30.11.2020

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Landflucht – Stadtflucht

Neukölln statt Uckermark

Syrer strömen vom Land nach Berlin – Deutsche verlassen gleichzeitig die Metropole scharenweise

Norman Hanert
29.08.2020

Als im Jahr 2015 hunderttausende Immigranten nach Deutschland hereinströmten, warteten einige Kommentatoren mit Empfehlungen auf, mit den „Flüchtlingen" den ländlichen Regionen der östlichen Bundesländer neues Leben einzuhauchen. Daten aus Brandenburg zeigen nun, dass dies eine Milchmädchenrechnung war.

Wie andere Bundesländer auch, hatte Brandenburg versucht, Asylsucher über die Erstaufnahmeeinrichtung auf die Landkreise und kreisfreien Städte über die ganze Fläche des Landes zu verteilen. Wie sich inzwischen herausgestellt hat, packte ein Teil dieser Ausländer aber alsbald wieder die Koffer, um nach Berlin oder in die beiden Großstädte Potsdam und Cottbus umzuziehen. Besonders deutlich wird dies bei den Landkreisen Ostprignitz-Ruppin, Oberspreewald-Lausitz und Dahme-Spreewald. Von hier zog seit Ende 2016 ein Drittel der syrischen Asylsucher wieder weg.

Auch die Kreise Elbe-Elster, Uckermark und Prignitz betrachtete gut ein Viertel der zugewiesenen Syrer offenbar nur als Zwischenstation. Das eigentliche Ziel war oft Berlin. Nur wenige Jahre ist es her, dass die ins Land kommenden Asylbewerber noch von Medien und Politikern als Geheimrezept gegen die demografischen Probleme der östlichen Bundesländer empfohlen wurden.

Häuser und Land werden knapp

Heribert Prantl von der Chefredaktion der „Süddeutschen Zeitung" schlug etwa vor, die Immigranten „mit den Erfahrungen ihrer uralten Subsistenzwirtschaft" im ländlichen Raum Mecklenburg-Vorpommerns anzusiedeln. Auch Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) regte im Sommer 2015 an, Asylbewerber in den entvölkerten Regionen der neuen Bundesländer unterzubringen. Mehr Realitätssinn erwies seinerzeit sogar die linke Lobbygruppe „Pro Asyl": „Wo es keine Migrationsstruktur gibt, ist es sehr viel schwieriger für Neuankommende", so ein Vertreter der Organisation. Tatsächlich zeigen die Erfahrungen klassischer Einwanderungsländer, dass sich Immigranten schon aus rein praktischen Gründen oft in der Nähe bereits eingewanderter Landsleute ansiedeln.

Die Belebung ländlicher Regionen findet trotzdem statt. Parallel zum anhaltenden Zuzug von Ausländern in die Hauptstadt packen immer mehr alteingesessene Berliner die Sachen und ziehen nach Brandenburg. Dies zeigt sich nicht mehr nur im Speckgürtel, sondern selbst in berlinfernen Regionen wie der Uckermark.

Die Region im Nordosten wird zuweilen schon als Berlins 13. Bezirk bezeichnet. In Teilen der Uckermark nimmt die Bevölkerungszahl schon seit 2014 vor allem durch Zuzug aus Berlin, zum Teil auch aus dem Raum Stettin wieder zu. Begehrt ist speziell der Raum Angermünde, der von Berlin aus mit der Bahn zu erreichen ist. Bei Freiberuflern und Künstlern sind auch abgelegene Orte wie etwa Gerswalde gefragt. Der uckermärkische Ort hat sich in den vergangenen Jahren zu einem Magneten für berlinmüde Kreative entwickelt. Inzwischen hat das Interesse dazu geführt, dass die Auswahl verfallener Gutshäuser und Bauernhöfe, die sich wieder herrichten lassen und noch zu haben sind, rapide abnimmt. In Teilen Brandenburgs müssen Gemeinden zudem immer öfter Zuzugswillige abweisen, weil sie kein kommunales Bauland mehr ausweisen können.

