27.09.2021

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Bis unter die Decke voll: Spielesammlung der Spiele-Erfinderin Kirsten Hiese
Foto: Kirsten HieseBis unter die Decke voll: Spielesammlung der Spiele-Erfinderin Kirsten Hiese

Unterhaltung

Neue Spiele braucht das Land

Autor sein kann jeder. Aber Spiele-Autor? Kirsten Hiese gehört zu dieser seltenen Spezies und erklärt, wie man auf Spiel-Ideen kommt

Silvia Friedrich
06.09.2021

Ein Gewinner der Pandemie ist sicherlich die Spieleindustrie. Die Zeit im Lockdown vertrieben sich viele Familien mit Gesellschaftsspielen. In diesem Jahr sind wieder viele neue Spiele erschienen, von denen die besten die Jury „Spiel des Jahres“ jüngst prämiert hat. Neben dem Gewinner „MicroMacro: Crime City“, einem Detektivspiel, gab die Jury eine Empfehlungsliste für weitere Spiele bekannt, darunter auch ein Geschicklichkeitsspiel für Kinder der Spieleautorin Kirsten Hiese aus Nordrhein-Westfalen. PAZ-Autorin Silvia Friedrich traf sie und fragte, wie man Spiele-Erfinder wird.

PAZ: Eines fällt sofort auf, wenn man sieht, welche Ideen Ihnen so im Laufe der Zeit eingefallen sind, Ihr enormer Einfallsreichtum. Was war früher Ihr liebstes Schulfach?
Hiese: Auf den Kunstunterricht habe ich mich immer sehr gefreut, ich habe es geliebt, mich mit Farben, Materialien und Formen zu beschäftigen. Ich war sehr motiviert, da ich in diesem Schulfach richtig gut war. Aber auch Mathematik hat mir gut gefallen und ist mir nicht so schwergefallen. Ich fand das Fach immer sehr strukturiert, logisch und „aufgeräumt“.

Wie wird man Spiele-Erfinder?
Ich denke, in jedem steckt ein Spiele-Erfinder, man muss sich nur darauf einlassen, es ausprobieren. Natürlich sollte man Spaß am Tüfteln und vor allem am Spielen haben. Jeder, der auch nur ein eigenes Spiel erfunden hat, ist ein Spiele-Erfinder.

Wie kamen Sie zu diesem Beruf, oder kam er zu Ihnen?
Das Interesse am Spiele-Erfinden kam tatsächlich zu mir und es war ein Zufall. In einer Zeitschrift las ich einen Artikel über einen Spiele-Autor. Bis dahin hatte ich mir nie Gedanken darum gemacht, dass hinter jedem Spiel auch ein Autor steht. Da ich Florist-Meisterin war, aber pausierte, da ich drei kleine Kinder hatte, suchte ich eine kreative Herausforderung – und da war sie. Ich wollte es probieren. Im Nachhinein finde ich das sehr lustig, denn ich war weder eine große Spielerin noch hatte ich Ahnung von Spielen. Ich habe es einfach probiert. Über meine ersten Entwürfe muss ich heute nach vielen Jahren sehr schmunzeln. Es hat drei Jahre gedauert, bis das erste Spiel von mir im Spieleladen stand.

Gibt es eine spezielle Ausbildung für diesen Beruf?
Es gibt keine Berufsausbildung zum Spiele-Erfinder, all das Wissen ums Spiele-Entwickeln muss man sich selbst erarbeiten, und dazu braucht man in erster Linie ein sehr großes Interesse am Spiel und viel Ausdauer. Auffallend ist, dass viele Menschen, die sich mit dem Spiele-Entwickeln beschäftigen, Statistiker, Mathematiker oder auch Lehrer sind. Aber natürlich nicht alle, auch ich bin da eine echte Ausnahme. Fast alle Spiele-Autoren haben einen anderen Broterwerb. Es gibt nur wenige Autoren, die von ihren Spielen leben können.

