23.10.2021

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Gesellschaft

Nation ohne Selbst-Bewusstsein

Die gequälten Nicht-Feierlichkeiten zum 150. Jahrestag der Reichsgründung offenbarten einmal mehr das Unwissen der heutigen Deutschen um ihre Geschichte – und ihre Unsicherheit gegenüber dem eigenen Land

Reinhard Mohr
31.01.2021

Gewiss, wir leben in Corona-Zeiten, Tag für Tag, Woche für Woche, Monat für Monat. Ein Ende ist nicht absehbar. Die gesamte politische Debatte ist von dieser Pandemie geprägt, und fast alle anderen Themen stehen hintan, ja, sie scheinen wie narkotisiert, wie unter Betäubung. So ging auch im vergangenen Jahr der dreißigste Jahrestag der deutschen Einheit fast völlig unter, von ein paar pflichtmäßigen Reden abgesehen. Das gilt erst recht und noch viel mehr für den 150. Jahrestag der Gründung des Kaiserreichs in Versailles am 18. Januar 1871, der zugleich der Tag der Ernennung Berlins zur deutschen Hauptstadt war.

Es gab keine große Fernsehdokumentation, keinen „Spiegel“-Titel (dafür hätte früher ganz sicher Rudolf Augstein im Alleingang gesorgt), keine öffentliche Gedenkveranstaltung, schon gar nicht im rot-rot-grün regierten Berlin, das inzwischen nur noch eine Ansammlung von „Kiezen“ ist.

Ein verdrängter Jahrestag

Geschichtsinteressierte mussten in den meisten Zeitungen mühsam nach Artikeln suchen, und der Deutschlandfunk brachte ein fünfminütiges „Kalenderblatt“. Vor einem kleinen Gesprächskreis mit Historikern in Schloss Bellevue äußerte Bundespräsident Steinmeier wenig überraschend: „Nach einer nationalen Feier der Reichsgründung verlangt, so mein Eindruck, heute niemand. Der 18. Januar ist kein Datum, das im kollektiven Gedächtnis der Deutschen wirklich präsent ist.“ So sieht es aus. Dabei weiß Steinmeier genau, dass es nicht um eine rauschende Feier gehen konnte, schon gar nicht in diesen Zeiten, sondern um die Erinnerung an eine bis heute folgenreiche Zäsur in der deutschen Geschichte.

Der Journalist Ulli Kulke hatte sich vor dem 18. Januar 2021 die Mühe gemacht, einmal bei den großen Institutionen der historischen Erinnerung nach etwaigen Plänen und Projekten bezüglich des Jahrestags zu fragen. Ergebnis: praktisch nichts. Im Deutschen Historischen Museum in unmittelbarer Nähe des weitgehend wiederaufgebauten Hohenzollernschlosses sah man keinen Grund, durch eine gesonderte Schau oder öffentliche Veranstaltungen den 150. Geburtstag der Gründung des deutschen Nationalstaates zu begehen. Im Haus der Kulturbeauftragten der Bundesregierung, Monika Grütters (CDU), gab man sich ähnlich zurückhaltend: „Man habe vom 29. auf den 30. Oktober 2020 eine Online-Tagung der AG Orte der Demokratiegeschichte unterstützt, heißt es dort, außerdem fördere man „eine Sonderausstellung in der Otto-von-Bismarck-Stiftung in Friedrichsruh in der Nähe von Hamburg. Das war es dann. Nichts, was auch der aufmerksame Zeitungsleser überregional irgendwie registriert hätte.“

Im Haus der Geschichte in Bonn hatte man immerhin eine zunächst plausibel klingende Antwort parat: Man fühle sich nicht zuständig, kümmere sich nur um die Zeitgeschichte, nach 1945. „Dass dieser Jahrestag“, so Kulke, der früher für die „taz“ und die „Welt“ arbeitete, „allerdings in das Selbstverständnis der Bundesrepublik Deutschland hineinragt und damit auch in den eigenen zeitgeschichtlichen Auftrag – auf die Idee ist man nicht gekommen.“

Unter Brandt war es anders

Ironie der Geschichte: Ausgerechnet der sozialdemokratische Bundeskanzler Willy Brandt sprach zum hundertsten Jahrestag der Reichsgründung im Jahre 1971 von Bismarck als einem „der großen Staatsmänner unseres Volkes“. Trotz der 1878 verabschiedeten „Sozialistengesetze“ fand Brandt neben dem „Niederdrückenden“ dieser Epoche in den Überlieferungen des 19. Jahrhunderts auch „Inspirierendes“, weil „der Freiheitsfaden in der deutschen Geschichte immer wieder aufgegriffen werden“ konnte. Unzweifelhaft dachte er dabei etwa an das Hambacher Fest von 1832, den deutschen „Vormärz“ und die Revolution von 1848.

