23.05.2024

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Attentat auf John F. Kennedy

Tötete Lee Harvey Oswald ganz alleine JFK?

Sechzig Jahre nach dem Anschlag bestehen noch immer begründete Zweifel an der Kernthese der Warren-Kommission

Hermann Müller
19.11.2023

Bemerkenswert viele ihrer mittlerweile 46 Präsidenten sind in der Geschichte der USA zum Ziel von Attentaten geworden. Belegt sind 21 Attentate auf zum Tatzeitpunkt amtierende, vormalige oder noch nicht amtierende, aber bereits gewählte Präsidenten, darunter auch Ronald Reagan, der 1981 bei einem Attentatsversuch verletzt wurde. Vier US-Präsidenten – Abraham Lincoln, James A. Garfield, William McKinley und John F. Kennedy – starben durch Attentate.

Die Ermordung des 35. Präsidenten, John F. Kennedy, am 22. November 1963, weckt trotz des mittlerweile jahrzehntelangen Abstandes bis heute das Interesse vieler Menschen. In den USA sind Zigtausende Bücher erschienen, in denen es um das Attentat auf „JFK“ geht. Bis heute wird über das Attentat von Dallas leidenschaftlich diskutiert. Umfragen ergeben regelmäßig, dass eine große Mehrheit der US-Bürger bezweifelt, der offiziell als Täter geltende Lee Harvey Oswald sei ein Einzeltäter gewesen sei. An möglichen Motiven und Hintermännern des Attentats herrscht kein Mangel. Die Liste reicht von Fidel Castro über Nikita Chruschtschow bis hin zu Kennedys Nachfolger im Präsidentenamt Lyndon B. Johnson. Regelmäßig werden ebenso Mafiagrößen, militante Exil-Kubaner, KGB, CIA, FBI und desperate Angehörige des US-Militärs als mögliche Drahtzieher des Attentats genannt.

„Ich bin nur ein Sündenbock“
Die Basis für starke Zweifel an der offiziellen Darstellung wurde bereits in den Tagen nach dem Attentat gelegt. Schon kurz nach dem Anschlag geriet Lee Harvey Oswald in den Verdacht, von seinem Arbeitsplatz, einem Schulbuchlager, die Schüsse auf Kennedy abgegeben zu haben. Oswald wurde noch am Tattag von der Polizei verhaftet. Bereits am 24. November war Oswald selbst tot. Als der 24-Jährige in das Staatsgefängnis von Dallas überführt werden sollte, erschoss ihn der Nachtclubbesitzer Jack Ruby vor laufender Kamera. Die Zeit für eingehende Vernehmungen des Tatverdächtigen hatte nur knapp 48 Stunden betragen. Die eigentliche Zeit der Vernehmung Oswalds betrug insgesamt nur zwölf Stunden.

Jahre später äußerte ein damals beteiligter Ermittler, Oswald sei seiner damaligen Einschätzung nach der Täter gewesen, zugleich bezweifelte er aber, dass das damals vorliegende Beweismaterial vor Gericht für eine Verurteilung ausgereicht hätte. Oswald selbst hatte nach seiner Verhaftung beteuert: „Ich habe niemanden erschossen!“ Am Tag darauf sagte er zudem: „Ich bin nur ein Sündenbock!“

Dass Oswald schnell als möglicher Täter galt, hatte nachvollziehbare Gründe. Sein üblicher Arbeitsplatz war der sechste Stock des Texas School Book Depository. Dies war eben jene Etage, aus der Schüsse auf Kennedy abgegeben worden sein sollen. Zudem hatte Oswald kurze Zeit nach dem Attentat das Gebäude verlassen. Bis 1959 hatte er zudem beim United States Marine Corps (USMC) gedient und dabei regelmäßig Schießtraining erhalten. Sein Aufenthalt in der Sowjetunion von Oktober 1959 bis Juni 1962, seine Heirat mit einer Sowjetbürgerin, sein Bekenntnis, Marxist-Leninist zu sein, und der Gebrauch einer Tarnidentität als „Alek J. Hidell“ rundeten das Bild ab. Durch den frühen Tod Oswalds bereits zwei Tage nach dem Kennedy-Attentat kam es indes nie zu einem Gerichtsverfahren, in dem der Tatverdacht hätte bestätigt oder ausgeräumt werden können.

