07.10.2022

Preußische Allgemeine Zeitung Zeitung für Deutschland · Das Ostpreußenblatt · Pommersche Zeitung

Suchen und finden

Verteidigung

Politiker fordert „Eisenkuppel“ für Berlin

Florian Hahn (CSU) schlägt Raketenabwehrsystem nach israelischem Vorbild vor

Norman Hanert
18.03.2022

Der Einmarsch russischer Truppen in die Ukraine treibt hierzulande Entwicklungen an, die vor wenigen Wochen noch als realitätsferne Gedankenspiele gegolten hätten. So hat der verteidigungspolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, Florian Hahn, nach israelischem Vorbild einen „Iron Dome“ (auf Deutsch: Eisenkuppel) gefordert, um die deutsche Hauptstadt vor russischen Raketen zu schützen. „Wir müssen uns in der Luftverteidigung neu aufstellen. Die russische Exklave Kaliningrad (Königsberg) platzt förmlich vor russischen konventionellen Raketen, die auf die NATO gerichtet sind“, so der CSU-Politiker.

Ob sich Berlin tatsächlich mit einem System nach dem israelischen Vorbild schützen lässt, ist fraglich. Aufgabe von Israels „Eisenkuppel“ ist es vor allem, relativ primitive Kurzstreckenraketen abzufangen, die von Gaza und dem Westjordanland abgeschossen werden. Bei den Raketen handelt es sich meist um Flugkörper, die von der militanten Palästinenserorganisation Hamas und der Miliz „Palästinensischer Islamischer Dschihad“ selbst gefertigt werden. Militärexperten gehen davon aus, dass die Produktionskosten der abgefeuerten Kurzstreckenraketen Marke Eigenbau bei wenigen hundert US-Dollar liegen.

Königsberg „platzt vor Raketen“

Auf der anderen Seite kostet die Abwehr der Raketenangriffe Israel viel Geld. Laut ZDF-Recherchen schlägt jede einzelne Abfangrakete mit etwa 50.000 US-Dollar zu Buche. Israels Militär verschießt bei den Angriffen aus dem Gaza-Gebiet und dem Westjordanland von den mobilen Anlagen teilweise mehrere Raketen gleichzeitig. Auch wegen der hohen Kosten des „Iron Dome“ arbeitet der staatliche Rüstungshersteller Rafael Advanced Defense Systems inzwischen an einem System, das anfliegende Kurzstreckenraketen per Laser ausschalten soll.

Das neue, „Iron Beam“ getaufte Projekt soll allerdings nicht nur die Kosten senken. Israels „Iron Dome“-System hat in mehr als zehn Jahren zwar erfolgreich mehr als 2500 Geschosse abgefangen. Allerdings liegt die Erfolgsquote trotz regelmäßiger Verbesserungen des Systems nach Angaben des Herstellers Rafael bislang nur bei 90 Prozent. Bei der Vielzahl palästinensischer Angriffe schaffen es damit immer wieder Raketen, den Schutzschirm zu durchdringen.

Berlin müsste zudem nicht vor primitiven Kurzstreckenraketen geschützt werden, sondern vor hochentwickelten Flugkörpern der allerneuesten Generation. Bestätigt ist, dass die russischen Streitkräfte seit 2018 im nördlichen Ostpreußen Iskander-M-Raketen stationiert haben. Diese lassen sich auch atomar bestücken und haben nach offiziellen russischen Angaben eine Reichweite von knapp 480 Kilometern. Die unweit von Insterburg stationierten Raketen können damit Berlin in kürzester Zeit erreichen.

Russland hat inzwischen zudem eine ganz neue Generation von Hyperschallraketen entwickelt, die sich derzeit kaum abfangen lassen. Im Februar wurde beispielsweise berichtet, dass die russische Luftwaffe mehrere MiG-31K in die Region um Königsberg verlegt habe. Dieser Flugzeugtyp ist bislang der einzige, der die Hyperschallrakete „Kinschal“ (zu Deutsch: Dolch) tragen kann. Einmal abgefeuert, fliegt die „Kinschal“ auf ihr Ziel mit bis zu zehnfacher Schallgeschwindigkeit zu. U-Boot-gestützte Raketen der russischen Marine erreichen sogar bis zu 20-fache Schallgeschwindigkeit.

Deutsche „Patriot“ sind veraltet

Wie zahlreiche andere NATO-Armeen arbeitet die Bundeswehr in der Raketenabwehr bislang mit dem System „Patriot“ des US-Herstellers Raytheon. Allerdings gelten die „Patriot“-Systeme der Bundeswehr inzwischen als veraltet. Das Unternehmen hat angeboten, sein Produkt für die Bundeswehr zu erweitern und an neue Bedrohungslagen anzupassen. In Konkurrenz bemüht sich die Airbus-Tochter MBDA bereits seit Jahren, als Ersatz für „Patriot“ ein neues Taktisches Luftverteidigungssystem an die Bundeswehr zu liefern. Nachdem der Haushaltsausschuss des Bundestages 2020 für das Projekt lediglich einen geringen Sockelbetrag vorgesehen hatte, galt das Vorhaben jedoch erst einmal als gescheitert.