Doch auch diese Ereignisse sind im Bewusstsein der meisten Deutschen kaum mehr oder gar nicht präsent. Das alles ist Ausdruck einer wachsenden Geschichtslosigkeit, die nicht allein mit mangelnder Bildung zu erklären ist, sondern auch mit der – angesichts von politischer Korrektheit und „Cancel Culture“ – grassierenden Angst, in ein „falsches“ politisches Fahrwasser zu geraten. Bismarck, Kaiser Wilhelm und Deutsches Reich – das sind in der Öffentlichkeit von 2021 eigentlich Unworte, „toxische“ Reizbegriffe, die ausschließlich negativ besetzt sind.

Kein Wunder, dass die Suche der Deutschen nach sich selbst, nach ihrer Identität, nach dem Woher und Wohin immer noch und immer wieder auf Schlingerkurs ist. Immer noch und immer wieder kommt es zum letztlich ergebnislosen Streit über Begriffe wie Nation, Heimat und Leitkultur – erst recht angesichts der Tatsache, dass inzwischen 26 Prozent der Bevölkerung einen sogenannten „Migrationshintergrund“ haben. Allenfalls dient die Debatte zur politischen Denunziation: Wer von Heimat, gar Nation spricht, landet schnell im rechten Abseits.

In seinem Buch „Lauter letzte Tage“ stellte der Autor Friedrich Sieburg schon 1961 fest, die Deutschen hätten seit eh und je dabei versagt, zu einer natürlichen Klarheit über sich selbst zu gelangen.

Englands Premierminister Winston Churchill sah sie entweder „an der Gurgel“ ihrer Feinde oder zu ihren Füßen. Angst und Heldenmut, Kleingeistigkeit und Großmachtstreben, philosophische Grübelei und mörderische Effizienz – es gibt viele Aspekte jener deutschen Zerrissenheit, unter der schon Friedrich Schiller, Heinrich Heine und Kurt Tucholsky litten.

Zwischen den Extremen

Es ist ein Phänomen: Trotz aller Veränderungen nach zwei Weltkriegen, deutscher Teilung, europäischer Vereinigung, Mauerfall und staatlicher Einheit ist das Selbstbewusstsein der Deutschen immer noch von Extremen geprägt: einerseits diffus und unsicher, andererseits radikal und ideologisch, jedenfalls aber merkwürdig ungefestigt.

Die Corona-Krise hat diese Ausprägungen noch deutlicher hervortreten lassen. Eine einigermaßen realistische Selbstwahrnehmung hat es umso schwerer in Zeiten, als die Skandalisierungs- und Empörungskultur des Internets und der sogenannten „sozialen Medien“ wie Twitter und Facebook einseitige, vermeintlich einzig wahre Sichtweisen bis hin zu Verschwörungstheorien zu bestätigen scheinen. Vor lauter Rassismus, Sexismus, Rechtsextremismus und Nationalismus erkennt manch ein Bürger sein eigenes Land nicht wieder, die gute alte Bundesrepublik.

Linksaußen warnt die „Nie wieder-Deutschland“-Fraktion vor dem ewigen Faschismus, rechtsaußen kämpfen „Reichsbürger“ und Neonazis gegen „Lügenpresse“ und „Volksverräter“, während die grüne Moralisten-Vereinigung überzeugt ist, dass „gerade Wir“ als geläuterte Deutsche berufen seien, die Welt zu retten. Motto: Nur ein schlechtes Gewissen ist ein gutes Gewissen. Dazwischen treiben lose versprengte Zeitgenossen, denen entweder alles egal ist, Hauptsache, das WLAN funktioniert, oder solche Individuen, die sich in ihre offenkundig anachronistisch gewordene spätbürgerliche Liberalität zurückziehen wie auf ein altes Sofa. Millionen von Migranten dürfte all das sowieso äußerst fremd erscheinen. Was hat ein syrischer Flüchtling aus Aleppo mit Bismarck zu tun?

