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Corona-Pandemie

Tongji-Klinikum stand im Zentrum des Ausbruchs

Möglicherweise ist SARS-CoV-2 im Deutsch-Chinesischen Freundschaftskrankenhaus Wuhan entstanden

Wolfgang Kaufmann
15.05.2024

Im Zentrum des Ausbruchs der ersten 174 COVID-19-Fälle stand das Tongji-Klinikum. Das hat Michael Worobey vom Department of Ecology and Evolutionary Biology der University of Arizona nachgewiesen. Das Tongji-Klinikum wurde im Jahr 1900 von dem deutschen Arzt Erich Paulun gegründet und zog 1950 von Schanghai nach Wuhan um. Es firmiert schon seit Jahrzehnten als „Deutsch-Chinesisches Freundschaftskrankenhaus“. Von 2009 bis 2018 war das Tongji-Klinikum wie das Institut für Virologie Wuhan (WIV) in das Schwerpunktprogramm der Deutschen Forschungsgemeinschaft „Transregional 60“ (TRR60) eingebunden. 2017 resultierte daraus die Einweihung eines Biosicherheitslabors der Stufe 2.

Als Hauptziel der Zusammenarbeit mit deutschen Einrichtungen galt die Erforschung virusbedingter Krankheiten wie Aids und Hepatitis B (Serumhepatitis). Die Beteiligten interessierten sich aber auch für das tödliche Coronavirus MERS und andere RNA-Viren. Das belegt nicht zuletzt das Programm eines gemeinsamen Symposiums im Oktober 2015, an dem die beiden Corona-Experten Christian Drosten von der Berliner Charité und Shi Zhengli vom WIV teilnahmen. Und diese Konstellation könnte möglicherweise gravierende Folgen gehabt haben.

Sprecher des Sonderforschungsbereiches TRR60 war Ulf Dittmer, der Direktor des Instituts für Virologie am Universitätsklinikum Essen. Dessen Arbeit zielte vor allem darauf ab, Impfstoffe gegen Aids/HIV und Hepatitis B zu entwickeln, wie zahlreiche gemeinsame Fachaufsätze mit chinesischen Kollegen belegen. Besonders bemerkenswert ist dabei ein Artikel mit dem Titel „Die V1-Region von gp120 wird während der SIV/HIV-Übertragung bevorzugt ausgewählt und ist für die Hüllfunktion und Virusinfektion unverzichtbar“, der 2016 in „Virologica Sinica“ erschien. Darin heißt es, dass man eine Region im Genom des HI-Virus identifiziert habe, die den Aids-Erreger in die Lage versetze, den menschlichen Organismus zu befallen.

Diese beiden kurzen Erbgut-Segmente, die aus Aminosäuren des Glycoproteins 120 bestehen, decken sich mit drei der vier sogenannten Inserts beziehungsweise Einfügungen, die indische Forscher um Prashant Pradhan im Coronavirus SARS-CoV-2 gefunden haben. Davon zeugt deren seinerzeit stark beachteter, aber mittlerweile wieder in Vergessenheit geratener Aufsatz „Unheimliche Ähnlichkeit einzigartiger Inserts im 2019-nCoV-Spike-Protein mit HIV-1 gp120 und Gag“, der bereits am 31. Januar 2020 auf der Vorveröffentlichungsplattform BioRxiv zu lesen war.

Angesichts dessen hält das kritische Internetportal „Science Files“ es für möglich, dass die von Dittmer und dessen Team entdeckten HIV-Genom-Stücke später in das natürlich vorkommende Fledermaus-Coronavirus RaTG13 aus einer Höhle in der chinesischen Provinz Yunnan eingefügt wurden und dass dadurch das neuartige Virus SARS-CoV-2 entstand, das aufgrund der zusätzlichen Segmente aus dem Erbgut des Aids-Erregers nun auch Menschen infizieren kann.

Ob die eventuelle Manipulation des Virus eher in einem WIV- oder einem Tongji-Labor erfolgte, lässt „Science Files“ offen. Allerdings legen die eingangs erwähnten Untersuchungen von Worobey nahe, dass das Tongji-Klinikum aufgrund seiner Lage in Wuhan der wahrscheinlichere Kandidat ist.


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