Entwicklungsplan stört Entwicklung

Als Ursache nennen die Kommunen den Landesentwicklungsplan Berlin-Brandenburg. Beide Länder hatten sich in dem Plan darauf geeinigt, die Metropolenregion vorrangig entlang von Siedlungsachsen zu entwickeln. Jenen Kommunen, die abseits dieser Achsen liegen, wurden entsprechend Beschränkungen bei der Baulandausweisung auferlegt.

Im Sinn hatten die Landesregierungen dabei, einen Siedlungsbrei im Berliner Speckgürtel zu verhindern. Inzwischen häuft sich jedoch Kritik von Gemeinden, die den Landesentwicklungsplan als Hemmnis sehen, weil sie Bauwillige vertrösten müssen. Im Koalitionsvertrag hat die märkische Landesregierung aus SPD, CDU und Grünen eine Anpassung des Entwicklungsplans vereinbart. Diese lässt nun allerdings auf sich warten.

Die Prioritäten der Potsdamer Koalition scheinen derzeit woanders zu liegen. Wie schon Rot-Rot-Grün in Berlin will auch die märkische Landesregierung ein eigenes Aufnahmeprogramm, um zusätzlich pro Jahr etwa 200 „Flüchtlinge" nach Brandenburg holen zu können. Im Fall Berlins hatte Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) Ende Juli ein bereits beschlossenes Landesaufnahmeprogramm gestoppt. Seehofer hatte den Berliner Sonderweg unter Hinweis auf ein bundeseinheitliches Handeln untersagt.



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Kommentare

Werner Müller am 02.09.20, 07:27 Uhr

Syrer gehören nach Syrien.
Da kamen sie her meist wohl unter dem Vorwand eines Krieges. Der aber ist in weiten Teilen des Landes vorbei.
Deshalb sollten sie sich dem Wiederaufbau ihres Landes widmen antatt hier im Deutschen Sozialsystem Resourcen anzugreifen, die für Deutsche angelegt und geschaffen wurden. Schmarotzertum ist etwas anderes als Symbiose.

Max Muster am 02.09.20, 07:11 Uhr

Selbst im Oderbruch (MOL) wird`s langsam knapp. Zuerst kommen die Künstler und holen sich die abgelegenen 4-Seitenhöfe, danach werden alle anderen Häuser und Höfe die früher keiner wollte übernommen und ausgebaut. Zunächst als Wochenenddomizil später zieht man ganz dorthin weil man auf den Lärm, Dreck und die Unsicherheit der Großstadt gut verzichten kann.

pol. Hans Emik-Wurst am 01.09.20, 12:31 Uhr

Die in den sechziger Jahren als Touristen nach Ostberlin eingeflogenen Türken blieben einfach unkontrolliert in Westberlin und tauchten bei den bereits vorhandenen Türken unter.

1970 gab es in Frankfurt am Main unter sogenannten Studenten aus Ghana das geflügelte Wort "I study to stay here!". Sie studierten trotz Frau und Kindern in Ghana und schlugen sich mit Hilfsarbeiten durch. So schufen sie Infrastrukturen, auf den weitere Einwanderer aufbauten.

Gleiches geschah mit hunderten weiterer Einwanderergruppen. In 2020 gibt es noch eine deutsche überalterte Minderheit in dieser Stadt, die aus allen Nähten platzt. In den achtziger Jahren wurden Mietshäuser in Eigentumswohnungen umgewandelt, um die alteingesessene Bevölkerung zu verdrängen.

Auch hier zeigt sich wieder, das die Lebensspanne eines Menschen fast zu kurz ist, die diese gesteuerten Veränderungen noch überblicken zu können. Die Flächen zwischen den umliegenden Dörfern wurden mit Wohn- und Gewerbeflächen zugepflastert. Die Pendler verstopfen morgens und abends die Straßen und öffentlichen Verkehrsmittel.

Das Dreieck aus Mainz und Wiesbaden, Hanau und Aschaffenburg, Frankfurt, Offenbach und Darmstadt ist ein einziger Ballungsraum geworden. Geblieben sind die Wälder und Flussauen, verschwunden sind viele landwirtschaftliche Nutzflächen.

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