Mit der Ankündigung von Bundeskanzler Olaf Scholz, für die Bundeswehr ein „Sondervermögen“ in Höhe von 100 Milliarden Euro bereitzustellen, könnten die Chancen für die MBDA, mit ihrem Angebot zum Zuge zu kommen, wieder gestiegen sein. Tatsächlich warnen Militärexperten, dass die Bundeswehr in der Luft- und Raketenabwehr mittlerweile ein erhebliches Problem habe.

Wie das Beispiel von Israels „Eisenkuppel“ zeigt, würde eine Modernisierung des Abwehrsystems die Gefahr von Raketenangriffen zwar verringern, aber nicht völlig ausschalten können. Im Fall der deutschen Metropole würde bereits eine einzige atomar bestückte Rakete, die den Schutzschirm durchdringt, ausreichen, um die Stadt komplett auszulöschen.



Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Dann unterstützen Sie die PAZ gern mit einer

Anerkennungszahlung


Kommentare

Johan Peters am 27.03.22, 15:27 Uhr

Daran merkt man schon, daß die nicht richtig im Kopf sind.
Die russischen Hyperschallraketen können mit keinem Abwehrschirm aufgehalten werden. Und die reichen genau bis nach Berlin. Berlin bleibt eine Reise wert.

Jan Kerzel am 22.03.22, 11:38 Uhr

Mit viel Geld soll die Verteidigungsfähigkeit erhöht, bzw. erst geschaffen werden. Was hat man in den letzten Jahrzehnten eigentlich mit dem nicht unerheblichen Betrag aus dem Verteidigungshaushalt gemacht? Man kann davon ausgehen, dass es mit dem eingespielten und vorhandenen Apparat wohl nichts werden wird. Eine Placebo-Operation im Hamsterrad. Wäre es nicht effizienter und wesentlich sinnvoller die gesamte Verteidigungsangelegenheit komplett in amerikanische Hände zu legen? Knowhow und Kontrolle obliegt ihnen sowieso. Die sogenannte Bundeswehr könnte man als reine Ergänzungseinheit unter Nato-Kommando beigehalten und mittelfristig verdünnen. Die Makro- und Mikroplanung , die Technik und das Personal würde man quasi von den USA leasen. Man wäre immer auf dem neusten Stand, müsste sich nicht jahraus und jahrein mit dem Gequatsche komplett inkompetenter Wichtigtuer (m/w/d) rumärgern und hätte erhebliche Ressourcen und Manpower frei im Kampf gegen CO2, gegen Rechts, gegen Pandemien, für Weltsozialamt und Multikulti, für den Frieden ohne Waffen und könnte voll entspannt vor sich hin gendern und die vielen Windradl in Ruhe aufstellen.

Valentina Selge am 20.03.22, 12:59 Uhr

Nachhaltige Energieversorgung, Klimaschutz, Aufforstung, Borkenkäferplagen durch Monokulturen sind die wirklich notwendigen Themen. Leider ist weltweit eine Politikergeneration an der Macht, die offenbar nicht genügend Abstand zum letzten Weltkrieg und zum kalten Krieg hat. Die jüngeren stehen sprachlos vor dieser Zeitreise in die Vergangenheit und sind verzweifelt über das mangelnde Interesse an der Zukunft eines gesunden Planeten Erde. Erschreckend ist, dass immer mehr hochqualifizierte Menschen auswandern und die Politik das nicht zum Anlass nimmt, zu reflektieren.
Alle Kriege wären ab sofort Geschichte, wenn weltweit alle Politiker und Lobbyisten über 65 sofort zurücktreten würden und den jüngeren Generationen eine Chance geben würden.

Berlin 59 am 18.03.22, 14:29 Uhr

Der Russe uns seine Wunderwaffen. Das sieht man in der Ukraine. Keine funktionierende Logistik, unverschlüsselte Kommunikation. Nach dem 6 Tagekrieg haben die Araber die Sowjets rausgeschmissen weil die Waffen Schrott waren. Den Assuan Staudamm hat dann der Ami weitergebaut. Ich denke wenn Putin auf den Roten Knopf drückt, gehen in Russland alle Rasensprenger o.ä. an. Hier werden die Russen nur wieder stark geredet, die linken hoffen auf die Überschallraketen ohne wirklich davon Ahnung zuhaben. Alles was man weiß, haben die Russen selbst verbreitet. Ihr armen Putinisten. Auf jeden fall sind die "normalen" Russischen Raketen in Ostpreußen schon eine sehr große Gefahr für uns.

Ralf Pöhling am 18.03.22, 14:27 Uhr

Ich bin kein Waffenlobbyist, habe keinerlei finanzielle oder berufliche Verbindung in die Rüstungsindustrie, arbeite aber selbst im Sicherheitsbereich. Man möge folgende Ausführungen deshalb nicht als Werbung für Firmen oder Waffensysteme missverstehen. Mir geht es nur um die nationale Sicherheit.

