23.10.2021

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Erweckte besonders bei den kleinen Gästen Aufmerksamkeit: Ein Töpfer bei der Arbeit
Foto: D.K.Erweckte besonders bei den kleinen Gästen Aufmerksamkeit: Ein Töpfer bei der Arbeit

Mittelalter in Allenstein

„Preußen aus dem Dorf Sundythen“

Ein Festival im Stadtwald führte den Besuchern das Leben der untergegangenen Siedlung am Wadangfluss vor Augen

Dawid Kazanski
06.10.2021

Jeder, der sich für Allenstein interessiert, stellt sich wohl die Frage nach der Lebensweise der Vorfahren. Wie lebten die Menschen in der frühmittelalterlichen befestigten Wallburganlage? Womit verdienten sie ihren Lebensunterhalt? Was waren ihre Essgewohnheiten? Und wie gestalteten sie ihre Freizeit? All das konnte man während des historischen Festivals „Preußen aus dem Dorf Sundythen“ erfahren, das im Allensteiner Stadtwald stattfand.

Das kulturhistorische Festival war eine Veranstaltung, die einen Rückblick in die Vergangenheit erlaubte. Die Veranstaltungsreihe war in vier Teile gegliedert, von denen der letzte in der zweiten Septemberwoche durchgeführt wurde.
Sundythen ist der Name eines Dorfes, das einst auf dem Gebiet des heutigen Stadtwaldes lag. Die Ansiedlung befand sich am rechten Ufer der Alle, einen Kilometer südlich der Mündung der Wadang. Die Lage der Siedlung in einer Flussbiegung auf einer hoch gelegenen Halbinsel schuf hervorragende Verteidigungsbedingungen.

Auslöser archäologische Funde

„Das Dorf ging während der Pest, die zu Beginn des 18. Jahrhunderts in Preußen wütete, zugrunde und bald erinnerte sich kaum noch jemand daran. In der Volksüberlieferung erhalten blieb jedoch die Erinnerung an eine verwunschene Burg in der Nähe, wo die Wadang in die Alle mündet.

Die Geschichte der Wallanlage sowie die Abenteuer ihrer Helden und teils finsteren Charakteren wurden an Winterabenden bei brennenden Kerzen in den warmen Hütten erzählt“, liest man auf der von regionalen Geschichtsliebhabern eingerichteten Internetseite sundythen.wordpress.com.

Vor 15 Jahren wurden auf diesem Gebiet beim Pflügen des Waldes zahlreiche archäologische Funde entdeckt. Dies war der Auslöser für eine Reihe von Untersuchungen, die zum Teil recht aufsehenerregend waren. Im Laufe der Jahre gruben Wissenschaftler mehr als 20 arabische Münzen aus.

Die ehemalige befestigte Ansiedlung ist heute ein Ort für kulturelle Veranstaltungen. Das Festival der mittelalterlichen Geschichte und Kultur „Preußen aus dem Dorf Sundythen“ ist eine Initiative der wissenschaftlichen Gesellschaft Pruthenia im Rahmen des Projekts Baltische Odyssee, das mit E'U-Mitteln finanziert wird.

Die diesjährige Ausgabe des Festivals war recht ungewöhnlich. Ursprünglich waren zwei Tage mit verschiedenen Werkstätten, Spielen und mittelalterlichen Kampfvorführungen geplant, aber die COVID-bedingte Situation führte dazu, dass das Festival auf vier Wochen aufgeteilt wurde, um eine Massenveranstaltung zu vermeiden.

Jedes Wochenende stand unter einem anderen Motto. Zahlreiche Arbeitsgruppen und Vorführungen brachten den Teilnehmern den Alltag in der mittelalterlichen preußischen Siedlung näher. Die am Leben der Stämme in früheren Zeiten Interessierten konnten sich beispielsweise an Kocharbeitsgruppen beteiligen. Ihr Ziel war es, mit eigenen Händen Brot zu backen. Die Teilnehmer lernten den gesamten Prozess von der Saat bis zum Gebäck kennen: Zuerst musste das Mehl aus den Körnern hergestellt und dann gesiebt werden. An einem Stand wurden aus dem Mehl unter Zugabe von Wasser, Mohn, Preiselbeeren und Haselnüssen Fladenbrote zubereitet.

Einige fertigten mittelalterliche Imbisse an, andere erforschten die Geheimnisse der Archäologie unter der Anleitung eines Wissenschaftlers der Universität Ermland-Masuren. Es waren zwei Sandgruben angelegt worden. Eine davon war für kleine Kinder gedacht, die spielerisch die zuvor vergrabenen Münzen entdeckten. Die Kinder benutzten zu diesem Zweck Sonden.

Ältere Kinder und Jugendliche arbeiteten nach der Methodik der archäologischen Forschung. Das Modell eines Grabes aus der frühen Eisenzeit wurde in der vorbereiteten archäologischen Stätte angelegt. Die Teilnehmer der archäologischen Arbeitsgruppen erhielten eine Übersichtskarte, nahmen Messungen vor und gruben die Stätte systematisch und methodisch aus.

Wissenswertes über Bernstein

Am letzten Wochenende des Festivals stattete der Bernsteinspezialist Eryk Popkiewicz Sundythen einen Besuch ab. Er rekonstruierte die Werkstatt eines mittelalterlichen Bernsteinhandwerkers. Der Spezialist sprach über die Verwendung von Bernstein im Laufe der Jahrhunderte, über Bernsteinschmuck und weihte die Besucher in die Geheimnisse der Verarbeitung dieses Rohstoffs ein.

Zu den Attraktionen gehörten auch Töpfervorführungen und das Erlernen der Herstellung von Gefäßen aus Ton, Arbeitsgruppen für mittelalterliche Tänze sowie eine Präsentation der Besonderheiten des mittelalterlichen Bierbrauens. Es wurde auch gezeigt, wie ein Schmied damals arbeitete, und in den Pausen konnte man sich die Vorführung ritterlicher Kämpfe ansehen.

Die Organisatoren des historischen Festes waren von den großen Besucherzahlen überrascht. Wie die Ideengeber des Projekts betonten, beteiligten sich die Teilnehmer mit großer Begeisterung an den handwerklichen Tätigkeiten. Ihrer Meinung nach machen die Treffen im Dorf Sundythen nicht nur Spaß, sondern bieten auch die Möglichkeit, wertvolles Wissen zu vermitteln. Die Erforschung der eigenen Wurzeln und der Geschichte des Ortes, an dem man lebt, helfe uns zu verstehen, wer wir sind.



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