26.01.2026

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Der EU sei dank

Polens Wirtschaft floriert – fast unbemerkt

Neben den EU-Fördergeldern trägt primär Deutschland als wichtigster Handelspartner stark zum Erfolg bei

Peter Entinger
26.01.2026

Die Republik Polen galt lange als wirtschaftliches Sorgenkind Europas. Heute ist davon kaum noch etwas zu spüren. Unbeachtet von der breiten Öffentlichkeit hat sich das Land zu einem der dynamischsten Wirtschaftsräume der Europäischen Union entwickelt. Mit einem Bruttoinlandsprodukt von rund 800 Milliarden Euro ist die Republik inzwischen die sechstgrößte Volkswirtschaft der EU. Beim nächsten G20-Gipfel wird das Land als Gast dabei sein und hofft darauf, in die Gruppe aufgenommen zu werden.

Nach einem schwachen Jahr 2023 zog das Wachstum 2024 wieder deutlich an, während viele westeuropäische Staaten stagnierten. Die Arbeitslosenquote liegt bei rund drei Prozent – das bedeutet faktisch Vollbeschäftigung. Der Aufschwung hat mehrere Ursachen. Ein zentraler Faktor ist die starke Binnennachfrage. Deutlich steigende Löhne, zuletzt teils im zweistelligen Prozentbereich, haben den privaten Konsum angekurbelt. Ein Ökonom bringt es auf den Punkt: Durch höhere Löhne wachse nicht nur der Lebensstandard, sondern auch die wirtschaftliche Stabilität. Polen habe sich vom klassischen Niedriglohnland zu einem dynamischen Wachstumsstandort entwickelt. Parallel dazu stieg die Produktivität seit Jahren spürbar, was die Wettbewerbsfähigkeit trotz steigender Kosten erhält.

Hinzu kommt eine außergewöhnlich erfolgreiche Exportwirtschaft. Polen hat sich als Produktionsstandort für Maschinenbau, Fahrzeugtechnik, Elektrotechnik und zunehmend auch für IT-Dienstleistungen etabliert. Wichtigster Handelspartner bleibt dabei Deutschland, zu dessen größten Lieferanten Polen inzwischen zählt. Internationale Konzerne investieren seit Jahren in polnische Werke – angelockt von vergleichsweise moderaten Löhnen, guter Ausbildung, stabilen Rahmenbedingungen und einer stetig modernisierten Infrastruktur. Diese ist zu großen Teilen das Ergebnis der EU-Mitgliedschaft. Seit 2004 flossen immense Fördermittel in Straßen, Schienen, Industrieparks und digitale Netze. Kaum ein anderes Land hat diese Gelder so konsequent genutzt. Das Ergebnis ist ein dichtes Netz logistischer Knotenpunkte, das Polen zu einem zentralen Produktions- und Transitland in Mitteleuropa macht.

Auch politisch wurde Wachstum lange bewusst stimuliert. Die Vorgängerregierung setzte auf expansive Sozialprogramme und massive staatliche Investitionen. Das erhöhte zwar Defizite, stabilisierte aber Konsum und Beschäftigung selbst in Krisenjahren. Die neue Regierung verfolgt nun einen stärker europäisch ausgerichteten Kurs, um blockierte EU-Mittel freizusetzen und das Vertrauen internationaler Investoren weiter zu stärken. Trotz aller Erfolge bleibt die Entwicklung nicht frei von Risiken. Der demografische Wandel trifft Polen besonders hart: Die Bevölkerung schrumpft und altert zusehends, der Fachkräftemangel wird zunehmend zum Bremsklotz. Zudem ist die starke Abhängigkeit von Exporten und vom deutschen Markt ein potenzielles Risiko. Doch bislang überwiegt das Positive. Polen zeigt, dass wirtschaftlicher Aufstieg auch im 21. Jahrhundert möglich ist – mit Investitionen, Produktivität und einem klaren Fokus auf Wachstum.


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