24.01.2026

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Der Wochenrückblick

Rotbraunes Geschrei

Wo beim links-linken Radau von Leipzig eigentlich beide recht hatten, und wie „Wahrheit“ gemacht wird

Hans Heckel
24.01.2026

Haben Sie auch die Bilder aus Leipzig gesehen, wo sich zwei Haufen von Linksextremisten stundenlang gegenseitig anbrüllten wegen ihrer unterschiedlichen Meinungen zum Nahost-Konflikt? Seien wir ehrlich: Man musste schon sehr an sich halten, um seine Häme im Zaum zu halten, auch wenn diese Regung einem selbst – zugegeben – ziemlich billig und oberflächlich vorkam.

Denn selbst wenn sich der ganze Hass, den diese Typen in ihren Köpfen und Herzen aufgestapelt haben, nun gegen (eigentlich) ihresgleichen richtete, so blieb er doch nicht minder erschreckend. Weil ihnen offenbar gar nichts anderes mehr einfällt, übergossen sie sich gegenseitig mit dem Vorwurf, „Nazi“ oder „Faschist“ zu sein.

„Nazi“? Nun ja, einerseits geht solchen Leuten dieser Vorwurf leichter über die Lippen als dem Normaldeutschen ein simples „Guten Morgen“, weshalb wir das nicht überbewerten wollen. Andererseits rumoren in beiden Lagern aber tatsächlich interessante Anleihen an braunes Gedankengut, die es lohnen, näher betrachtet zu werden. Da waren einmal die sich selbst so nennenden „Antideutschen“, die in der sächsischen Stadt vorgaben, für Israel und die Rechte der Juden auf die Straßen zu gehen. Da sticht die Frage ins Auge: Warum in aller Welt muss man sich für solch eine Parteinahme als „antideutsch“ positionieren? Welche Bewegung des 20. Jahrhunderts war es noch gleich, welche die Lüge in die Welt gesetzt hat, dass „pro-deutsch“ und „pro-jüdisch“ einen unaufhebbaren Gegensatz bilden? Und dass man für die einen nur sein kann, wenn man strikt gegen die anderen auftritt? Na? Sie kennen die Antwort.

Die anderen Linksextremen wiederum, die sich vermeintlich für die Palästinenser ins Zeug legen, geifern gegen Israel in einer rabiaten Aggressivität und Lügenhaftigkeit, die sich vom ganz ordinären Judenhass selbst mit sehr viel Wohlwollen nicht unterscheiden lässt. Auch das ist keine Neuerscheinung in der deutschen Ideologiegeschichte.

Mit ihren gegenseitigen „Nazi“-Vorwürfen lagen beide linksextremen Gruppen also gar nicht so daneben, wie es zunächst scheinen mochte. Im Grunde könnten sie sich die Hand reichen und sich wechselseitig recht geben. Trost spendet diese Einsicht allerdings auch nur bedingt, denn so gesehen wirken die beiden dunkelroten Lager sogar noch ein bisschen gruseliger als ohnehin. Als gemeinsames Symbol dieser bizarren Eintracht empfehlen wir das Hufeisen, das überdies in seiner Symbolik kenntlich macht, wer noch alles dazustoßen könnte.

Das wären dann allerdings welche, bei denen Wörter wie „Nazi“ oder „Faschist“ gar keinen Vorwurf ausdrücken, sondern als Selbstbezeichnung kursieren. Doch bei dem geistigen Elend, das sich da in Leipzig ausgetobt hat, dürfte das kaum noch eine Rolle spielen.

Der maßlose Hass, mit dem dort die beiden linken Gruppen aufeinander eingekläfft haben, schöpft aus einer besonders trüben Quelle. Viele der Krakeeler träumen nämlich von einer Welt, in der andere Meinungen als die eigene verboten sind und bestraft gehören. Daher ihre Fassungslosigkeit darüber, dass sogar „Genossen“ es sich herausnehmen, Abweichendes zu äußern.

