13.07.2024

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Inflation

„Nahrungsmittel sind nach wie vor der stärkste Preistreiber“

Verbraucher wie Wissenschaftler fragen sich, wer oder was dafür verantwortlich ist und wie lange der Trend noch anhält

Peter Entinger
20.07.2023

In Deutschland war die Inflationsrate im Juni mit 6,4 Prozent um 0,3 Punkte höher als noch im Mai. Nun war eine höhere Rate allgemein erwartet worden, da einige staatliche Sondermaßnahmen, die zur Senkung des Preisniveaus beigetragen hatten, mittlerweile ausgelaufen sind. Zu nennen sind hier der Tankrabatt und das Neun-Euro-Ticket für die Bahn.

Alarmierend ist indes, dass die Preise für Lebensmittel weiter steigen, denn das ist nicht mit dem einmaligen Auslaufen staatlicher Preissenkungsmaßnahmen zu begründen. Laut Destatis waren Molkereiprodukte im Juni 2023 um 22,3 Prozent teurer als im Vorjahresmonat. Zucker, Marmelade, Honig und andere Süßwaren verteuerten sich um 19,4 Prozent. Für Gemüse mussten die Verbraucher 18,8 Prozent mehr zahlen als zwölf Monate zuvor, für Fisch um 18,5 Prozent und für Brot und Getreideerzeugnisse um 18,3 Prozent. „Nahrungsmittel sind nach wie vor der stärkste Preistreiber“, sagt Destatis-Präsidentin Ruth Brand. Für viele Grundnahrungsmittel müssen die Verbraucher in diesem Sommer deutlich tiefer ins Portemonnaie greifen als noch vor einem Jahr.

Vorwurf der „Gierflation“
Die allgemeine Lohnentwicklung hielt mit diesen Steigerungsraten nicht mit. Daraus hat sich ein Reallohnverlust ergeben. Auch deshalb empfinden viele Menschen die steigenden Preise mittlerweile als unerträgliche Belastung.

Gerne werden die Preissteigerungen im Lebensmittelsektor mit dem Ukrainekrieg erklärt. In der Tat wurde Erdgas um 20,8 Prozent teurer, eine unmittelbare Folge des Ukrainekriegs und der bisherigen Abhängigkeit von russischem Gas. Heizöl indes wurde um 36,5 Prozent günstiger.

Auf den Ukrainekrieg als Ursache zu verweisen, ist offenbar nur die halbe Wahrheit. So ist ein Drittel der Inflation bei den Nahrungs- und Genussmitteln auf die zunehmende Konzentration im Lebensmitteleinzelhandel zurückzuführen, so zumindest die Einschätzung von Experten. „Die Konzentration hat bedenkliche Ausmaße erreicht“, sagt der Wettbewerbsexperte Rainer Lademann. Die Folge sei, dass der Wettbewerb nicht mehr funktioniere. Die Verbraucher bezahlten überhöhte Preise. Darum fordert er mit einigen anderen Kollegen, die Branchenführer der Missbrauchsaufsicht durch das Bundeskartellamt zu unterwerfen. Der Vorwurf der „Gierflation“ macht die Runde. Bereits im vergangenen Jahr berichtete das ifo-Institut, dass manche Unternehmen – darunter im Handel – offenbar die allgemeine Preissteigerung dazu genutzt hätten, ihre Gewinne auszuweiten.

Carsten Kortum, Studiengangsleiter Handel an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW), sieht allerdings für den Vorwurf keine stichhaltigen Belege. Er attestiert den Branchenriesen kein unübliches Verhalten. „Natürlich werden die Kostensteigerungen weitergegeben – je nach Händler und Sortiment auch fast zu 100 Prozent“, sagte er im Gespräch mit tagesschau.de. Von Abzocke könne aber keine Rede sein. „Ich kann in den Geschäftszahlen der Händler und auch der Hersteller keine Profit-Preisspirale oder Übergewinne erkennen“, erklärte er.

Edeka-Chef Markus Mosa sieht eher die Hersteller in der Pflicht: „Wir haben an operativem Gewinn verloren, weil wir nicht bereit waren, die Preiserhöhungen der Hersteller in dieser Höhe an die Kunden weiterzugeben.“

Ob es nun die hohen Rohstoffpreise sind oder die Gier der Händler – der Verbraucher steht ratlos mit einem immer leerer werdenden Geldbeutel da. DZ-Bank-Experte Christoph Swonke glaubt, dass zumindest beim Handel mit Gütern der Preiskampf noch längere Zeit anhalten wird. Er macht auch Hoffnung. „Vor allem die weiterhin nachlassenden Energiepreise und billigere Nahrungsmittel sollten das Leben der Bürger in den kommenden Monaten wieder günstiger machen“, glaubt er.


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Kommentare

Thomas Giese am 20.07.23, 07:13 Uhr

"In der Tat wurde Erdgas um 20,8 Prozent teurer, eine unmittelbare Folge des Ukrainekriegs und der bisherigen Abhängigkeit von russischem Gas.", schreiben Sie.

Das ist sachlich falsch, und vor allem als konservatives Blatt sollten Sie die Lügen des Mainstreams nicht selbst übernehmen. Diese Krise ist in allen ihren Bestandteilen, ich urteile unter Vorsatz, hausgemacht. Die Verursacher sitzen ausschließlich in Brüssel und - das vor allem - in Berlin. Es ist nicht Abhängigkeit von russischem Gas, sondern dessen Kündigung von deutscher Seite aus und das Begeben in die Abhängigkeiten anderer Herrschaften, vor allem denen aus Übersee, das für die Gaspreise verantwortlich ist. Der Ukrainekrieg ist hierfür lediglich vorgeschoben worden.

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