistergeschichte entnommen, in welcher der Schimmel als dämonisches Wesen an der Weichsel auftaucht. Doch so richtig auf Trab kommt dieser filmische Öko-Thriller auch damit nicht.
Der Schweizer Max Hubacher, der hier den Haien mit leicht alpenländischem Einschlag spielt, reitet auch deshalb orientierungslos am Deich entlang, weil ihm mit Olga von Luckwald als Ehefrau Elke und Annette Frier als umtriebige Landrätin viel zeitgemäße Frauenpower im Weg steht. So schlagen die Wellen zwar hoch an der Küste, der Film selbst wird aber eher ganz seichte schlagen.