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Weiche Formen: Eine Besucherin berührt die Skulptur „Outspan“
Foto: Anne OrthenWeiche Formen: Eine Besucherin berührt die Skulptur „Outspan“

Ausstellung

So fühlt sich Kunst an

Bitte Anfassen! – Düsseldorfer Kunstpalast gestattet Besuchern das Berühren von Kunstwerken

Siegfried Schmidtke
11.05.2024

Neulich im Düsseldorfer Museum Kunstpalast: Eine Familie aus Köln betrachtet die Plastiken des Bildhauers Tony Cragg. Das siebenjährige Kind läuft durch die Ausstellung und betatscht neugierig und unbedarft in kindlicher Manier die Ausstellungsstücke. Den Eltern ist das sichtlich unangenehm, und sie fragen das Aufsichtspersonal in breitem kölschen Singsang: Darf dat dat? Die Aufseherin, offensichtlich der kölschen Sprechweise mächtig, nickt zustimmend: Dat darf dat!

Daraufhin der Vater des Kindes ganz verwundert und kopfschüttelnd: Dat dat dat darf!? In Hochdeutsch übersetzt: Dass das (Kind) das (Berühren) darf!?

Eigentlich ist in allen Museen das Anfassen oder Berühren der Ausstellungsstücke nicht erlaubt. Verbotsschilder weisen mal dezent, mal unübersehbar darauf hin. In Düsseldorf hat der Kunstpalast dieses Berührungsverbot nicht nur aufgehoben, sondern fordert in der aktuellen Ausstellung „Please touch“ ausdrücklich zum Anfassen der Kunstobjekte auf.

Der in Wuppertal lebende deutsch-britische Künstler Tony Cragg nennt konservatorische Gründe für das sonst in allen Museen geltende Anfassverbot. Schweiß, Fett oder auch Säuren auf Händen und Fingern könnten chemische Reaktionen auslösen und den Kunstwerken arg zusetzen. Cragg weiß aber auch, dass seine sinnlich geformten Skulpturen aus Holz, Textil, Stein, Metall oder Kunst-stoff die Betrachter geradezu animieren, mit dem Tastsinn, das heißt, durch Berühren, das Material – im wahrsten Sinne des Wortes – zu erfassen.

Kunstpalast-Direktor Felix Krämer hat deshalb zusammen mit dem Künstler verschiedene Werke aus dem reichhaltigen Bestand der Craggschen Werkstätten ausgewählt. Da findet der Besucher die aus glatt poliertem Schichtholz meterhoch gestapelten Säulen oder auch die glänzend verchromten Gebilde, die an aufgeblasene Luftballons erinnern.

Manche Skulptur ist erst aus der Nähe erkennbar: Was aus der Ferne wie ein braun gefärbter Riesen-Brokkoli erscheint, wird bei nahem Betrachten – und Berühren – als metallenes Wirrwarr aus Armen, Händen und Fingern erfassbar. Eine gepunktete weiße Skulptur entpuppt sich aus der Nähe als ein Gebilde, das komplett aus zigtausend zusammengeklebten weißen Würfeln mit schwarzen Punkten gebaut wurde.

Im Kunstpalast sind nun rund 30 Werke des Bildhauers sichtbar und spürbar. Am Ende der Ausstellung gewährt der Künstler einen Einblick in seine Werkstatt. Hier allerdings gilt die Museumsgrundregel „Bitte nicht berühren“.

„Tony Cragg – Please touch“ im Kunst­palast Düsseldorf, Ehrenhof 4–5, läuft bis 26. Mai, geöffnet täglich außer montags von 11 bis 18 Uhr, donnerstags bis 18 Uhr. www.kunstpalast.de


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