15.07.2024

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Schwimmendes Denkmal

Seit 90 Jahren unter Dampf

Bei den Hamburger Cruise Days im Einsatz – Der Dampfeisbrecher „Stettin“ schrieb Geschichte

Brigitte Stramm
10.09.2023

Die Cruise Days in Hamburg, der Hamburger Hafen – das „Tor zur Welt“, ist vom 8. bis 10. September das Ziel von acht Kreuzfahrtschiffen. Die uns bekannte „MS Sans Souci“, die oft in pommerschen Gewässern unterwegs ist, ist auch dabei. Es ist ein Ereignis, das viele Interessierte und Schaulustige anziehen wird. Noch bis zum 10. September wird übrigens ein einzigartiges Lichtkunstwerk geboten, das den Hamburger Hafen und die HafenCity in ein spacig-blaues magisches Licht hüllt.

Dem aufmerksamen Besucher des Ereignisses wird mit Sicherheit ein deutlich kleineres, aber sehr kraftvolles Schiff auffallen. Das ist der Dampfeisbrecher „Stettin“, der gerade sein 90. Jubiläum begeht. Wer mag ahnen, welch interessante Historie dahintersteckt.

Am 3. September begannen die Feiern zum 90. Geburtstag des Dampfeisbrechers „Stettin“. Dafür hat sich das Schiff im Winter einer umfangreiche „Schönheitskur“ unterzogen. So herausgeputzt ist sie dann in die diesjährige Fahrsaison gestartet. Übrigens bereits die 42. als anerkanntes Museumsschiff. Also fast die Hälfte ihres Lebens wurde die „Stettin“ von den Mitgliedern des Vereins für die Nachwelt über Wasser gehalten. Sie ist damit das größte noch mit Hand befeuerte Kohle-Dampfschiff weltweit, und schon daher einen Besuch wert.

Dampfeisbrecher „Stettin“
Spannend ist die Technik, denn obwohl Dieselmotoren in den 1930er-Jahren längst bekannt waren, wurde die „Stettin“ bewusst noch mit einer kohlebefeuerten Dampfmaschine ausgestattet. Auf diese Weise war es möglich, das Schiff innerhalb von nur drei Sekunden von Vorwärts- auf Rückwärtsfahrt umzusteuern, was eine bessere Manövrierfähigkeit gewährleistet. Das ist wichtig, um im Eis festsitzende Schiffe freizubrechen.

Als erstes deutsches Schiff wurde die „Stettin“ außerdem mit einem sogenannten Runeberg-Steven ausgestattet. Statt sich mit dem Rumpf auf das Eis zu schieben und es so nur durch das Gewicht zu zerdrücken wie bei den früher gebauten Eisbrechern mit Löffelbug, zerteilt der Runeberg-Steven das Eis mit einer Schneidspante, sodass es seitwärts abbricht.

Das Schiff ist 1933 bei den Stettiner Oderwerken vom Stapel gelaufen und in Dienst gestellt worden, um Oder und Oderhaff für die Schifffahrt eisfrei zu halten. In Pommerns Hauptstadt Stettin betrieb die Industrie- und Handelskammer eine eigene Eisbrecherverwaltung, zu der insgesamt fünf Schiffe gehörten: die „Preussen“, „Pommern“, „Berlin“, „Swinemünde“ und die „Stettin“. Damals gebaut von den Oderwerken, wurde die „Stettin“ am 16. November 1933 als bis dahin größter Eisbrecher unter deutscher Flagge in Dienst gestellt. Im strengen Winter 1942 war sie auf der Ostsee zwischen Kiel und Riga eingesetzt.

Als Flüchtlingsschiff unterwegs
1945 erfüllte sie noch eine traurige Aufgabe, sie brachte 500 Flüchtlinge, die ihre Heimat verlassen mussten, und dazu die manövrierunfähige „Preussen“ im Schlepp nach Kiel. Am 11. Mai 1945 traf sie dort ein, die Menschen waren endlich in Sicherheit.

Das Schiff wurde nicht als Kriegsbeute beschlagnahmt, sondern tat seinen Dienst jetzt auf der Elbe, im Nord-Ostsee-Kanal und der Kieler Bucht. Nach der Außerdienststellung drohte die Abwrackung, dieses wurde von dem Landeskonservator von Schleswig-Holstein verhindert, der die „Stettin“ am 31. Juli 1981 zum Kulturdenkmal erklärt hat. Schon im August des Jahres gründete sich der Förderverein, der am 6. Dezember 1982 das Schiff erwarb. Durch diese wunderbare Initiative ist es möglich geworden, die „Stettin“ als kulturhistorisches technisches Denkmal fahrfähig zu erhalten. Im Sommer finden Fahrten mit dem schwimmenden Denkmal statt, die den Besucher in eine interessante Technik aus der Vergangenheit hineinschnuppern lassen.

So ein Jubiläum wirft seine Schatten voraus. Schon im Frühjahr dieses Jahres hatten sich nun einige der ehrenamtlichen Mitglieder mit den Gedanken befasst, wie man den 90. Geburtstag am besten gestalten kann. Herausgekommen ist dabei ein umfangreiches Programm. Am 3. September konnte man das Schiff ausgiebig besichtigen, dazu gab es ein buntes Programm.

Die Jubiläumsfahrt findet dann im Rahmen der Hamburger Cruise Days am 10. September von 13 bis 16 Uhr statt, wobei natürlich auch an den anderen Tagen anlässlich der Cruise Days die beliebten Hafen/Elbefahrten stattfinden. Die Erhaltung der „Stettin“ erfolgt ausschließlich durch die Arbeit der ehrenamtlichen Mitglieder sowie durch Spenden.

Nach einer Kollision im Jahr 2917 darf das Schiff, dessen Rumpf mit 91.000 Nieten zusammengehalten wird, jedoch nur maximal drei Seemeilen von der Küste entfernt fahren. Wir gratulieren und wünschen der „Stettin“ stets eine gute Fahrt und immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel – den Vereinsmitgliedern einen nie versiegenden Enthusiasmus.

www.dampf-eisbrecher-Stettin.de


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