27.09.2021

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In der Sausenhofener Scheune: Gastgeber Heike Klischat (l.) und Ralf Loos (2. v.r.) sowie Jürgen Danowski (r.) begrüßen die Gäste
Foto: R.L.In der Sausenhofener Scheune: Gastgeber Heike Klischat (l.) und Ralf Loos (2. v.r.) sowie Jürgen Danowski (r.) begrüßen die Gäste

1. Sausenhofener Musiktag

Preußische Musikgeschichte in Mittelfranken

Stücke von Händel und Bach – Die LOW-Landesgruppe Bayern kam in einer festlich geschmückten Scheune zusammen

Ralf Loos
07.08.2021

Trotz der unsicheren Corona-Lage wurde der 18. Juli als Tag des Wiedersehens der Landsmannschaft bestimmt, und als Ort die Festscheune der Familie Loos in dem beschaulichen mittelfränkischen Dorf Sausenhofen. Eingeladen wurde somit zum 1. Sausenhofener Musiktag.

Zu diesem besonderen Anlass wehte in Sausenhofen, das bis März 1806 zu Preußen gehörte, die Preußische Flagge. Und so konnte Jürgen Danowski, der Landeskulturreferent des Landesverbandes der LOW Bayern, nicht nur die Mitglieder seiner Gruppe, sondern auch zahlreiche Gäste begrüßen. Ebenfalls anwesend waren viele Schwestern der Hensholtshöhe, deren Ursprung in Westpreußen liegt.

Danowski eröffnete in der festlich geschmückten Scheune den 1. Sausenhofener Musiktag mit der Begrüßung der Ehrengäste, unter denen sich der ehemalige Bundesminister Carl-Dieter Spranger mit Frau befanden, sowie der Schatzmeister des Bundesverbandes der Landsmannschaft Ostpreußen, Friedrich Wilhelm Böld nebst Frau, und Klaus Weigelt, der Vorsitzende der Stadtgemeinschaft Königsberg e.V.

Der 1. Vorsitzende der Gesellschaft der Freunde des Albrecht von Brandenburg-Ansbach, Ralf Loos, stellte in kurzen Worten die Geschichte des Dreiseithofes vor, den er und seine Frau im Jahr 2008 erwarben und bis zu dem Einzug im Sommer 2014 renovierten.

Schon bei der ersten Besichtigung des Anwesens keimte in ihm der Gedanke aus dieser Scheune eine Kulturscheune zu machen. „Unser Wohnhaus gegenüber der Scheune steht nachweislich seit 1581 – ein Bauabschnitt, der noch nicht untersucht ist, könnte nochmal 100 Jahre älter sein. Ein jeder Komponist, dessen Musik wir heute hören werden - hätte er Sausenhofen besucht - hätte in diesem Haus einkehren können“, betonte Loos, und leitete damit zum Thema des Nachmittags über: Eine musikalische Reise nach Preußen. Der Hausherr war nicht nur Gastgeber, sondern zugleich Moderator der Musikveranstaltung, und stellte mit sichtbarer Freude und Stolz die aus Gunzenhausen stammende Musikerfamilie Pfahler vor.

Musikerfamilie Pfahler

Max Pfahler, am Klavier, ist Oberstudienrat am Simon-Marius-Gymnasium in Gunzenhausen, und wurde begleitet von seiner Frau Almut und deren Tochter Christina und einer guten Freundin der Familie, Kristina Schmid, alle Violine.

Loos betonte, dass so wie einst die Familie Bach in dem kleinen Wechmar in Thüringen sich anschickte, eine Großfamilie zu werden, in der nahezu jedes Familienmitglied Musiker und Komponist werden sollte, nun gleiches vor unser aller Augen geschieht, denn sämtliche Familienmitglieder der Pfahlers sind gefragte Musiker. Alle Kinder von Almut und Max Pfahler spielen mindestens zwei Instrumente. Ein Sohn, Sebastian, wurde bereits im Alter von 18 Jahren Organist. Anne-Marie, die älteste Tochter, ist eine renommierte und gefragte Sopranistin. „Ohne Übertreibung kann man heute schon von der Musikerfamilie Pfahler sprechen. Obendrein ist ein Bezug zu Preußen gegeben, denn Almuts Vater stammte aus Westpreußen“, so Loos.

