26.10.2020

Preußische Allgemeine Zeitung Zeitung für Deutschland · Das Ostpreußenblatt · Pommersche Zeitung

Suchen und finden
Bislang nur als Planungsprojekt vorhanden: Die wiederaufzubauende Kirche St. Johannis vor der Zerstörung
Foto: Bildarchiv OstpreußenBislang nur als Planungsprojekt vorhanden: Die wiederaufzubauende Kirche St. Johannis vor der Zerstörung

Memel

St. Johanniskirche soll wiedererstehen

Ein geplanter Hotelneubau bringt neuen Schwung in die Planung. Zuvor fehlten die Mittel

Bodo Bost
04.10.2020

In das Projekt des Wiederaufbaus der historischen Johanniskirche in Memel ist Bewegung geraten, weil in der Nähe ein neues Großhotel entstehen soll und dazu wieder umfangreiche archäologische Ausgrabungen notwendig wurden.

Die 1258 gegründete katholische Kirche St. Johannis war die erste für die deutschen Bewohner der Burg und der Stadt Memel zuständige Stadtkirche, während die Nikolaikirche für die prußische und kurische Bevölkerung zuständig war. Um 1525 wurde sie wie alle Kirchen im Herzogtum Preußen evangelisch. Nach mehreren Bränden wurde sie zwischen 1696 bis 1706 an der späteren Marktstraße neu erbaut. Beim Stadtbrand von 1854 wurde die Kirche erheblich beschädigt und danach nach Plänen von Friedrich August Stüler wiederaufgebaut.

Die Herstellung der Giebel und Türmchen über den Seitenschiffen soll von König Friedrich Wilhelm IV. persönlich veranlasst worden sein. Ab 1858 war sie Stadtkirche für alle Bewohner Memels, unabhängig von ihrer Sprache, und die Nikolaikirche wurde Landkirche für die umliegenden Dörfer. Auch nachdem die Stadt Memel ab 1923 zum neuen litauischen Staat gehörte, blieb die Kirchengemeinde überwiegend deutsch, die Kirche wurde sogar zur Landeskirche des Memellandes.1944/45 wurde die Kirche zerstört und danach die Reste abgetragen.

Idee entstand im Jahr 1991

Nach der Wiedererrichtung eines litauischen Staates 1991 entstand die Idee, auch die Johanniskirche wieder aufzubauen. Von 2002 bis 2012 fanden deshalb archäologische Ausgrabungen am Standort der Kirche des 16. und 17. Jahrhunderts statt, bei denen ein Friedhof mit zahlreichen Gräbern freigelegt wurde. Danach ruhte das Projekt mangels Finanzierung.

Jetzt soll jedoch neben der projektierten St. Johanniskirche ein neues Hotel entstehen. Deshalb werden derzeit archäologische Ausgrabungen an dem Standort des zukünftigen Hotels durchgeführt, weil das Hotel in dem ehemaligen Bereich der Johanniskirche liegt. Ein Teil der Fundamente der ehemaligen Jungenschule, die zur Kirche gehörte, wurde bereits ausgegraben. Es handelt sich um die lutherische Schule der Stadt, die später zur Lateinschule wurde. 1912 wurde dieses Gebäude die städtische Knabenschule. Die Schule nahm fast den gesamten Platz zwischen der Thomasstraße und Aschhofwallstraße ein. Die Schule wurde 1945 zusammen mit der Kirche bei einem Bombenangriff zerstört.

Der Bau des Hotels wird von der Firma „BCO" und die Projektvorschläge von JSC „Andrijausko architektų biuras" durchgeführt. Die archäologischen Arbeiten werden bis Oktober dauern. Mit dem Bau des Hotels soll dann im nächsten Frühjahr begonnen werden. Das Hotel rechnet fest damit, dass auch die Johanniskirche wieder aufgebaut wird, weil dieses ehemalige Stadtwahrzeichen, dessen 75 Meter hoher Turm auch als Leucht- und Orientierungsturm für die Schiffe bei der Hafeneinfahrt diente, das Hotel und das ganze Viertel aufwerten wird. Deshalb wird sich auch das Erscheinungsbild des Hotels nicht von den übrigen Gebäuden in dieser Straße abheben, da die St. Johanniskirche alle Aufmerksamkeit auf sich ziehen sollte. Die kommunistischen Herrscher der Dangestadt hatten nach 1945 alle Kirchen geschleift, um gerade die von ihnen errichteten Hotelneubauten als „Tempel der neuen Zeit" in Pose zu setzen.

Auch an der Stelle der Johanniskirche haben archäologische Ausgrabungen begonnen. Die Republik Litauen hatte sich 2012 verpflichtet, die Kirche bis zum Jahr 2028 wieder aufzubauen. Die Johanniskirche ist eine der ältesten Kirchen der Republik. Litauen wurde als letztes Land Europas christianisiert wurde. Man rechnet mit Baukosten von zirka 17 Millionen Euro. Zunächst sollen die verbliebenen Fundamente der Kirche untersucht und ihr Zustand bestimmt werden. Im Anschluss an diese Studie wird klar, ob die Kirche auf demselben Fundament wiederaufgebaut werden kann oder ob die Fundamente woanders errichtet werden.

Spenden aus der Bundesrepublik

Lilija Petraitienė, die Leiterin der „Johanniskirche Wiederaufbau Stiftung", kündigte an, dass auch in der Bundesrepublik Deutschland eine Finanzierung beantragt werde. Auch Memelländer sollen gezielt angesprochen werden. Reinhold Moras, der Pfarrer der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Memel, erklärte, dass mehrere Deutsche einen Teil ihres Erbes dem Wiederaufbau der Johanniskirche vermacht haben.

Die Vertreter der Stiftung hoffen, schon zu Beginn der eigentlichen Arbeit mehr Mittel zu erhalten. Die restaurierte Kirche würde von der evangelisch-lutherischen Gemeinde in der Hafenstadt nicht nur als Gotteshaus angesehen werden. Es sollen dort auch Gemeinschaftsaktivitäten, ein Kulturzentrum, Konzerte und Ausstellungen stattfinden.



Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Dann unterstützen Sie die PAZ gern mit einer

Anerkennungszahlung


Kommentar hinzufügen

Captcha Image

*Pflichtfelder

Da Kommentare manuell freigeschaltet werden müssen, erscheint Ihr Kommentar möglicherweise erst am folgenden Werktag. Sollte der Kommentar nach längerer Zeit nicht erscheinen, laden Sie bitte in Ihrem Browser diese Seite neu!