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Stadt hinter Gittern: Während des Lockdowns sind in Schanghai sonst viel befahrene Straßen abgeriegelt
Foto: paStadt hinter Gittern: Während des Lockdowns sind in Schanghai sonst viel befahrene Straßen abgeriegelt

China

Scheitern einer Null-Covid-Ideologie

Seit Ende März ist Schanghai im Lockdown – Die Bewohner und der weltweite Handel leiden darunter

Wolfgang Kaufmann
25.04.2022

Die chinesische Corona-Politik ist in hohem Maße ideologisch aufgeladen. So schrieb das Parteiblatt „Shenzhen Tequbao“ kürzlich, der Kampf gegen das Virus wirke „an der Oberfläche“ wie „ein Wettbewerb der Ideen, Strategien und Methoden ... Aber in Wirklichkeit ist es eine Schlacht zwischen Systemen, nationaler Stärke, Regierungsfähigkeit und selbst zwischen Zivilisationen“. In diesem Ringen sieht sich China bislang an der Spitze.

Als Schlüssel zum Erfolg gilt dabei die seit Pandemiebeginn verfolgte Null-Covid-Strategie: Auf jeglichen SARS-CoV-2-Ausbruch – und sei er noch so klein – wird sofort mit drakonischen Eindämmungsmaßnahmen reagiert, um ein Hochschnellen der Inzidenzen zu vermeiden. Doch seit die besonders ansteckende Omikron-Variante des Virus auch in China auftritt, gerät das Land trotz rigoroser staatlicher Repressalien an seine Grenzen. Das zeigen derzeit vor allem die Zustände in der 25-Millionen-Einwohner-Metropole Schanghai.

Die größte und reichste Stadt Chinas, welche zu den wichtigsten Industrie- und Handelszentren der Welt zählt, befindet sich seit dem 28. März in einem strengen Lockdown, weil es immer wieder positive Corona-Tests gibt, wobei die angeblich Infizierten aber in der Regel keine Symptome zeigen. Schuld an dem Ausbruch soll wieder einmal das Ausland sein – in diesem Falle Südkorea, das angeblich verseuchte Textilien geliefert hat.

Mittlerweile führt der Versuch, das Coronavirus komplett aus Schanghai zu verbannen, dort zu dystopischen Zuständen: Nach der Ankunft von mehreren tausend Soldaten der „Volksbefreiungsarmee“ und 38.000 „Gesundheitsarbeitern“ wurde mit systematischen Massentestungen begonnen. Wer hierbei ein positives Ergebnis hat oder sonst irgendwie „abnormal“ erscheint, muss zwangsweise in eines der „Provisorischen Krankenhäuser“, sprich Quarantänelager, mit insgesamt 130.000 Plätzen, in denen es oft am Allernötigsten fehlt. Nachfolgend schlagen dann „Nachbarschaftskomitees“ die zurückgelassenen Haustiere der Betroffenen auf offener Straße tot, während dort Roboterhunde der Polizei patrouillieren.

Angeblich infizierten Eltern werden flächendeckend die Kinder entzogen und viele der gesunden Bewohner Schanghais in ihren Wohnkomplexen oder gar am Arbeitsplatz eingesperrt – manchmal ganz brachial durch das Verschweißen von Türen.

Suizide in Kauf genommen

Inzwischen herrscht schon verbreitet Hunger in Schanghai, weil den Menschen die Vorräte ausgehen und die Behörden außerstande sind, für angemessenen Nachschub an Lebensmitteln zu sorgen. Das führt zunehmend zu Protesten oder Verzweiflungsakten bis hin zu Suiziden. Dazu kommen die immensen wirtschaftlichen Schäden. In vielen Werken der Stadt steht die Produktion still, und der Frachtumschlag im Hafen von Schanghai ging um 40 Prozent zurück.

Angesichts all dessen wäre es höchst sinnvoll, endlich von der Null-Covid-Strategie abzurücken. Doch diese ist aufs Engste mit der Person des Staats- und Parteichefs Xi Jinping verknüpft, welcher im Kampf gegen COVID-19 „persönlich Befehle erteilt“, wie das Propagandablatt „Xiuha“ kürzlich schrieb. Und für den „überragenden Führer“ steht unzweifelhaft fest, dass Chinas rigide Corona-Politik bessere Ergebnisse hervorbringe als jede andere. Also sind keine Änderungen möglich, weil dem nach einer dritten Amtszeit als Parteichef strebenden Xi ansonsten der Gesichtsverlust droht. Zumal das nach wie vor nicht sonderlich hoch entwickelte chinesische Gesundheitssystem vielleicht wirklich überfordert wäre, sollte das Reich der Mitte plötzlich versuchen, mit dem Virus zu leben, so wie es andere Länder derzeit in wachsendem Maße tun.

Deshalb könnten regierungskritische Oppositionelle mit ihrer Ansicht richtig liegen, wenn sie meinen, die Chinesen täten gut daran, sich schon einmal „darauf vorzubereiten, mindestens zehn Jahre mit Zero-Covid zu leben“. Wobei das Gleiche auch für die Weltwirtschaft gilt, welche unter den permanenten Produktionsausfällen und Unterbrechungen der Lieferketten infolge der ausufernden Lockdowns und Quarantänemaßnahmen in China leidet.



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Kommentare

sitra achra am 26.04.22, 13:26 Uhr

Jetzt wollen uns die hiesigen Demokraten wohl auch shanghaien. Bayern und Österreich machen demnächst den Anfang. Sie wollen das chinesische Sozialkreditsystem per Videokontrolle mit geeigneter Software made in China ebenfalls installieren. Tragt also schön brav weiterhin die Maske, sonst dürft ihr bald nicht mehr zu diversen öffentlichen Veranstaltungen, z.B. Fussballspielen, Theateraufführungen uvm.

Michael Holz am 25.04.22, 21:34 Uhr

Von China lernen, heißt den in China manipulierten Virus, besiegen lernen. "Unsere" Negativelite passt sich ja den Maoisten an, angefangen von sozialen Einstufungen, Parteienvergötterung und Mißachtung eigener Gesetze ist Alles drin, was die angeblich moralisch führende Welt benötigt.

Chris Benthe am 24.04.22, 23:48 Uhr

Und was sagt uns das in Europa ? Die eigenen, vorhandenen Ressourcen wieder erschließen und fördern ! Europa muss zurück zu eigener Produktion. Die totale Globalisierung made in China muss zurückgeschraubt werden, die Abhängigkeiten sind zu extrem geworden. Aber diese notwendige Entwicklung werden wohl erst neue Eliten abstoßen. Es wird ein langer Weg durchs Tal der Tränen.

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