Stattdessen setzte Johnson als Kennedys Nachfolger bereits sieben Tage nach dem Attentat, am 29. November, die sogenannte Warren-Kommission ein. Offizieller Auftrag des Gremiums war es, die Hintergründe des Attentats aufzuklären. Zur siebenköpfigen Kommission gehörten der damalige Oberste Richter der Vereinigten Staaten und Namensgeber Earl Warren, der spätere US-Präsident Gerald Ford, der frühere Weltbankpräsident John Jay McCloy und der von Kennedy als CIA-Chef geschasste Allen Welsh Dulles.

„Theorie der magischen Kugel“
Bekannt und oft kritisiert wurde die Kommission vor allem wegen ihrer Theorie, der zufolge auf Kennedy lediglich drei Kugeln abgefeuert worden seien. Aus Sicht der Warren-Kommission wurden alle drei Schüsse von Oswald aus dem sechsten Stock des Texas School Book Depository auf die Präsidenten-Limousine abgefeuert. Laut Darstellung der Kommission soll die erste Kugel den Präsidenten verfehlt haben. Die zweite Kugel soll Kennedy von hinten am Hals getroffen haben, vorn am Körper wieder ausgetreten sein, um schließlich auch noch den vor Kennedy sitzenden Gouverneur von Texas, John Connally, zu treffen. Bei Connally soll diese Kugel dann an der Schulter, der Brust, am Handgelenk und am Oberschenkel Wunden verursacht haben. Dabei wurde von einer sehr ungewöhnlichen Schussbahn ausgegangen. Eine einzige Kugel müsste zudem insgesamt sieben Ein- und Austrittswunden verursacht haben. Deshalb war von der „Theorie der einzelnen Kugel“ und sogar von einer „Magischen Kugel“ die Rede. Die dritte, dann tödliche Kugel soll nach Darstellung der Warren-Kommission danach von hinten Kennedys Kopf getroffen haben.

Die Annahme, auf Kennedy seien nur drei Schüsse abgegeben worden, ist für die Einzeltäter-Theorie von großer Bedeutung. Nach Ansicht der Warren-Kommission hat Oswald innerhalb von maximal sieben Sekunden drei Schüsse mit einem Repetiergewehr auf ein fahrendes Ziel abgegeben. Allein dies wäre für einen Schützen schon als extreme Leistung anzusehen. Die Annahme, dass am 22. November 1963 in Dallas mehr als drei Schüsse abgegeben wurden, lässt sich mit der Theorie von einem Alleintäter nicht mehr vereinbaren. Zeugen gaben jedoch an, sie hätten vier oder mehr Schüsse gehört. Zudem hatte eine bemerkenswert große Zahl von Augenzeugen des Attentats den Eindruck, dass die tödlichen Schüsse auf Kennedy nicht aus dem Schulbuchlager, sondern von einem naheliegenden Grashügel gekommen seien.

Bereits in den 60er Jahren kam in der Form eines Buches, das sich zu einem Bestseller entwickelte, ganz massive Kritik an der Arbeit der Warren-Kommission auf. 1966 veröffentlichte der Anwalt Mark Lane mit „Rush to Judgement“ eine Art von Anklageschrift gegen die Warren-Kommission. Grundlage dafür waren zum großen Teil die 26 Bände des Abschlussberichts der Kommission. Lane wies unter anderem darauf hin, dass bei einer Nachstellung der Attentatssituation keiner der Scharfschützen, die von den Waffenexperten herangezogen worden waren, in der Lage war, die Oswald zugeschriebenen Schussfähigkeiten nachzuahmen. Der „Spiegel“ wies 1967 in einem Artikel mit der Überschrift „Kein Meister traf den Kopf der Puppe“ darauf hin, dass die Bedingungen, unter denen die Schüsse auf Kennedy von der Warren-Kommission nachgestellt worden waren, deutlich besser als die im Schulbuchlager gewesen waren.

