22.06.2021

Preußische Allgemeine Zeitung Zeitung für Deutschland · Das Ostpreußenblatt · Pommersche Zeitung

Suchen und finden
Georg Detharding: Stich von Johann Martin Bernigeroth (1745)
Georg Detharding: Stich von Johann Martin Bernigeroth (1745)

350. Geburtstag am 13. Mai

Stralsunder Medizinergröße einst in die Leopoldina berufen

Georg Detharding im „Biographischen Lexikon der hervorragenden Ärzte“ verzeichnet

Martin Stolzenau
11.05.2021

Der Mediziner Georg Detharding entstammte einer herausragenden Stralsunder Arztfamilie, die über sechs Generationen immer wieder namhafte Mediziner hervorbrachte, die überregionale Bekanntheit erlangten, in zeitgenössischen Lexika behandelt wurden und auch im „Biographischen Lexikon der hervorragenden Ärzte aller Zeiten und Völker“ Berücksichtigung fanden. Er hatte seine Hauptwirkungsstätten an den Universitäten von Rostock und Kopenhagen, trat als Forscher, Lehrer sowie Diagnostiker ins Rampenlicht und wurde in Anerkennung seines Wirkens in die berühmte Leopoldina als Mitglied berufen.

Mit elf Jahren immatrikuliert

Georg Detharding wurde am 13. Mai 1671 in Stralsund geboren. Sein gleichnamiger Vater wirkte in Stralsund als Arzt, wurde wegen seiner Behandlungserfolge zum Leibarzt des Herzogs von Mecklenburg erhoben und sorgte für eine umfassende Schulbildung des Jungen. Mit erstaunlichen Folgen. Schon im November 1682 wurde Detharding junior an der Universität in Rostock immatrikuliert. Da war er elf Jahre alt. Das ist bis heute im Rostocker Matrikelportal nachzulesen.

Im Februar 1688 erneuerte er die Immatrikulation und der Medizinersohn aus Stralsund begann sein Studium der Medizin in Rostock, das er später an der damals europaweit renommierten Universität von Leyden fortsetzte. Er hatte namhafte Lehrer, entwickelte früh einen besonderen Ehrgeiz, der ihn voranbrachte, und unternahm nach den Leydener Studien eine ausgedehnte Studienreise, die ihn durch Deutschland nach Italien, nach Frankreich und England führte. Überall erschloss er sich die bekannten Fortschritte in der Medizin.

Professur in Rostock

Anschließend wurde er an der Universität in Altdorf bei Nürnberg promoviert. Fortan ging es Schlag auf Schlag. Der Arzt aus Stralsund wurde 1696 als Professor der Medizin an die Universität in Rostock berufen, wo er in den Folgejahren forschte, lehrte und mit seinen Publikationen überregionale Bekanntheit erlangte. Zwischendurch heiratete er Maria Reusch, die drei Jahre jünger war.

Rostock gedieh fortan zur Plattform für seine weitere Karriere. 1714 wurde Detharding in die Kaiserliche Akademie Leopoldina der Naturforscher als Mitglied aufgenommen. Diese Gesellschaft, die 1652 in Schweinfurt als erste naturwissenschaftlich-medizinische Gelehrtengesellschaft im deutschsprachigen Raum gegründet worden war und danach in verschiedenen anderen Orten residierte, wechselte dann 1878 ihren Stammsitz nach Halle. Sie wurde 2008 zur Nationalen Akademie der Wissenschaften der Bundesrepublik Deutschland erhoben und gilt heute als älteste dauerhaft existierende naturforschende Gesellschaft auf der ganzen Welt.

Umzug nach Kopenhagen

Detharding war in diesem elitären Gremium Mitglied. Damit wuchs sein Ansehen weiter. So wurde man auch in Kopenhagen auf ihn aufmerksam. 1732 wurde er in die dänische Hauptstadt berufen, wo er zu deutlich besseren Konditionen als in Rostock als Medizin-Professor lehrte und mehrfach auch als Universitäts-Rektor fungierte. Detharding prägte nun in Kopenhagen rund 15 Jahre mehrere Mediziner-Generationen. Einige seiner Schüler wie Severin Hee machten dann ebenfalls Karriere. Hee, der aus Odense stammte, fungierte später an der dortigen Universität als Medizin-Professor und wurde wegen seiner Erkenntnisse ebenfalls, wie sein vormaliger Lehrer, in die Leopoldina berufen.

Einflussreicher Nachwuchs

Detharding, der 1745 vom Künstler Martin Bernigeroth porträtiert wurde, freute sich noch über die Entwicklung seiner sieben Kinder und starb am 23. Oktober 1747 in Kopenhagen. Er wurde 76 Jahre alt. Drei Söhne erlangten danach eigene Bekanntheit: Sein Sohn Georg Christoph Detharding folgte ihm als Mediziner und Hochschullehrer, der Sohn Georg Wilhelm wurde 1765 Lübecker Bürgermeister und Georg August Detharding wurde Professor für Recht und Geschichte am Christianeum in Altona.



Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Dann unterstützen Sie die PAZ gern mit einer

Anerkennungszahlung


Kommentar hinzufügen

Captcha Image

*Pflichtfelder

Da Kommentare manuell freigeschaltet werden müssen, erscheint Ihr Kommentar möglicherweise erst am folgenden Werktag. Sollte der Kommentar nach längerer Zeit nicht erscheinen, laden Sie bitte in Ihrem Browser diese Seite neu!