17.04.2024

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Ostpreußische Provinzial-Besserungs- und Landarmenanstalt: Burg Tapiau
Foto: Bildarchiv OstpreussenOstpreußische Provinzial-Besserungs- und Landarmenanstalt: Burg Tapiau

Helene Voigt

Roman- und Kinderbuchautorin mit schlesischen Wurzeln

Von 1892 bis 1923 lebte und arbeitete die vor 100 Jahren als Adelige Geborene mit ihrem bürgerlichen Ehemann in Tapiau

Martin Stolzenau
18.03.2024

In Görlitz lebten in der jüngeren Geschichte zahlreiche Schriftsteller, die in der Stadt geboren wurden oder längere Zeit dort wirkten, darunter auch Helene Voigt, die aus einem Adelsgeschlecht stammte und als Schriftstellerin Novellen, Romane, Sagen und Kinderbücher verfasste. Sie erreichte mit ihrer Prosa in Görlitz sowie Tapiau in Ostpreußen überregionale Nachwirkung, sodass sie in zahlreichen Literatur-Lexika bis zum Ende des
20. Jahrhunderts gewürdigt wurde.

Voigt wurde am 21. August 1857 als Helene Louise Julie von Ziegler und Klipphausen in Bischdorf geboren. Ihr Geburtsort liegt in Oberschlesien etwa acht Kilometer nordöstlich von Rosenberg. Die Mutter war eine geborene Gräfin Louise von Pückler-Limpurg. Die Adelsfamilie Pückler ist seit dem frühen 13. Jahrhundert nachgewiesen. Sie trat mit dem Kauf von Blumenthal im Fürstentum Neiße 1365 erstmals besitzmäßig hervor und teilte sich 1690 in eine ältere fränkische und eine jüngere schlesische Linie.

Der schlesische Zweig erwarb 1784 durch Heirat die Standesherrschaft Muskau und hatte in Fürst Hermann von Pückler-Muskau, dem berühmten Landschaftsarchitekten, Orientreisenden und Schriftsteller, ihren international bekanntesten Vertreter. Damit war die Schriftstellerin Helene Voigt über ihre Mutter mit dem berühmten Landschaftskünstler verwandt. Ihr Vater gehörte zur Adelsfamilie von Ziegler und Klipphausen, die ihren ersten bekannten Vertreter mit Winandus Zigeler hatte, der im Februar 1324 in einer Dresdner Urkunde als Ratsherr und Schöppe genannt wurde. Dessen Nachfahren erlangten das Münzmeisteramt zu Freiberg, kamen durch Geldverleih zu Reichtum und gehörten im 15. Jahrhundert zum Adel in der Markgrafschaft von Meißen. Ein Familienmitglied ließ sich als Stiftshauptmann von Wurzen auf seinem Besitz Klein-Röhrsdorf ein spätgotisches Schloss erbauen, das er Klipphausen nannte. Seine Nachkommen führten fortan den Namen von Ziegler und Klipphausen und teilten sich ebenfalls in mehrere Zweige. Der preußisch-schlesische Zweig breitete sich mit Besitz bei Oppeln aus, wo der Vater als königlich-preußischer Oberförster fungierte und Tochter Helene aufwuchs. Dann wurde Helene zu Verwandten in Görlitz gegeben.

Wirkungsorte Görlitz und Tapiau
Es begannen für sie prägende Jahre. Voigt erlangte eine umfangreiche Bildung, entwickelte eine besondere Neigung zur Literatur und trat ab 1886 mit eigener Prosa an die Öffentlichkeit. Hier lernte sie den preußischen Rittmeister Paul Voigt kennen. Der Offizier hatte zwar keine adelige Herkunft, tolerierte aber ihre literarischen Interessen und konnte Helene für sich gewinnen.

Nach der Heirat des Paares 1892 wechselte die Familie Voigt nach Tapiau in Ostpreußen. Paul Voigt leitete dort die „Ostpreußische Provinzial-Besserungs- und Landarmenanstalt“. Das war eine bescheidene Stellung mit einem bescheidenen Einkommen. Dazu kamen die Honorare, die Helene Voigt mit ihrer Schriftstellerei beisteuerte.

Aus der schlesischen Autorin war eine ostpreußische Autorin geworden. Sie verwendete außer ihrem Geburtsnamen als Autorin mit Bezug zu ihrer Mutter die Pseudonyme Hella und Francesca von Limpurg. Das Ehepaar Voigt verkehrte mit einigen bildungsinteressierten Vertretern der Stadt und Region. Beide überlebten die Aufregungen am Anfang des Ersten Weltkrieges an der russischen Grenze. Paul Voigt starb 1923. Die Witwe hielt nichts mehr in Tapiau. Sie kehrte zurück nach Görlitz, wo ihre verwitwete Schwester Victoria Tschoertner lebte. An deren Seite verbrachte sie noch ein Jahr, ehe sie am 11. März 1924 in der Neißestadt verstarb, in der sie inzwischen eine Unbekannte ist.


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