22.07.2024

Preußische Allgemeine Zeitung Zeitung für Deutschland · Das Ostpreußenblatt · Pommersche Zeitung

Suchen und finden
Hell und freundlich: Neu gepflasterte Fläche im Königsberger Zentrum
Foto: J.T.Hell und freundlich: Neu gepflasterte Fläche im Königsberger Zentrum

Königsberg

Pflaster nach Berliner Vorbild

In der Pregelmetropole nutzt man historische Vorbilder – Bürger zeigen sich zufrieden

Jurij Tschernyschew
25.07.2023

Pflastersteine sind seit vielen Jahren ein fester Bestandteil der Verschönerung der Straßen in der Königsberger Innenstadt. Der ehemalige Bürgermeister Alexander Jaroschuk, der sich persönlich intensiv mit dem Thema befasst hatte, wies während seiner Amtszeit auf die triste und deprimierende Farbgebung der Königsberger gepflasterten Flächen hin, bei denen Grau überwog.

Nach einem Besuch in Japan schlug er vor, die Bürgersteige mit gelblichen Steinen zu belegen. Die Idee löste bei den Bürgern jedoch sehr gemischte Reaktionen aus. Schneematsch und Schmutz führten nämlich dazu, dass die Farbe des Pflasters an Exkremente erinnerte. Darüber machten sich sowohl Erwachsene als auch Kinder gerne lustig.

Eine bessere Alternative wurde in der Bundesrepublik gefunden. Zuletzt wurde in der Kniprode Straße [Teatralnaja ul.], nur wenige Gehminuten vom Gebäude der Stadtverwaltung entfernt, damit begonnen, helle, großformatige und in ungewöhnlicher Form arrangierte Platten zu verlegen. Zuvor hatten die Einwohner von Königsberg wiederholt an die Stadtverwaltung appelliert, das kaputte Pflaster in diesem Straßenabschnitt zu reparieren. Das neue Format des Pflastermusters wird laut Angaben der Stadtverwaltung „Berliner Muster“ genannt.

Mehr Licht und Raum
Dieses ist bislang im Königsberger Gebiet noch nie verwendet worden. Der Bürgersteig ist mit hellen, rauen Fliesen in Form von Rauten gepflastert. Dies vermittelt ein Gefühl von mehr Licht und Raum auf der Straße.

Im Allgemeinen sind Pflastersteine in Königsberg jedoch einer der am meisten beschädigten Gegenstände in der städtischen Landschaftsgestaltung, was unter den Bürgern für Diskussionen sorgt. Die Steine verfallen ständig, brechen, zerbröckeln und lösen sich schließlich in Wohlgefallen auf. Sie werden ersetzt, erneuert und wieder ersetzt. Gepflasterte Flächen in der Stadt müssen mit einer solchen Regelmäßigkeit repariert und ersetzt werden, dass die Kosten für ihre Instandhaltung exorbitant und schwer kalkulierbar sind.

Die Mittel für die Instandhaltung der Bürgersteige versickern sinnbildlich durch alle Ritzen zwischen eben diesen Steinen. Sogar der ehemalige Gouverneur Nikolaj Zukanow, der sich seinerzeit aktiv für den Erhalt der noch vorhandenen Vorkriegsbausubstanz eingesetzt hatte, sagte damals, dass bis zu zwei Drittel des Budgets für die Verlegung von Straßenpflaster und die Aufrechterhaltung von dessen Sicherheit ausgegeben würden und die Kosten in eine unbekannte Höhe trieben.

In der Vorkriegszeit kamen aus Berlin auch neue Standards für das Fliesendesign. Die häufigste Variante waren die sogenannte Friedrichstadtplatten. Sie entstanden in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts im Berliner Stadtteil Friedrichstadt. Die 35 mal 35 Zentimeter großen Platten aus betoniertem Granitschotter wurden diagonal verlegt. In der Diagonale maßen sie genau einen halben Meter und ließen sich an jede Situation anpassen. Dreiecksplatten und fünfeckige Steine bildeten den seitlichen Abschluss. Diese Art der Pflasterung war kostengünstig und praktisch.

Auf diese Methode der Gehweggestalltun hat man sich nun in Königsberg zurückbesonnen. Jaroschuk schlug vor, auf historische Stile und „Berliner“ Farben zu achten. Er war der Meinung, dass von der Verwendung grauer Platten Abstand genommen werden sollte: „Ich mag kein Grau. Mach es wie die Deutschen. Wir sollten etwas in Gelb oder, wie auf dem Deutschordensring [Gwardejskij Prospekt], in Weiß machen. Das sieht besser aus, und es macht Lust, zu leben.“

Offenbar werden nun immer mehr Straßen mit solchen Platten im Zentrum von Königsberg entstehen. Dies umso mehr, als die Bewohner es mögen und sich positiv darüber äußern.


Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Dann unterstützen Sie die PAZ gern mit einer

Anerkennungszahlung


Kommentar hinzufügen

Captcha Image

*Pflichtfelder

Da Kommentare manuell freigeschaltet werden müssen, erscheint Ihr Kommentar möglicherweise erst am folgenden Werktag. Sollte der Kommentar nach längerer Zeit nicht erscheinen, laden Sie bitte in Ihrem Browser diese Seite neu!

powered by webEdition CMS