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Ohne Bienen gäbe es keinen ostpreußischen Honiglikör – Eine Ausstellung beleuchtet das Zusammenspiel von Insekt und Mensch
Bienen besaßen durch ihre Erzeugnisse bereits für unsere Vorfahren große Bedeutung. Schon die Germanen und Kelten nutzten nicht nur Honig und Wachs über 1000 Jahre vor Christi Geburt, wie Grabfunde nachgewiesen haben. Auch gehörten mit Honig gesüßtes Bier und der Honigwein Met schon Jahrhunderte vor Christus zur alkoholischen Ausstattung im nord- und mitteleuropäischen Raum. Gerade der Met fand auch Verwendung zu rituellen Zwecken, etwa vor Schlachten, und er wurde als Förderer der Sanges- und Dichtkunst verehrt.
In Deutschland hat es später der Bärenfang zu Berühmtheit geschafft. Der ostpreußische Likör aus Honig, Wodka, Vanille, Zimt, Zitronenschalen, Nelken sowie weiteren Gewürzen wurde im 15. Jahrhundert auch unter dem Begriff Meschkinnes entwickelt. Später wurde er zuerst von der Königsberger Firma Teucke & König vertrieben und exportiert.
Nach dem Erfolg der im letzten Sommer zu Ende gegangenen Ausstellung über „Die Biene in der Kunst“ hat das Hessische Landesmuseum Wiesbaden mit einer Schau zur Biene in Natur und Kulturgeschichte nachgelegt, welche die Nutzung der tierischen Erzeugnisse plastisch präsentiert.
Dabei erfolgen begriffliche und biologische Einordnungen, denn die Staaten bildende Honigbiene wird gemeinhin von der in der Regel solitär lebenden Wildbiene abgegrenzt. Von den 30.000 bekannten Bienenarten leben etwa 600 in Mitteleuropa. Und von diesen werden in der Schau einige durch Präparate, Fotografien oder Modelle vorgestellt.
Erläutert wird die Kommunikationsform im Bienenvolk. So können unter anderem von Spähern mittels eines Schwänzeltanzes die Richtung und Entfernung von Nahrungsquellen mitgeteilt werden. Deutlich produktiver als die Honigbiene ist bei der Blütenbestäubung übrigens die Hummel.
Während Honigbienen, die jetzt im Januar ihre Brut anlegen, erst im März ab zwölf Grad Celsius ausfliegen, tun dies Hummeln bereits ab sechs Grad. Deshalb sind sie vor allem in kalten, feuchten Jahren ein Garant gegen zu hohe Ernteausfälle im Obst- und Gartenbau. Als Spitzenleistung kann eine Hummel 5.000 Blüten an einem Tag bestäuben.
Nicht nur die Verbindung von Mensch zu Biene wird in der Wiesbadener Ausstellung dargestellt, sondern auch die Interaktion mit besonderen Pflanzen oder Parasiten. Die in einem Großmodell dargestellt Orchideenart Bienen-Ragwurz lockt männliche Wildbienen mit Düften und einer Lippe, die weibliche Muster nachbilden. Der Totenkopfschwärmer, ein Nachtfalter, hingegen hat seinen Geruch den der Honigbienen angepasst, sodass er von diesen nicht als Feind identifiziert werden kann. Unbemerkt flattert er in die Nester und stiehlt dort Honig.
Ein Parasit, der den Bienen stark zusetzt, ist hingegen die Varroamilbe, die sich in noch unverdeckte Brutwaben einnistet und dann von den Larven und dortigen Vorräten ernährt. Die von ihnen befallene Jungbiene überlebt zwar die Tortur und verlässt mit den Milben irgendwann die Behausung. Sie entwickelt aber weniger Größe und lebt kürzer, sodass ein Bienenvolk nach dem Befall mit der Milbe innerhalb weniger Jahre kollabiert.
Die kleine Wiesbadener Schau führt anschaulich durch fast 14.000 Jahre Menschheitsgeschichte, die auf der Interaktion zwischen Mensch und Tier beruht. Neben westlicher Imkerkleidung begegnen einem unter anderem eine Räucherpfeife der Ashanti aus Ghana, eine venezolanische Tiergeister-Maske, die Nachbildung einer römischen Wachstafel, Wachskerzen für die orthodoxe Messe oder eine napoleonische Zuckerdose mit Bienenmotiv.
Honiggelb – Die Biene in Natur und Kulturgeschichte ist noch bis 6. Februar im Landesmuseum Wiesbaden, Friedrich-Ebert-Allee 2, zu sehen. Geöffnet täglich außer montags von 10 bis 17 Uhr, donnerstags bis 21 Uhr, Eintritt: 12 Euro. museum-wiesbaden.de