Preußische Allgemeine Zeitung Zeitung für Deutschland · Das Ostpreußenblatt · Pommersche Zeitung
Einnahmen aus dem Tourismus sollen Putin entzogen werden – Dutzende Unternehmen in Deutschland sind von den neuen Bestimmungen betroffen
Russland soll an Touristen aus dem Westen kein Geld mehr verdienen. So will es die EU. Von dem 19. Sanktionspaket, das im November verhängt wurde, ist auch die deutsche Reisebranche betroffen. Seit Jahresbeginn ist es Fluggesellschaften, Zwischenhändlern, Reisebüros und Veranstaltern untersagt, Dienstleistungen nach Russland zu verkaufen oder zu vermitteln. Sie dürfen weder beim Visumantrag noch beim Erwerb von Tickets helfen. Bei Zuwiderhandlung drohen empfindliche Strafen.
Reisen nach Russland sind nicht grundsätzlich verboten. Wer hin möchte, muss jedoch alles selbst organisieren – von der Visabeschaffung über die Anreise bis zur Buchung einer Unterkunft. Das Auswärtige Amt warnt vor Reisen in die Russische Föderation, da Teile des Landes und das Moskauer Stadtgebiet vermehrt Ziel von Drohnenangriffen sind. Neuerdings werden SIM-Karten ausländischer Touristen für 24 Stunden gesperrt. Die Bundesregierung warnt vor willkürlichen Festnahmen und weist darauf hin, dass deutsche Vertretungen nicht helfen können.
Dennoch gibt es Menschen, die nach Russland reisen, wie Igor, ein in Hamburg lebender junger Russe, der als IT-Spezialist bei einem internationalen Unternehmen tätig ist. Zwei- bis dreimal jährlich besucht er seine Verwandten. „Es ist umständlich und teuer geworden. Nach Moskau fliege ich über Istanbul.“ Wassilij, ein Russlanddeutscher aus Omsk, fährt mit dem Pkw über die innerostpreußische Grenze nach Königsberg und fliegt von dort aus weiter. Mit dem Pkw reist auch Viktor über die Republik Polen zu seinem Heimatort Cranz.
Die wenigen Ostpreußen, die sich ihre Kontakte in die Heimat nicht verbieten lassen wollen und dennoch – meist mit dem eigenen Pkw – ins Königsberger Gebiet reisen, berichteten der PAZ, dass sie im Königsberger Gebiet wie bisher freundlich empfangen wurden und es dort auch keine Probleme gab. Die habe es erst bei der Wiedereinreise in die EU an der Grenze gegeben, und zwar nicht von russischer, sondern von polnischer Seite, verbunden mit stundenlangen Wartezeiten.
Ostpreußen trifft es besonders hart
Die Einreise über Drittländer wie die Türkei, die Vereinigten Arabischen Emirate oder Serbien per Flug oder via Landweg über die wenigen offenen Grenzübergänge ist völlig legal.
Zahlreiche Unternehmen wie die zur Best Aerticket Service GmbH gehörenden Agenturen haben jegliche Inhalte mit Bezug zu Russland aus allen Hotel- und Pauschalreisebuchungsportalen deaktiviert.
Besonders betroffen sind Kunden von Reiseunternehmen, deren Kerngeschäft Touren ins Königsberger Gebiet waren, das erst im Jahr 1990 für Touristen geöffnet wurde. In den Folgejahren gab es unzählige Bus- und Flugreisen sogenannter Heimwehtouristen, die ihre früheren Wohnorte besuchen wollten. Viele von ihnen fuhren immer wieder hin und knüpften im Laufe der Jahre Kontakte mit den heutigen Bewohnern, die oft in langjährigen Freundschaften mündeten.
Einer der Pioniere solcher Ostpreußen-Reisen ist Thomas Hübner von Partner-Reisen, der als einer der ersten Bustouren in die Exklave anbot. Er begleitete regelmäßig Gruppen dorthin. Partner-Reisen bietet aktuell Ostpreußen-Reisen nur ins Memelland, auf den litauischen Teil der Kurischen Nehrung und ins südliche Ostpreußen an. Sehr zum Leidwesen der Stammkunden aus dem nördlichen Teil, die ständig nachfragen, wann es wieder losgeht. Schnieder-Reisen, ein Hamburger Anbieter für Reisen nach Nord- und Osteuropa, informiert auf seiner Homepage: „Aufgrund der politischen Situation bieten wir derzeit keine Reisen ins Kaliningrader Gebiet an.“
Hart trifft es auch Natalia Romanova, die sich mit ihrem Reisebüro „Russland Reisen Romanova“ auf Russland-Reisen spezialisiert hat. „Für mich kommt das Sanktionspaket einem Berufsverbot gleich“, so ihr Kommentar. Derzeit sucht sie nach alternativen Angeboten.
Eine Sonderstellung genießt das Adebar Reiseteam. Da es seinen Sitz im Königsberger Gebiet und mit Eduard Politiko eine russische Leitung hat, kann es auch in diesem Jahr Studienreisen im nördlichen Ostpreußen anbieten. Kunden müssen ihre Anreise lediglich selbst organisieren. Von Danzig aus gibt es eine Linienbusverbindung nach Königsberg. „Reisen nach Russland, gleich ob kommerziell oder individuell/privat organisiert, sind ein wichtiger Baustein des kulturellen Austauschs und der Völkerverständigung“, sagt Helli Aumann vom Adebar-Reiseteam. Sie räumt allerdings ein, dass in den vergangenen Jahren ihre Gäste hauptsächlich aus Stammkunden bestanden.
Angesichts der Tatsache, dass Hunderte deutscher Firmen trotz Sanktionen in Russland bleiben, erscheinen die Maßnahmen gegen eine eher kleine Branche wie die Touristik unverhältnismäßig. In Kriegszeiten dürften die Tourismus-Einnahmen für Putin ohnehin marginal sein. Branchenriesen wie Metro, Liebherr, Storck und Bayer führen ihre Russlandgeschäfte fort, Adidas verkauft seine Produkte über einen russischen Vertriebspartner, und auch Mercedes-Benz hat seine Marke neu registrieren lassen – um sie vor chinesischer Konkurrenz zu schützen.