30.01.2026

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Unabhängigkeit

So will die Bundeswehr Weltspitze im All werden

Um nicht auf Elon Musk angewiesen zu sein, forciert die Militärführung deutsche Weltraumprojekte

Hagen Ritter
30.01.2026

Der Cyber- und Informationsraum der Bundeswehr, kurz CIR, ist erst seit Mai 2024 die vierte Teilstreitkraft der Bundeswehr. Der Aufbau der Truppe geht allerdings zügig voran. Fast 35 Milliarden Euro will Verteidigungsminister Boris Pistorius noch bis 2030 in militärische Weltraumprojekte investieren. Seit September 2024 ist bei der Bundeswehr Generalmajor Armin Fleischmann maßgeblich für die Planung der Weltraumvorhaben zuständig. Seinen Angaben zufolge können die massiven Investitionen die Bundeswehr schon in wenigen Jahren bei Aufklärung und Kommunikation an die Weltspitze befördern: „Nach den USA wären wir führend, was Aufklärung und Kommunikation betrifft“, so der Generalmajor.

Ein Kernprojekt ist der Aufbau einer neuen Kommunikationskonstellation aus Satelliten in einer niedrigen Erdumlaufbahn. Das Projekt soll Deutschland von Technik aus dem Ausland unabhängig machen, insbesondere vom Satelliteninternet Starlink von SpaceX. Die Raumfahrtfirma von Elon Musk betreibt ein Netzwerk, das mittlerweile aus rund 10.000 Satelliten besteht und eine weltweite Internetanbindung bietet.

Die Bundeswehr betreibt derzeit nur etwas mehr als zehn Satelliten. Bis 2029 soll die Zahl bereits dreistellig sein. „Anders als Starlink wollen wir nicht die ganze Welt abdecken“, erklärt Fleischmann. Seinen Angaben zufolge soll die NATO-Ostflanke im Fokus der Bundeswehr-Satelliten stehen. Laut Fleischmann will die Bundeswehr „vorzugsweise mit deutschen Unternehmen gewissermaßen ein militärisches Starlink für die Bundeswehr“ aufbauen. Einbeziehen will die Bundeswehr dabei auch deutsche Jungfirmen. Der Plan für ein eigenes Bundeswehr-System ist auch eine Abkehr vom geplanten EU-Projekt IRIS². Diese europäische Satellitenkonstellation soll nur teilweise dem Militär zur Verfügung stehen. Obendrein wachsen die Sorgen, dass das 2022 von der EU beschlossene milliardenschwere Satelliteninternet scheitert.

Bereits seit Anfang Januar hat die Bundeswehr Zugriff auf die Aufklärungssatelliten des finnischen Unternehmens Iceye. Die Satelliten nutzen eine Technik namens „Synthetic Aperture Radar“ (SAR). Dabei werden wetterunabhängig hochauflösende Bilder mithilfe von Mikrowellen erstellt. Iceye hat in den vergangenen Jahren auf eigene Initiative die größte SAR-Satellitenflotte der Welt ins All gebracht. Im November 2025 teilte der Rüstungskonzern Rheinmetall mit, dass er ein Gemeinschaftsunternehmen mit der finnischen Satellitenfirma gegründet hat. Das Bündnis soll die Produktion einer größeren Stückzahl von SAR-Satelliten ermöglichen. Man geht von einer hohen Nachfrage nach weltraumgestützten Aufklärungskapazitäten bei Streitkräften und Sicherheitskräften aus.

Die Bundeswehr hat sich laut einem Bericht des „Handelsblatts“ den Zugriff auf eine große Anzahl von hochauflösenden SAR-Bildern von der NATO-Ostflanke gesichert. Der Schwerpunkt der Aufnahmen soll auf der Bundeswehr-Panzerbrigade 45 in Litauen liegen. Andere Länder wie beispielsweise Polen oder Schweden haben laut dem Bericht nur auf wenige SAR-Bilder Zugriff.


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