Auffällig ist auch, dass Oswald unter seinen früheren Kameraden beim USMC den Ruf hatte, eher ein unterdurchschnittlicher Schütze zu sein. Die mutmaßliche Tatwaffe, eine italienische Mannlicher-Carcano aus dem Zweiten Weltkrieg, stand zudem nicht im Ruf, eine besonders zuverlässige Waffe zu sein. Selbst die Warren-Kommission ging bei der Rekonstruktion des möglichen Tatherganges davon aus, dass Oswald nur sehr wenig Zeit zur Verfügung gestanden hatte, als er aus dem sechsten Stock des Schulbuchdepots auf Kennedy schoss. Die Schüsse fielen um 12.30 Uhr. Bereits um 12.32 Uhr sahen Zeugen, darunter ein Polizist, Oswald im Pausenraum des Unternehmens im zweiten Stockwerk. Zudem liegen Zeugenaussagen von Angestellten des Depots vor, gemäß denen in der fraglichen Zeit niemand den Fahrstuhl oder die Treppe des Gebäudes genutzt hat.

„Case closed“?
Auch die Ergebnisse eines Untersuchungsausschusses des Repräsentantenhauses namens „House Select Committee on Assassinations“, der 1976 die Arbeit aufnahm, waren geeignet, Zweifel an der These vom Einzeltäter zu nähren. Der nach dreijähriger Ausschussarbeit vorgelegte Abschlussbericht bestätigte im Wesentlichen die Aussagen der Warren-Kommission, insbesondere auch die Annahme, Oswald habe dreimal auf Kennedy geschossen. Allerdings räumte der Untersuchungsausschuss ein, dass es wahrscheinlich noch einen weiteren Schützen gegeben habe. Dieser soll einen vierten Schuss von eben jenem Grashügel abgegeben haben, auf den schon damalige Zeugen hingewiesen hatten. Laut Aussage des House Select Committee on Assassinations soll dieser vierte Schuss Kennedy nicht getroffen haben.

Diese Aussage ist ganz entscheidend. Ein vierter Schuss, der Kennedy nicht von hinten, sondern von vorn getroffen hätte, würde sich nicht mit dem Obduktionsbericht vereinbaren lassen, den die Militärärzte des Bethesda Naval Hospital vorgelegt haben. Deren Bericht sagte aus, dass Kennedy von Schüssen getroffen wurde, die alle von hinten gekommen sind. Allerdings waren auch diese Untersuchungsergebnisse umstritten. Kennedy war unmittelbar nach dem Attentat in das Parkland Memorial Hospital in Dallas eingeliefert worden. Mehrere Ärzte dieses Hospitals hatten die Wunde an Kennedys Kehle für ein Einschussloch gehalten. Robert McClelland vom Parkland Memorial Hospital beharrte bis zu seinem Tod darauf, dass es an Kennedys Hinterkopf eine Austrittswunde gegeben habe. Dies würde wiederum bedeuten, dass mindestens ein Schütze von vorn auf den US-Präsidenten geschossen hat.

Aus Sicht der Befürworter der These einer Alleintäterschaft Oswalds hat der Journalist Gerald Posner im Jahr 1993 mit seinem Buch „Case closed“ alle Zweifel daran ausgeräumt. Posners Buch hat die kontroverse Diskussion allerdings nicht wirklich beendet. So meldete sich 60 Jahre nach dem Attentat einer der damaligen Personenschützer Jackie Kennedys, der heute 88-jährige Paul Landis, mit Zweifeln an der „Theorie der magischen Kugel“ und warf die Frage auf, ob am 22. November 1963 nicht doch mehrere Attentäter auf Kennedy geschossen haben.


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Kommentare

Kersti Wolnow am 21.11.23, 15:25 Uhr

Wer hatte von dem Mord an Kennedy einen VorteiL?
1. Die FED, denn sie konnte den Vietnamkrieg weiter finanzieren, den Kennedy zu beenden gedachte. 2. die CIA, die ihm zu mächtig wurde und er sie zerschlagen wollte 3. Der israelische Premier, dem er sein geplantes nukleares Atomprogramm nicht gestattet hatte.

Es ist doch alles ziemlich durchsichtig, wenn der Mörder selbst kurz darauf einem Mord zum Opfer fällt. Das ist so, als wenn die Attentäterin letzter Zeit regelmäßig ihre Ausweise am Tatort "verlieren".

Harald Reich am 21.11.23, 10:14 Uhr

Geht man davon aus, daß es eine unbekannte Organisation war, die das Attentat auf Kennedy geplant hätte, dann würde sich diese kaum auf einen einzigen und dazu noch eher unzuverlässigen Schützen verlassen haben, sondern mindestens einen zweiten Schützen noch auf Kennedy angesetzt haben.

Ralf Pöhling am 19.11.23, 20:17 Uhr

Klare Antwort dazu: Nein.

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