Auf dem Programm standen zwei große und bekannte Komponisten, nämlich Johann Sebastian Bach und Georg Friedrich Händel. Beide gehören zu den größten Komponisten des Barock und obwohl beide sich nie begegnet sind, verbinden sie einige Gemeinsamkeiten. Das beginnt mit dem gleichen Geburtsjahr 1685, keine 40 Jahre nach dem Ende des 30-jährigen Krieges. Auch ihre Geburtsorte lagen nicht weit auseinander: Bach wurde am Fuße der Wartburg im thüringischen Eisenach und Händel im sachsen-anhaltinischen Halle unweit von Leipzig geboren. Die beiden Orte liegen zirka 150 Kilometer Luftlinie auseinander.

Bachs „Nähe“ zu Preußen erschließt sich gleich mehrfach, war doch zum einen Bachs Sohn Carl Philipp Emanuel als Hofmusiker am Hofe Friedrich des Großen tätig, zum anderen kam es im Mai 1747 zur persönlichen Begegnung und gemeinsamen Musizieren von Bach und Friedrich dem Großen.

Bei Georg Friedrich Händel jedoch, von dem man weiß, dass er den Großteil seines Lebens in England und London verbrachte, bedurfte der Nähebezug zu Preußen einer Erläuterung. Das musikalische Genie des jungen Händel wurde frühzeitig entdeckt. Der Großvater, von Friedrich dem Großen, Kurfürst Friedrich III., der spätere Friedrich I von Preußen, war vom Können des Zwölfjährigen so beeindruckt, dass er Händels Vater anbot, dem Sohn eine Musikerausbildung in Italien zu finanzieren und ihm nach erfolgreicher Absolvierung eine Anstellung am Berliner Hof zu verschaffen. Händels Vater nahm jedoch das kurfürstliche Angebot nicht an.

Aber nicht nur der Großvater von Friedrich dem Großen, sondern auch der Vater von Friedrich dem Großen, der als Soldatenkönig bekannt wurde, war ein außerordentlicher Bewunderer der Kompositionen Händels, und sein Sohn Friedrich der Große ebenfalls.

Auch für die Mittelfranken gibt es zu Georg Friedrich Händel einen besonderen Bezug, den der Gastgeber den Zuhörern darlegte, denn Händel hatte in der Ansbacher Markgräfin Caroline von Brandenburg-Ansbach eine große Bewunderin und Mäzenin, ja sie „folgte“ Händel nach England, als sie König George II. heiratete und nach dessen Tod Königin von Großbritannien wurde. Die Markgräfin und spätere Queen Caroline und Händel verband eine enge Freundschaft. Als sie 1737 starb, komponierte Händel eine Trauerode HWV 264 zu ihren Ehren.

Bezug zu Ansbach

Nach diesen Erläuterungen begann das Pfahler Ensemble den musikalischen Part mit der Ankunft der Königin von Saba – ein Stück aus dem Oratorium Salomon, gefolgt von einem Stück aus dem dritten Konzert der Brandenburgischen Konzerte.
Das darauffolgende Musikstück kündigte der Moderator mit folgenden Worten an: „Von allen, heute und hier gespielten Stücken ist keines für uns Anwesende so bedeutsam, wie dieses Musikstück, denn der Text dieses Stückes stammt aus der Feder eines Mittel-Franken, eines gebürtigen Ansbachers. Dieser Ansbacher war Markgraf Albrecht von Brandenburg-Ansbach. Er gründete vor nun fast 500 Jahren Preußen und damit das erste protestantische Herzogtum auf diesen Planeten. Zu den weiteren Darbietungen gehörte eine Gavotte Bachs. Nach der Pause wurde der von Friedrich dem Großen komponierte Königsmarsch gespielt. Gefolgt von dem Musikstück, das als Folge der Begegnung von Friedrich dem Großen und Johann Sebastian Bach am 7. Mai 1747 am Hofe im Potsdamer Stadtschloss Musikgeschichte schreiben sollte.

Offiziell beschlossen wurde der musikalische Nachmittag mit dem 1. Satz des Cembalokonzert in D-dur von Johann Sebastian Bach nach einer Bearbeitung von Max Pfahler. Da sowohl Danowski, wie auch das Publikum um eine Zugabe baten, wurde noch das Stück: Nun danket alle Gott gespielt.



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