25.06.2024

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Östlich von Oder und Neiße

Schlesien kommt auf den Zug

Die Woiwodschaft Niederschlesien reaktiviert im großen Stil stillgelegte Strecken

Chris W. Wagner
08.06.2023

Wer noch vor wenigen Jahren mit älteren Waggons der Polnischen Staatsbahnen PKP unterwegs war, konnte in den Gängen auf den Netzplänen die historischen Grenzen zwischen Preußen und Österreich-Ungarn einerseits und Russisch-Polen andererseits ohne Einzeichnung des Grenzverlaufs bestens erkennen.

Während die Russen dem polnischen Staat nur wenige Fernstrecken als Erbe hinterließen, hatten Wien und erst recht Berlin ein dichtes Streckennetz aufgebaut, das Pommern, Ost- und Westpreußen, Posen sowie Schlesien durch die vielen Fäden fast flächig gefärbt massiv hervorhoben.

Mit den Stilllegungen der 1990er-Jahre war dieses Erbe schnell dahin. Die Woiwodschaft Niederschlesien knüpft aber nach und nach immer mehr an die alte Herrlichkeit an und setzt im öffentlichen Verkehr auf die Reaktivierung von Strecken. Nach den ersten Projekten in den vergangenen Jahren sollen im Herbst weitere Orte wieder mit dem Zug erreicht werden können: Goldberg [Złotoryja] in Niederschlesien und Reichenau [Bogatynia] in der Oberlausitz. Sowohl Goldberg, als auch Reichenau sind Städte mit fünfstelliger Einwohnerzahl.

Auch der zentrumsnahe Freiburger (Kopf-)Bahnhof [Dworzec Świebodzki] in Breslau wird wieder in Betrieb genommen, womit eine zusätzliche Option auf dem Weg in die Stadt für Pendler aus dem Westen geschaffen wird. Diese Wiederanbindung wird auch durch die Sanierung des Bahnhofs Neumarkt [Środa Śląska] attraktiver, Züge vom Freiburger Bahnhof sollen über Neumarkt hinaus bis Liegnitz verkehren, verspricht der für die Bahn zuständige Vizemarschall Tymoteusz Myrda.

Im Freiburger Bahnhof war noch bis vor Kurzem die niederschlesische Modellbahnwelt „Kolejkowo“ untergebracht, bis der Ideengeber ins neue Wahrzeichen von Breslau, den Sky Tower etwas außerhalb der Innenstadt, umgezogen war.

Der 1842 in Betrieb genommene Freiburger Bahnhof bildete die Endstation der Trasse Breslau-Görlitz. Erst 15 Jahre später wurde die Strecke auch an den damals neu eröffneten Breslauer Hauptbahnhof angebunden, der zunehmend den Verkehr vom Freiburger Bahnhof abzog. Nun bekommt das klassizistische Bahnhofgebäude des Stettiner Architekten Carl Johann Lüdecke (1826–1894) wieder zwei Bahnsteige für Züge in Richtung Liegnitz, Kanth [Kąty Wrocławskie] und Wohlau [Wołów].

In Neumarkt werden zwei zusätzliche Gleise nur für den neuen Pendlerverkehr auf dem Streckenabschnitt Neumarkt–Breslau geschaffen. Auch wenn immer noch zehn Prozent der polenweiten Bahnkilometer in der Woiwodschaft Niederschlesien liegen, so haben die Woiwodschaften Großpolen (Posen) und (Ober-)Schlesien (Kattowitz) die Nase vorn. Vizemarschall Myrda zeigt sich ambitioniert. Durch den Netzanschluss der beiden Kreisstädte Goldberg und Löwenberg [Lwówk Śląski] werden die Beförderungszahlen deutlich gesteigert. Er verspricht, dass ab September Reisende gleich auf drei bisherigen Überlandbusverbindungen dann bequem mit dem Zug reisen können. Gemeint sind die einst stillgelegten Verbindungen Liegnitz–Hirschberg [Jelenia Góra], Glogau [Głogów]–Haynau [Chojnów] und Oels [Oleśnica]- Groß Wartenberg [Syców].

Damit nicht genug, so Myrda. Ab Dezember sollen auch reaktivierte Bahnlinien nach Krummhübel [Karpacz] und Bad Flinsberg [Świeradów Zdrój] den Tourismus neu ankurbeln. Und dies wohlgemerkt mit neuverlegten Gleisen, denn die alten waren demontiert. Auch Guhrau [Góra], die etwa 30 Kilometer von Glogau entfernte Kreisstadt im Norden der Woiwodschaft, soll wieder Anschluss bekommen.


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Kommentare

Peter Schneider am 09.06.23, 11:58 Uhr

endlich bekommt Guhrau wieder Gleisanschluß

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