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Gesundheit

Starker Anstieg der Suizide im Jahr 2022

Das Nationale Suizidpräventionsprogramm hat detaillierte Daten über die Selbsttötungen veröffentlicht

Wolfgang Kaufmann
29.05.2024

Nach Auswertung der alljährlich aktualisierten Todesursachenstatistik des Statistischen Bundesamtes hat das Nationale Suizidpräventionsprogramm (NaSPro) detaillierte Daten über die Selbsttötungen im Jahre 2022 veröffentlicht. Damals starben in Deutschland 10.119 Menschen durch eigene Hand. Das waren mehr Todesfälle als durch Verkehrsunfälle, Mord, Totschlag, illegale Drogen und Aids zusammen. Deren Zahl belief sich auf insgesamt 7088. 2021 zählte man noch 904 Suizide weniger, was einer Zunahme binnen Jahresfrist um 9,8 Prozent entspricht. Laut NaSPro war dies der stärkste Anstieg seit 1980.

Bezogen auf 100.000 Einwohner lag die Suzidrate 2022 bei 12,1. Damit rangierte die Bundesrepublik im europäischen Mittelfeld. An der Spitze stand Litauen mit einer Rate von 21,3, gefolgt von Ungarn mit 17,1 und Slowenien mit 17,0. Dahingegen kam es auf Zypern und Malta sowie in Griechenland lediglich zu 3,5 bis 4,0 Selbsttötungen pro 100.000 Einwohner.

Hierzulande entfielen 2022 fast drei Viertel aller Suizide auf Männer, was einem langjährigen Trend entspricht. Ebenso typisch war, dass 73,4 Prozent der Menschen, die ihr Leben selbst beendeten, der Altersgruppe der über 50-Jährigen angehörten. Bei den Fünf- bis 24-Jährigen lag die Suizidrate hingegen bei 3,0. Das ist ein Rückgang um 0,1 gegenüber 2021.

Die höchste Selbstmordquote aller Bundesländer meldete 2022 der Freistaat Sachsen mit 17,2. Parallel dazu verzeichneten Brandenburg und Hamburg den stärksten Anstieg der Suizidrate um jeweils 2,4 Fälle pro 100.000 Einwohner, während es in Thüringen und dem Saarland zu einem Rückgang um 2,5 beziehungsweise 0,9 Fälle kam.

Laut der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention (DGS) sind Suizide die Folge von extremer seelischer Not, verursacht durch Lebenskrisen sowie psychische und körperliche Erkrankungen. Dahingegen sehen andere Experten auch wirtschaftliche Gründe als Auslöser für Selbsttötungen.

Umstritten ist die Rolle der Corona-Pandemie. Einigkeit herrscht hier nur darüber, dass während der Lockdowns 2020/21 bis zu dreimal mehr Patienten wegen eines Selbstmordversuchs in die Kinder- und Jugendpsychiatrien eingeliefert wurden.

In Reaktion auf die Zahlen des NaSPro hat Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) die erste nationale Suizidpräventionsstrategie der Bundesregierung vorgestellt, die vor allem auf Aufklärungskampagnen und „zielgenaue Hilfen“ für gefährdete Personen setzt. Des Weiteren sprach sich Lauterbach für sogenannte methodenbegrenzende Maßnahmen aus. Das heißt, dass Suizide durch einen erschwerten Zugang zu Mitteln und Orten für die Selbsttötung verhindert werden sollen. Da die meisten Suizide durch Erhängen erfolgen, erscheint diese Vorgehensweise jedoch wenig erfolgversprechend. Wichtiger als Freiheitseinschränkungen zur Verhinderung von Selbstmorden wäre die Bereitstellung von Geld für den Ausbau der Telefonseelsorge und der Online-Suizidpräventionsseite für junge Menschen „U25“. Diese sind beide notorisch überlastet.


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