04.02.2023

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Nördliches Ostpreußen

Sehnsuchtsorte im Königsberger Gebiet

Anstieg der Touristenzahlen: Neben den Ostseebädern wird auch das Hinterland immer beliebter

Jurij Tschernyschew
30.11.2022

Die Möglichkeiten für Russen, in andere europäische Länder zu reisen, sind seit dem Ukrainekrieg und den gegen Russland verhängten Sanktionen sehr begrenzt. Das gilt für Reisen zu jedem Zweck. Dieser Umstand hat das nördliche Ostpreußen noch stärker als bisher in den Fokus russischer Touristen gerückt.

Besonders auffällig werden die Kurorte an der Ostsee als Sehnsuchtsorte angesteuert. Viele deutsche Häuser wurden renoviert, evangelische Kirchen, Hotels, Kurhäuser und andere öffentliche Gebäude, die aus der Vorkriegszeit erhalten geblieben sind, erinnern an Orte der Bundesrepublik.

In den vergangenen Jahren haben die Bewohner im nördlichen Ostpreußen verstärkt damit begonnen, sich um die Geschichte der Region zu kümmern. Geschichtsinteressierte können durch den Königsberger Stadtteil Amalienau spazieren, der von Jahr zu Jahr schöner und sauberer wird. In der Stadt kann man die erhaltenen und restaurierten Tore und Festungen besichtigen, entweder auf eigene Faust oder mit einer der zahlreich angebotenen Führungen.

In vielen Orten der Region beherbergen die Vorkriegsgebäude heute historische Ausstellungen und Schautafeln. Ein besonders beliebter Ausflugsort ist Cranz. Die Fußgängerzonen des Ortes mit den malerischen bunten Häusern mit Ziegeldächern s0wie Cafés mit Tischen im Freien, schöne Stadtskulpturen, Bootsfahrten im Stadtpark oder entlang der neuen Promenade erwecken bei vielen den Eindruck, als befände man sich im Westen Europas.

Wurde das nördliche Ostpreußen in der Vergangenheit seitens der Russischen Föderation eher wie ein Stiefkind behandelt, so haben die Sanktionen des Westens einen Entwicklungsschub befördert. Es wurde viel in die Infrastruktur investiert, Neues konnte entstehen. Im Zentrum von Cranz markieren in den Boden eingelassene blinkende LED-Lichter alle Fußgängerüberwege, und auch ansonsten sind alle Straßen hell erleuchtet. Cranz erstrahlt buchstäblich in neuem Licht.

In der vergangenen und der diesjährigen Tourismussaison war eine auffällige Zunahme von Ausflügen und Touren in die Städte und Dörfer der Region zu verzeichnen. Interessierten sich die Touristen früher lediglich für Königsberg, die Küstenorte und die Kurische Nehrung, so besuchen sie jetzt auch die abgelegenen Orte der Region. Dank Restaurierungsprojekten und Privatinitiativen gibt es immer mehr Attraktionen und Sehenswürdigkeiten in den Provinzstädten wie Tapiau [Gwardejsk], Gerdauen [Schelesnodoroschnyj], Ragnit [Neman] und Gumbinnen [Gusew].

Obwohl die Zahl der Gäste in der Region im Jahresverlauf um mehrere Prozent zurückgegangen ist, verzeichnet der Tourismusmarkt der Region im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ein Umsatzplus von 90 Prozent. Das Leistungsvolumen von Reisebüros, Reiseveranstaltern und anderen Buchungsdiensten in der Region belief sich von Januar bis Ende des Sommers auf umgerechnet 18 Millionen Euro.

Hotels fast ausgebucht

Während in den Frühjahrsmonaten ein leichter Rückgang zu verzeichnen war, erreichten die Gästezahlen im Juli und August bereits wieder das Vorjahresniveau. Bis zum Ende des Sommers waren in den Hotels fast alle Zimmer ausgebucht, und die Mietpreise für Feriendomizile lagen höher als die in Sotschi. Der Flughafen Powunden [Chrabrowo] fertigt täglich etwa 50 Flüge ab, darunter allein zwischen 25 und 30 aus Moskau. Der durchschnittliche Preis für ein Flugticket liegt bei 112 Euro für einen einfachen Flug. Zwar sind auch Anreisen per Bahn über Litauen möglich, aber der Preis für eine Zugfahrkarte ist ähnlich hoch wie für ein Flugticket, und für Litauen wird ein Transitvisum benötigt. 95 Prozent der Touristen reisen daher mit dem Flugzeug an. Die Flugzeit hat sich wegen der verlängerten Route als Folge der Speerung des NATO-Luftraums von einer Stunde vierzig Minuten auf zwei Stunden 30 Minuten verlängert.

Die durchschnittlichen Kosten für eine Unterkunft in Königsberg liegen bei rund 35 Euro pro Nacht. Die Russen schätzen die Region nicht zuletzt wegen des vergleichsweise milden Klimas.


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