04.07.2022

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Relikte aus alter Zeit, deren genaue Fundorte aus Sorge vor Souvenirjägern geheim gehalten werden: Kanaldeckel aus Königsberg
Foto: ReithRelikte aus alter Zeit, deren genaue Fundorte aus Sorge vor Souvenirjägern geheim gehalten werden: Kanaldeckel aus Königsberg

Ostpreußen

Relikte aus der Vergangenheit

Wer genau hinsieht, kann sie noch in ostpreußischen Städten entdecken: Gullydeckel aus der Vorkriegszeit

Wolfgang Reith
19.06.2022

Als wir 1993 mit einem Busunternehmen erstmals in unsere Heimat Ostpreußen fuhren, lag der Schwerpunkt der Reise auf Königsberg. Gleich bei der ersten Stadtführung entdeckte ich ganz zufällig einen alten deutschen Kanaldeckel mit der Aufschrift „Königsberg Pr.“. Ich behielt den Fund für mich und beschloss, später allein an den Ort zurückzukehren, um die Entdeckung zu fotografieren, was ich dann auch tat.

Weil ich bei meinem Rundgang mehrere Stunden unterwegs war, trat ich den Rückweg zum Hotel per Taxi an. Während der Fahrt kam ich mit dem Fahrer ins Gespräch, und als ich ihm erzählte, dass ich auf historischer Spurensuche in der Stadt unterwegs sei, sagte er, dann könne er mir noch etwas ganz Besonderes zeigen, falls ich etwas Zeit hätte.

Ich willigte gerne ein, fragte aber noch, was er mir denn zeigen wolle. Er antwortete, er würde mich jetzt zu einem alten deutschen Kanaldeckel fahren, etwas, wovon bisher wohl kein Tourist Kenntnis hätte. Ich sagte ihm, dass ich einen solchen bereits gefunden und fotografiert hätte, was er nicht glauben wollte und mich deshalb bat, ihm den Fundort zu beschreiben. Dies tat ich während der Fahrt, und als wir uns der Stelle näherten, verwies ich auf den Kanaldeckel vor uns auf der Straße.

Ungläubiges Staunen, und dann die Bemerkung, ich sei der erste Deutsche, den er treffe, der schon sein „Geheimnis“ entdeckt hätte, was er zunächst gar nicht glauben wollte. Gleichwohl bedankte ich mich bei ihm und gab ihm nach der Rückkehr zum Hotel ein erhöhtes Trinkgeld für seine besondere Tour. Immerhin muss dabei berücksichtigt werden, dass zum damaligen Zeitpunkt das Königsberger Gebiet gerade mal erst seit zwei Jahren für den Tourismus geöffnet und deshalb die Zahl der Besucher bis dahin also auch noch überschaubar war.

Nach zwei weiteren Busreisen fuhren wir ab 1998 in der Regel mit dem eigenen Wagen nach Ostpreußen, wobei wir uns schwerpunktmäßig auf unsere beiden Heimatorte Rastenburg und Lötzen, aber auch auf das übrige südliche Ostpreußen konzentrierten. In die nördlichen Landesteile fuhren wir noch einige Male mit dem Bus, so etwa zur 750-Jahr-Feier Königsbergs 2005.

Kanaldeckel als Souvenir

Mehr oder weniger zufällig entdeckte ich bald einen weiteren alten deutschen Kanaldeckel mit der Aufschrift „Allenstein“. Dies war zugleich Anlass für mich, immer wieder die Augen offenzuhalten nach solchen Relikten – und tatsächlich fand ich in den folgenden Jahren vertraute, aber auch bislang unbekannte Kanaldeckel aus der deutschen Vergangenheit, welche die Zeiten überdauert hatten.

Nur selten stimmen dabei die Ortsangaben auf den Kanaldeckeln mit den tatsächlichen Fundorten überein. Ein polnischer Freund, vor dessen Haus sich ebenfalls ein solcher Deckel befindet, bat uns schon vor vielen Jahren, ich möge die Fundstellen auf jeden Fall für mich behalten – was ich dann auch beherzigt habe –, denn leider gebe es immer wieder vor allem deutsche Touristen, die mit dem eigenen Wagen anreisten und auf der Rückreise einen solchen Kanaldeckel als „Souvenir“ im Kofferraum mitnähmen, den sie in einer „Nacht- und Nebel-Aktion“ dem Straßenpflaster entnommen hätten. Dabei sei es schon vorgekommen, dass anschließend ahnungslose Autofahrer, wenn sie die „Löcher“ passierten, in gefährliche Situationen verwickelt worden seien.

Ich habe deshalb auch später, selbst wenn ich von Ostpreußen, denen ich meine Fotos zeigte, gebeten wurde, ihnen die Fundorte zu nennen, keine Informationen weitergegeben, muss aber leider feststellen, dass man inzwischen im Internet relativ genau danach recherchieren kann, was vermutlich dazu führen wird, dass sich die Zahl dieser historisch interessanten Relikte bald weiter reduzieren dürfte. Schade – aber wenigstens kann man sich dann noch an den Bildern erfreuen.



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