Realismus in der Minderheit

Die klassisch-bürgerliche Mitte wirkt dabei merkwürdig verloren, blass, konturlos, ohne Ausstrahlungskraft und Selbstbewusstsein – und das, obwohl sie für das erfolgreiche, weltweit gefeierte „Modell Deutschland“ steht, die Mischung aus freiheitlicher Demokratie und sozialer Marktwirtschaft. Selbst Helmut Kohl erscheint im Rückblick wie ein Leuchtturm des liberalen Konservativismus, an dem man sich zumindest reiben konnte.

Auch die Spitzenkandidaten zur bevorstehenden Bundestagswahl verkörpern kaum noch glaubwürdig den politischen Kern jenes bundesdeutschen Erfolgsmodells, dessen Fortschreibung sie mit Optimismus in Angriff nehmen könnten. Der linksgrüne, „postnationale“ Zeitgeist zwischen Weltrettungs-Idealismus, Gender-Mainstreaming und Live-Ticker-Katastrophismus sorgt dafür, dass kritisch-pragmatische Vernunft und politischer Realismus immer mehr in eine Minderheitenposition geraten.

So hat die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, die Merkel-Vertraute Annette Widmann-Mauz, gerade verkündet, dass nun auch der politisch korrekte Begriff „Migrationshintergrund“ abgeschafft werden soll, weil er nicht mehr „zeitgemäß“ sei. Die von ihr beauftragte „Fachkommission Integrationsfähigkeit“ geht nach zwei Jahren (!) Arbeit in ihrem Abschlussbericht noch weiter: Die titelgebende Bezeichnung „Integrationsfähigkeit“ sei „verengend“ und solle ebenso wenig weiter benutzt werden wie das Wort von der „Mehrheitsgesellschaft“. Lieber wolle man künftig von „Einwanderungsgesellschaft“ sprechen, in der keine Gruppe diskriminiert und ausgegrenzt werde.

Umformung der Wirklichkeit

Wir verstehen: Über die Verordnung offiziöser Sprachregelungen soll die Wirklichkeit umgeformt, teils gleich ganz zum Verschwinden gebracht werden. Wie aber, um Himmels willen, sollen Menschen aus fernen Ländern und Kulturen jemals in Deutschland ankommen, wenn die „Einwohnenden“ (Originalton gendergerechte Sprache) der „Einwanderungsgesellschaft“ selbst nicht wissen, in welchem Land, mit welcher Geschichte und Kultur, mit welchen Werten, Rechten und Pflichten sie eigentlich leben – wenn sie also kein angemessenes und, ja, verbindlich-mehrheitsfähiges Selbst-Bewusstsein haben?

Dann bleibt uns nur noch die Übernahme des Sprachgebrauchs der Bundeskanzlerin, dann sind wir eben „Menschen, die schon länger hier leben“.

Mehr Geschichtslosigkeit geht nicht.

• Reinhard Mohr war bis 2004 Redakteur des „Spiegel“ und bis 2010 Autor von „Spiegel Online“. Zu seinen Büchern gehört „Bin ich jetzt reaktionär? Bekenntnisse eines Altlinken“ (Gütersloher Verlagshaus, 2013).



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Kommentare

Chris Benthe am 04.02.21, 15:37 Uhr

"Live-Ticker-Katastrophismus", nette Formulierung. Gefällt mir, besonders in diesen verrückten Zeiten. Nur noch Irre unterwegs mit der Lizenz zum Schwafeln, Tricksen und Täuschen.