Mit ihrer Sehnsucht nach Verboten bewegen sich die Extremisten ganz im Trend der Zeit, denn der Widerwille gegen das Ertragen von Andersdenkerei hat sich längst tief in die politische Mitte hineingefressen. Nur will man das dort nicht so frank und frei zugeben. Zumindest noch nicht, weshalb der schleswig-holsteinische Ministerpräsident Daniel Günther emsig bemüht ist, seine Maske wieder zurechtzurücken, die er bei Markus Lanz so fahrlässig verrutschen ließ.

Im Lanz-Günther-Gespinst
Das hatten wir uns vergangene Woche schon angeguckt. Aber da konnten wir noch nicht ahnen, in welch absurdes Theater das alles noch abgleiten würde. Nunmehr versuchen Journalist Lanz und CDU-Mann Günther mit Inbrunst, als „Fake News“ zu verdammen, was jeder von uns in der ZDF-Mediathek mit eigenen Augen sehen kann.

Nämlich, dass Günther und Lanz sehr wohl über Netzmedien wie „Nius.de“ gesprochen haben, als der Ministerpräsident die Frage mit „Ja“ beantwortete, ob man mehr „regulieren“, „zensieren“ und „im Ernstfall verbieten“ müsse. Angeblich, so die Lesart, soll Günther das nur im Hinblick auf den Social-Media-Konsum von unter 16-Jährigen gemeint haben. Hat er aber nicht. Kann, wie gesagt, jeder sehen. Wenn's beliebt, auch noch mal und noch mal.

Da kratzt man sich am Nacken: Was soll die Abstreiterei? Sollen wir uns daran gewöhnen, nicht mehr dem zu vertrauen, was wir zweifelsfrei sehen können? Sondern nur noch einer von oben dekretierten Sichtweise, auch wenn die mit der beobachteten Wirklichkeit nichts gemein hat?

Scheint so, und ist so neu nun auch wieder nicht. Letztlich haben wir uns längst damit abgefunden, dass es zwei streng von einender zu trennende Wirklichkeiten gibt. Die eine, die wir sehen und erleben. Und die andere, die wir gefälligst zu glauben haben. In Medien, die sich voller Stolz als „seriös“ bezeichnen, kursiert das Selbsterlebte und -gesehene unter „Fake News“ oder „Desinformation“ und das andere unter „Wahrheit“.

Nehmen wir nur die „Stadtbild“-Debatte. Da zwängen wir uns seit Jahren durch Panzersperren auf Weihnachtsmärkte, trauen sich Frauen in immer größeren Arealen unserer Städte nachts kaum noch raus und pflastern Meldungen von Messer- oder Auto-Attacken die Nachrichtenspalten. Doch wenn mal jemandem rausrutscht, dass sich in unserem „Stadtbild“ ein Problem entwickelt haben könnte, ist der Teufel los. Und wenn der Normaldeutsche da sogar einen Zusammenhang mit der Asyl- und Einwanderungspolitik mutmaßt, ziehen die „Seriösen“ mit schwersten Verwünschungen bewaffnet gegen „Hass und Hetze“ in die Schlacht.

Allerdings hat auf dieser Welt alles seine Grenzen, das gilt sogar für Unsinn und fadenscheinige Propaganda, egal wie laut und drohend sie verkündet werden. Erinnern Sie sich noch daran? Bis vor etwa fünf Jahren wurde uns nach jedem radikal-islamischen Attentat die eiserne Losung eingeimpft: „Das hat nichts mit dem Islam zu tun!“ Nach etlichen solcher Bluttaten wurden sogar Offensiven „gegen Rechts“ organisiert, damit niemand es wage, an der „Hat nichts mit ... zu tun“-Behauptung öffentlich zu zweifeln, weil er sonst als „Rassist“ geächtet würde.

In jüngerer Zeit hört man die „Hat nichts mit ...“-Parole indes kaum mehr. Irgendwann war's so lächerlich und durchschaubar, dass die Propagandisten sich nicht mehr getraut haben. Das lässt hoffen. Vielleicht werfen Markus Lanz und Daniel Günther ihre Lügenflinte ja auch ins Korn und geben zu, was der eine gefragt und der andere geantwortet hat, um dann öffentlich zu bereuen. Immerhin könnte sich Lanz dann wieder „seriös“ nennen, ohne rot zu werden, und Günther dürfte wieder als echter Demokrat durchgehen. Das wäre dieses Opfer doch allemal wert.


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