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200 Jahre Pflanzgarten Glien

Naturparadies Buchheide

Eingebettet in die Buchheide: Der Pflanzgarten und Kriegsgräberfriedhof in Glien

Brigitte Klesczewski
24.07.2023

Am südöstlichen Rand der Buchheide, etwa vier Kilometer westlich von Neumark, liegt der Pflanzgarten Glien [Glinna]. Neumark war die Endstation der Kleinbahn von Finkenwalde nach Neumark. Dieser Garten, der wie ein Park wirkt, wurde bei einem Heimattreffen nach dem Zweiten Weltkrieg von den Hökendorfern besucht und neu entdeckt.

Im Jahr 1823 wurde der etwa sechs Hektar große Pflanzgarten angelegt, um hier kräftigen Nachwuchs für die Buchheide zu entwickeln. Durch seine geschützte Lage am südlichen Abhang der Buchheide ist ein Gedeihen sonst empfindlicher, ausländischer Holzarten wie die amerikanische Schwarznuss, verschiedene Hickorynussarten und eine baumartige Haselnuss möglich. Erwähnenswert wäre noch eine Magnolie, die sich hier besonders kräftig entwickeln konnte.

Von Nadelhölzern sollen die Wellingtonia gigantea, ein kalifornischer Riesenbaum, der Virginische Wacholder, die Nordmanntanne und Douglas Fichte genannt werden. Ein Prachtstück ist über 120 Jahre alt, 42 Meter hoch und hat einen Stammumfang von 4,5 Metern. Es mussten mittlerweile aus Sicherheitsgründen einige der alten Bäume entfernt werden, auch Sturm- und Frostschäden gab es leider immer wieder. Es wurde aber stets für Nachwuchs gesorgt.

Vor 200 Jahren angelegt
Dieser Garten ist wahrhaftig ein kleines Paradies. Auf markierten Wegen kann der interessierte Besucher auf Tafeln lesen, was dort wächst, oder sich mittels QR-Code führen lassen. Viele Bänke und Holzunterstände laden zum Verweilen ein, einfach die Natur genießen und den Vogelstimmen lauschen – das ist Entspannung pur. Besonders prächtig ist es übrigens zur Rhododendron- und Azaleenblüte. Vor dem Eingang zum Pflanzgarten steht die Försterei Glien.

Der Ort Neumark hat eine interessante Historie, er hieß slawisch Cirnowo und gelangte 1234 als Geschenk des Fürsten Swantibor an das Kloster Kolbatz. Der Ort entwickelte sich so kräftig, dass er schon im Mittelalter in der Urkunde vom 26. September 1226 die Erlaubnis eines freien Marktes erhielt. Er wurde sogar um die Mitte des 15. Jahrhunderts als Städtchen bezeichnet. Im Norden des Ortes stand ein Spital, worauf ebenfalls auf städtische Eigenschaften zu schließen ist. Dieses Spital blieb als Altersheim bis ins 19. Jahrhundert bestehen. In der Republik Polen heißt Neumark Stare Czirnowo.

Im Ortsteil Glien wurde dem Volksbund für Deutsche Kriegsgräber ein Areal für einen Soldatenfriedhof zur Verfügung gestellt. Der Volksbund konnte mit der polnischen Forstverwaltung zusammenarbeiten. Ein Zaun umgibt diesen Soldatenfriedhof. Zum Gedenkplatz führt ein gerader Weg. Mehr als 300.000 Gefallene konnten hier einen Ruheplatz finden.

Ein Gesamtnamensverzeichnis liegt in der Verwaltung aus. Der Leiter Piotr Nycz ist bereit, Besucher über den Friedhof zu führen. Im Jahr 2009 wurden über 2000 Gefallene von den Kämpfen um die Marienburg hier beigesetzt. Dieser gepflegte Soldatenfriedhof wird häufig von Stettin aus besucht.

Die Ortsnamen der Buchheide bieten ein buntes Gemisch von alten und neuen Bezeichnungen. Um die Buchheide, dieses Kleinod nahe der ehemaligen Hauptstadt Pommerns, noch besser kennenzulernen, müsste man sich mit dem Forstmeister Carl Ludwig Gené und dem Buchheideverein mit dem „Buchheide-Meyer“, dem Heimatforscher Carl Friedrich Meyer (1840–1904), näher befassen, um sie dann mit wacheren Augen bewandern zu können. Das bleibt einem weiteren Artikel vorbehalten.


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Kommentare

sitra achra am 02.08.23, 09:17 Uhr

Irgendwie stimmen die Angaben hier nicht. Ich habe recherchiert, dass auf dem Waldfriedhof lediglich 26.000 deutsche Gefallene beigesetzt sind und nicht 300.000.
Die erwähnten Toten von der Marienburg waren laut Untersuchung keine deutschen Soldaten, sondern deutsche Zivilisten, mehrheitlich alte Leute, Frauen und Kinder, die auf grausame Weise massakriert worden sind. Die Russen waren es in diesem Fall wohl nicht. Vielleicht war dies der Grund dafür, dass man diesen Vorgang unter den Teppich kehren wollte, indem man die Opfer unkontrollierter Rache weitab vom Tatort nach Glien verfrachtet hat, das hätte sonst dem gängigen historischen Narrativ abträglich sein können.

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