Jörg Johannsen (Dr. phil.) am 03.02.21, 13:42 Uhr

Baden-Baden 3. 2. 2021
Es gibt viele Ursachen für die Negierung von geschichtlichen positiven Traditionslinien in Bezug auf die deutsche Geschichte, wenn man nur die Zeit ab 1806 sich INSGESAMT genau ansehen würde; und dazu gehört selbstverständlich auch die Überlegung, dass die Gründung des Deutschen Reiches am 18.1.1871 ein Freudentag für alle diejenigen waren, die ein neues Deutschland wollten, das den deutschen Bürgern - ohne separatistischen Neigungen zu folgen - zugewandt war, die im Deutschen Reichstag sich parlamentarisch artikulierten, wenn auch die adligen Kreise sich mit der neuen bürgerlichen parlamentarischen Welt nicht anfreunden konnten. - Also war nun der Weg Deutschlands zu einem in sich (einigermaßen) einigen Nationalstaat geebnet worden, auch im Hinblick darauf, dass Bismarck erkannt hatte, dass eine Verpflichtung fortbestand, die Ziele der - gescheiterten - bürgerlichen Revolution von 1848-49 auf eine etwas andere Weise doch noch zu realisieren. - DAS wäre ein Ansatzpunkt für eine Feier am 18. Januar 2021 gewesen, welche die Bedeutung des NATIONALSTAATs Deutschland für die heutige Politik (freiheitliche und rechtsstaatliche Verfassung) in den Blick genommen hätte. Das ist aber nicht geschehen; auch nicht von Seiten der christlichen Kirchen in Deutschland, die sich hierbei an die immer noch uneingelöste Verpflichtung hätten erinnern können, die ÖKUMENE geistig und real in Deutschland mit echtem Leben zu erfüllen, denn damit würde endlich ein Konsens der evangelischen Kirchen und der römisch-katholischen sowie der orthodoxen Kirchen geschaffen, der eine geistige Basis für den heutigen deutschen Nationalstaat darstellen könnte!
denn damit würde endlich ein Konsens der evangelischen Kirchen und der römisch-katholischen sowie der orthodoxen Kirchen geschaffen, der eine geistige Basis für den heutigen deutschen Nationalstaat darstellen könnte! Deutschland kennt - verfassungsgemäß - KEIN RECHT von AUSLÄNDERN, einwandern zu dürfen oder einwandern zu sollen, aber gewährt aus humanen Gründen ein Asylrecht für eindeutig verfolgte Ausländer (als Einzelpersonen). - Halten wir doch bitte Folgendes fest: Die Besinnung auf die NATION Deutschland hat längst stattgefunden, denn eine Mehrheit der Einwohner/innen Deutschlands (die mindestens bei 55 Prozent liegt) lehnt die gesetzlich unzureichend geregelte Einwanderung von Ausländern strikt ab. Nur wäre endlich eine Bundesregierung vonnöten, die so korrekt wäre, sich an dieser tagtäglich - landauf, landab - geäußerten Volksmeinung genau auszurichten, denn das Demokratiegebot bedingt, dass den Zielsetzungen der Mehrheit des deutschen Volkes ohne Zögern und umfassend Rechnung zu tragen ist. Ich verweise nur hierzu auf den Amtseid, den jeder Bundeskanzler bei Amtsantritt schwört. - Es bleibt zu hoffen, dass die CDU-CSU auf dem Weg zur Bundestagswahl 2021 sich an diese grundlegenden Voraussetzungen für ein innerstaatlich gefestigtes Deutschland rechtzeitig erinnert ! Gleiches gilt für die FDP und für die AfD, die sich auch einmal daran erinnern sollte, dass wert-konservative und liberale Bürger zunächst einmal politisch sich als Gesamtheit ansehen sollten, um dem diffusen Linksdrall in unserer Gesellschaft einheitlich entgegenzuwirken, der auch nicht auf der politischen Linie der Mehrheit der jungen Generation liegt. - Somit ist zu hoffen, dass viele Deutsche begreifen sollten, dass ein grundlegender Politik- und Strategiewandel ab September 2021 notwendig ist, damit Deutschland - sich selbst gegenüber - endlich wieder glaubwürdig wird !!

Winfried Kasper am 02.02.21, 11:15 Uhr

Wir konnten es nicht mehr ertragen. Wir mussten unsere Staatsangehörigkeitsurkunde im "Ausländeramt" abholen.
Wir wollten nicht mehr zu diesem Staat gehören, auch deshalb sind wir ausgewandert.
Armes Deutschland ich weine um Dich!

sitra achra am 01.02.21, 12:33 Uhr

Es geht hier nicht allein um die nationale Versiffung, es handelt sich bei diesem Vorgang um eine globale Transformation, bei der das Wesen des Menschen zur Disposition steht. Schaut Euch mal die Aussagen des WEF zum Transhumanismus an! Der weltweite Migrationstourismus mit all seinen debilen Auswüchsen und Schuldzuweisungen soll lediglich die Normalität destabilisieren und die Menschen gegeneinander aufbringen und meschugge machen.
Die Absicht hinter dieser perfiden Politik ist klar erkennbar: die mächtigen 1% wollen ihre Herrschaft für alle Zeiten sichern zusammen mit dem riesigen Heer ihrer in den Regierungen und Institutionen residierenden Faktoten (vornehmlich "Demokraten").
Das führt weltweit massenhaftes Elend nach sich, gegen das es vermutlich kein Entrinnen geben wird.
Zu stark werden die Trumpfkarten der Manipulation und Repression ausgespielt, um jeden Verdacht von Widerstand auf ewige Zeiten zu brechen.
Aber noch ist es nicht zu spät: Bürger, ans Gewehr! (nicht symbolisch gemeint!), "Armez-vous, Citoyens!"
"Le sang impur?" Genau die!
Wer aber mehr über das Reich und das Jubiläum der Reichsgründung erfahren möchte, der greife zur aktuellen Ausgabe der "Krautzone". Mehr redliche und kritische Information geht nicht.