Wem kann man neue Spielideen anbieten?
Zuerst muss ein Spiel immer wieder getestet werden, man sollte da sehr selbstkritisch sein, denn oft ist man unglaublich selbstverliebt in sein eigenes Spiel. Nachdem man seine Spielideen in unzähligen Spielrunden mit vielen verschiedenen Spielern ausprobiert hat und auch die Spieler es wirklich richtig gerne spielen, kann man sich auf die Suche nach einem Spieleverlag machen. Dazu sollte man sich die Verlage genau anschauen, um festzustellen, ob das eigene Spiel zum Spielprogramm passen könnte. Spieleverlage bekommen viele Hundert Spielvorschläge im Jahr. Man schickt zuallererst nur ein Spielkonzept in die Spieleredaktion. In ein Spielkonzept gehört eine Spielregel und Fotos vom Spiel. Man sollte die Spielregen unbedingt vorher von einem Spieler Probelesen lassen, der das Spiel noch nicht kennt, da man so sieht, ob die Regel keine Fragen offenlässt.

Welche Spiele haben Sie erfunden?
Von meinen Spielen wurden schon über 30 veröffentlicht. Es sind viele Kinderspiele, aber auch Familienspiele, Rätselspiele und Rätselbücher. Bald erscheint mein erstes Bastelbuch. Hier eine kleine Auswahl: „Ring der Magier“, „Kerala“, „König Grummelbart“, „Käpt'n Kuller“, „Gruselgrütze“ und „Schätzinsel“.

Gibt es dabei ein Lieblingsspiel?
Ein Lieblingsspiel habe ich nicht, aber mehrere Spiele, die mir aus verschiedenen Gründen sehr am Herzen liegen. „Rondo Vario“ meine erste Veröffentlichung und schon 15 Jahre im Programm. „Kerala“, mein erstes großes Familienspiel und Spiel der Spiele der Wiener Spiele Akademie. „Käpt'n Kuller“ hat es dieses Jahr auf die Empfehlungsliste „Spiel des Jahres 2021“ geschafft.

Woher nehmen Sie Ihre Ideen und wie entwickeln Sie die Spiele?
Über neue Spielideen stolpere ich meist, man muss nur genau hinschauen. Als ich meinen Vorrat an Magneten aufgeräumt habe, fiel mir ein Ringmagnet in die Hände. Ich fand es sehr lustig, was man mit ihm alles anstellen konnte und so ist mein Spiel „Ring der Magier“ entstanden. Still am Schreibtisch zu sitzen und auf die Idee zu warten, funktioniert meist nicht. Hat man aber eine Idee, an der man auch festhält, so fängt die Arbeit erst richtig an.

Testen Sie neue Spiele mit Kindern zusammen?
Jede Spielidee muss unbedingt mit der passenden Zielgruppe getestet werden. Erst dann sieht man, wie das Spiel gefällt, ob es zu leicht, zu schwer, zu langweilig oder genau passend ist. Zum Testen meiner Kinderspiele gehe ich in Kindergärten oder Schulen. Die Familienspiele teste ich im Spieletreff. Ohne diese Testgruppen könnte ich kaum Spiele veröffentlichen.

Was macht Ihnen an Ihrer Arbeit am meisten Spaß?
Das Austüfteln einer Spielidee, bis ein gutes Spiel entstanden ist. Die meisten Entwürfe landen im Papierkorb, aber irgendwann hat man es geschafft, und das Spiel funktioniert. Das ist ein tolles Gefühl, wenn man sieht, wie gerne es gespielt wird. Viel Freude bereitet mir der Bau der Prototypen, da gebe ich mir immer sehr viel Mühe, denn es macht einfach mehr Spaß, mit einem schönen Spiel zu spielen.

Wenn Sie drei Wünsche frei hätten
Wenn man das Wichtigste mal auslässt, nämlich Gesundheit und Frieden, dann sind da noch: Testspieler, die mir jederzeit zur Verfügung stehen, die Spielidee, die durch die Decke geht und ganz viele Spieler an den Spieltisch holt, und mehr Zeit zum Spielen mit meinen Kindern.



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Kommentare

Siegfried Hermann am 07.09.21, 06:20 Uhr

Vor der Plan-demie gab es in jeder größeren Stadt "Spielemessen", wo nach Herzenslust getestet und natürlich auch gleich gekauft werden konnte und bei größeren "events" viele Autoren selbst da waren.
Das war bis dahin, egal welchen Alters, immer ein Besuch wert!

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