01.02.2026

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Nahverkehr

Normalbetrieb ist zur Glückssache geworden

Kaum noch eine Berliner S- oder U-Bahn-Linie wird regulär befahren – Auch Anschläge tragen dazu bei

Frank Bücker
01.02.2026

Es gibt in Berlin kaum noch U- oder S-Bahn Strecken, die nicht zumindest temporär beeinträchtigt sind. Der „Berliner Kurier“ mutmaßt, dass die Störungen von Linksextremisten, namentlich der sogenannte Vulkangruppe, verursacht wurden. Michael Teich, Sprecher der Bundespolizei, schränkt jedoch ein: „Die Ermittlungen dauern an. Bislang gibt es keine Hinweise auf einen Anschlag.“

Die linksextreme Vulkangruppe hat in der Vergangenheit bereits mehrfach Anschläge auf die Berliner Infrastruktur verübt. Dass bei einem jüngsten Anschlag auf die S-Bahn ausgerechnet Glasfaserkabel zerstört wurden, die für Kupferdiebe völlig wertlos sind, nährt den Verdacht auf politisch motivierte Sabotage. Ersten Ermittlungen zufolge haben die Täter drei Signalkabel durchtrennt, mehrere Meter Kabel gestohlen und ein weiteres beschädigt.

Auch mussten dieser Tage mehrere Weichen repariert werden, was für weitere Verzögerungen im S-Bahn-Verkehr sorgte. Konkret ging es um witterungsbedingte Reparaturen an den Stationen Westkreuz, Grunewald und Teltow Stadt sowie an einer Weiche im Ostbahnhof und an einem Stellwerk in Schöneweide. Zwischen Gesundbrunnen und Nordbahnhof sind mehrere Signale beschädigt und müssen repariert werden. Fünf S-Bahnlinien haben zwischen Gesundbrunnen und Nordbahnhof „Schienenersatzverkehr“. Drei weitere Linien verkehren zwischen Warschauer Straße und Treptower Park nicht.

Auf der großen Verkehrsdrehscheibe Ringbahn (S41/S42) wird der Bahnhof Wedding nicht angefahren. Grund: In der Neujahrsnacht brannte das Aufsichtsgebäude vollständig aus. Es wird vermutet, dass Feuerwerkskörper gezielt in das Gebäude geworfen wurden. Die Flammen griffen auf das Bahnsteigdach über, die Statik musste geprüft werden. Erst Anfang Februar sollen die Ringlinien S41 und S42 dort wieder halten können – sofern das Wetter mitspielt. Die vollständige Sanierung zieht sich bis in den Frühling. Auch zwischen Ostkreuz und Neukölln fährt vorübergehend nichts mehr außer Ersatzbussen. In den kommenden Tagen soll der Schaden allerdings behoben sein.

Vor wenigen Tagen kreiste ein Hubschrauber der Bundespolizei weit über dem Berliner S-Bahn-Knoten Adlershof. Unten, an der Böschung der Gleise, erkannten Einsatzkräfte zwei Personen: weit genug weg von der nächsten Straße, um niemandem aufzufallen, nah genug an der Bahntechnik, um verdächtig zu sein. Kurz darauf nahmen Beamte einen Mann und eine Frau fest. Im Rucksack fanden sie Funkgeräte, einen Kanister mit Kraftstoff und Listen mit Polizei-Kennzeichen.

Die drängendste Frage bleibt bislang unbeantwortet: Warum wird die kritische Infrastruktur nicht besser geschützt? Die Antwort der Bahn klingt wie eine Kapitulationserklärung: Das Streckennetz umfasse 340 Kilometer, eine lückenlose Überwachung sei daher nicht machbar. Auch der Betrieb auf fünf von neun U-Bahn-Linien ist eingeschränkt, die Linie 4 wird mindestens bis Mai nicht befahren. Auf der Linie 6 fährt zwischen Alt-Tegel und Kurt-Schumacher-Platz kein Zug wegen Bauarbeiten. Ende offen.


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