Karl Endemann am 01.02.21, 07:26 Uhr

"rechtsaußen kämpfen „Reichsbürger" und Neonazis gegen „Lügenpresse" und „Volksverräter""
Da habe ich aufgehört zu lesen.

Jan Kerzel am 31.01.21, 18:21 Uhr

Eine Ansammlung von deutschsprachigen und anderssprachigen Menschen ergibt noch lange keine Nation. Die Staatsbürgerschaft der Bundesrepublik ist lediglich eine Art Mitgliedsausweis, der bestimmte Rechte verbrieft, eingeschlossen der Verpflichtung die freiheitlich demokratische Grundordnung der Bundesrepublik Deutschland anzuerkennen und zu beachten. Für einen Staat, der via EU, nach Auflösung strebt, sollte dies genug sein. Das Lied aus alten Zeiten ist vollstaendig verklungen. Zudem fehlt ein Ankerstaat , wie es Preussen zweifellos war. Ein nationales Bewusstsein über die Historie, über das Herkommen, zu generieren, erscheint mir hier und heute unmöglich. Eine Leiche kann nicht reanimiert werden. Die Nation kann nur durch die freiwillige Zustimmung und Übereinstimmung leben und überleben. Sie kann sich aber durchaus auf neuer Grundlage neu bilden. Die alten Reste werden da aber nur eine geringe Rolle spielen. Die United States of Germany werden eine ganz andere Bevölkerungsstruktur aufweisen als das DR oder die alte BRD. Ob sich das zu einer Nation, einer Schicksalsgemeinschaft, schütteln laesst, wird man sehen. Die Tendenz geht wohl eher zu Parallelgesellschaften mit eigenen Werten und Ordnungsprinzipien. Letztlich alles ein Prozess, dessen Ausgang ungewiss ist. Von daher kommt natürlich auch ein stückweit die feststellbare Verunsicherung. Woher, wohin, alles nicht klar, alles verschleiert. Dies fördert natürlich den Egoismus und Individualismus. Das Kollektive versinkt ohne echtes Fundament in einem Meer von durchschaubaren und wohlfeilen Phrasen. Das persönliche Wohlergehen ist die einzig verifizierbare Bindung an den Staat Bundesrepublik. Bis jetzt hat es ganz gut funktioniert, wie es zukünftig ausschaut, wissen wir nicht.

Gregor Scharf am 31.01.21, 18:03 Uhr

Wenn sich die junge Generation bereitwillig und widerspruchslos verblöden lässt und die Älteren sich wegducken, was schert es mich?
Unsere Geschichte, die deutsche, ist ein über Jahrtausende hinweg währender Freiheitskampf. In allen Epochen gab es Streiter für ein Leben in Freiheit. Auch die gegenwärtige Epoche ist geprägt von geistiger Knechtschaft und seelischer Grausamkeit. Man betrachte nur die Inhalte des Abendprogramms in der Flimmerkiste, genannt TV, vom Internet ganz zu schweigen. Und doch hat dieses Volk zwei dreißigjährige Kriege und viele andere Grausamkeiten überstanden. Der Blutzoll war hoch und wird es wieder sein, weil dieses Volk die Wachsamkeit verloren hat und in einer Blase lebt. Ihm sind sämtliche Ideale ihrer Ahnen abhanden gekommen. Wer die Freiheit nicht ehrt und um sie ringt, hat es nicht anders verdient!
Und doch bleibe ich Optimist. Denn selbst der dümmste Hund wehrt sich, wenn das Maß voll ist bzw. die Enteignung und Freiheitsberaubung vollendet sein werden und die Mittellosigkeit zur Solidarität und Gewalttat treiben. Dann spielt es auch keine Rolle mehr, ob der Kämpfer an meiner Seite nun schwarze oder weiße Hautfarbe hat. Es kommen interessante Zeiten auf uns zu. Nicht Wegsehen, nicht Weghören und nicht Schweigen! So etwas erlebt man nicht alle Tage. Hier wieder abermals Weltgeschichte geschrieben: Die menschliche Dekadenz und Idiotie treibt ihr Unwesen gegen die Urgesetze der Natur und des Lebens. Allein das sagt doch alles über den Ausgang dieses Tauziehens.

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