Was ist schneller als Kampfflugzeuge, Interkontinental- und sogar Hyperschallraketen? Richtig, Licht.
Genau genommen ist nichts schneller als Licht.
Erinnert sich noch jemand an SDI? Damit wollten die Amerikaner über mit Lasern bewaffnete Satelliten russische Atomraketen im Anflug abschießen und damit den Gegenschlag auf einen atomaren Erstschlag des Westens komplett verhindern. Meiner Ansicht nach war es genau dieses Konzept, was den Eisernen Vorhang und damit die Sowjetunion zum Einsturz brachte, da die Russen hier technologisch und finanziell nicht mehr mithalten konnten. Und das, obwohl SDI letztlich nicht realisiert worden ist, weil die Technologie damals noch nicht ausgereift war.
Heute ist das anders. Von dem Satellitenkonzept muss man sich wohl verabschieden, aber die lasergestützte Abwehr von Flugkörpern ist bereits Realität. Neben den Israelis bietet auch Rheinmetall so etwas zur Bekämpfung unbemannter Drohen an. Mit etwas mehr Dampf im Rücken, eignet sich dieses Konzept vermutlich auch für das Abfangen von Raketen. Und hier muss ich gerade an den Small Modular Reactor denken. Wenn man beides, also Laserabwehr + SMR in ein Konzept gießt, öffnet sich eventuell eine Tür zu einer militärischen Verteidigung, die eine irgendwie geartete Lufthoheit des Feindes über Deutschland, sei es mittels Flugzeug oder eben auch Raketen, zukünftig und für alle Zeiten ausschließen könnte.
Allerdings verhindert so ein Konzept natürlich nicht die Unterwanderung des Landes durch den Einsatz der Migrationswaffe. Aber das ist ein anderes Thema.

Siegfried Hermann am 18.03.22, 10:10 Uhr

Die Russen feuern ihre Raketen auch in Rudeltaktik, ähnlich wild weasel ab!
Das Patriot-System ist in den Anfängen auch mal eben 30 Jahre alt und gehört eigentlich ausrangiert.
Was die russische Neuentwicklungen so gefährlich machen lässt, sie fliegen nicht nur schneller als die Patriots, sondern können im Hyerschall (!!!) auch noch Lenkbewegungen ausführen und eigenständig Ziele ändern, gepaart mit Störern, eigene Abwehrraketen und eine Treffergenauigkeit von 5 m (!!) auf
2000 Km hat man quasi eine Druchbruchsqoute von 98%.
Nebenbei: Die Dinger sind MOBIL! Und fahren im Konfliktfall irgendwo in den Masurischen Wälder rum. Selbst mit neuster Satelitentechnik kaum auffindbar.

Wie hält man die Dinger auf???
Seit 30 Jahren wird an Railguns und Laserwaffen geforscht und natürlich getestet.... bisher offiziell mit solala-Ergebnissen.
Die Railguns sollen bis 200 Km Ziele bekämpfen können. Vermutlich eher 50-100 Km. Die Laserwaffen sind auf kurze Distanzen und kleinen Flugkörpern optimiert und brauchen quasi ein kleines sofort-Energie-Kraftwerk für die Unmengen an Energie, die sie beim Ballern brauchen. Und das ist der Pferdefuß!...noch.
Die Trefferquote hängst stark von der Leistungsfähigkeit des Feuerleitsystem ab. Beides ist gemein, dass sie sehr groß und monströs sind und eigentlich nur auf größere Schiffe min. 5000-8000 BRT Sinn machen, heißt heutige Zerstörer-Klasse wie die Zumwalt, Airleigh-Burke, oder unsere F-125 oder das neue anvisierte MKS 180 "Allzweckschiff" der Bundesmarine. Wann die Dinger wirklich fertig und einsatzbereit werden und was dann tatsächlich (!!9 installiert wird weiß nur James Bond.
Fazit:
Wie General Mais treffend sagte: Wir sind blank! Und das in jeder Hinsicht!
Was wir brauchen ist ein normales Verhältnis zu Russland und nicht so eine dollpatschige Büllerbü-Trampolin- Außenminster*Innen s/l/d, die den Atomkrieg mit Plüschtier werfen gewinnen will.

Micha . am 18.03.22, 00:56 Uhr

Die ballistischen Iskander-Raketen haben übrigens einen Störsender an Bord, der exakt auf die Frequenzen des „Patriot“-System abgestimmt ist. Der Aufbau des teuren Systems ist also Unsinn und nutzt nur der amerikan. Rüstungsindustrie.

Kommentar hinzufügen

Captcha Image

*Pflichtfelder

Da Kommentare manuell freigeschaltet werden müssen, erscheint Ihr Kommentar möglicherweise erst am folgenden Werktag. Sollte der Kommentar nach längerer Zeit nicht erscheinen, laden Sie bitte in Ihrem Browser diese Seite neu!