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Schnell reagiert: Der „Verein Tilae“ fordert Aufklärung vom Liegnitzer Bürgermeister, der auch den Tourismus im Blick hat
Foto: Stowarzyszenia TiliaeSchnell reagiert: Der „Verein Tilae“ fordert Aufklärung vom Liegnitzer Bürgermeister, der auch den Tourismus im Blick hat

Östlich von Oder und Neiße

Totenachtung statt profaner Nachhaltigkeit

In Liegnitz parken Autofahrer auf Grabsteinen – ein Verein macht sich dagegen stark

Chris W. Wagner
17.06.2022

Die Meldung, dass im niederschlesischen Liegnitz [Legnica] Grabplatten deutscher Liegnitzer das Pflaster des Parkplatzes nahe des Piastenschlosses säumen, ging durch die Medien der gesamten Republik Polen. Ob die überregionalen TV-Sender Polsat und TVN24, ob Radio Breslau oder regionale Gazetten, das Thema bewegt zumindest Journalisten.

Laut Berichterstattung hat sich eine besorgte Liegnitzerin an den „Verein Tiliae“ gewandt. In der Vergangenheit hat sich der Verein mit seinem Einsatz für den Erhalt des einstigen evangelischen Friedhofs im heutigen Stadtteil Pfaffendorf [Piątnica] einen Namen gemacht und ist in der Bewahrung des deutschen Kulturerbes sehr erfahren. „Diese Liegnitzerin hat auf dem Parkplatz am Schloss einen Grabsteinteil zwischen den Pflastersteinen entdeckt. Als wir hinfuhren, fanden wir gleich mehrere Bruchstücke einstiger Grabplatten“, sagt Hanna Szurczak vom „Verein Tiliae“ gegenüber TVN24.

Der „Verein Tiliae“ entstand vor zwei Jahren, doch die Aktivisten betreuen den Friedhof in Pfaffendorf bereits seit 2018. Das Wort „tilia“ ist lateinisch und bedeutet Linde. Auf diesen Namen sei man gekommen, weil in allen vier Ecken der Pfaffendorfer Nekropole Linden wachsen.

Besitzer soll Steine freigeben

„Ich kenne die Damen des Vereins. Sie haben ganze Arbeit geleistet. Es freut mich sehr, dass wir in einem Land leben, in dem im europäischen Sinne gehandelt wird. Denn Polen, die sich um deutsche Gräber, deutsche Friedhöfe kümmern, agieren im europäischen Geiste, der meine Vorfahren und mich begleitet“, sagt Damian Stefaniak von der Deutschen Sozial-Kulturellen Gesellschaft der Liegnitzer. Stefaniak war schockiert, als ihn die Nachricht über den Parkplatzfund erreichte: „Liegnitz ist eine offene Stadt, ich lebe hier seit meiner Geburt als Deutscher und kenne solche Vorfälle nicht. Unsere Bedürfnisse als deutsche Gesellschaft wurden durch die Stadt immer respektiert. Wir durften uns als Deutsche bekennen, wir haben unser Denkmal am Friedhof ehemaliger Liegnitzer. Die Nutzung deutscher Grabsteine als Pflastersteine sehe ich als Schweinerei. Ich vermute, dass dahinter ein mangelndes Geschichtsbewusstsein oder simple Profitgier stecken könnte. Denn was sonst kann Menschen dazu bewogen haben, so zu handeln?“ Das Thema will er demnächst mit dem Vorstand der deutschen Gesellschaft diskutieren, um eventuelle Schritte als Verband vorzunehmen.

Der „Verein Tiliae“ hatte die Denkmalschutzbehörde bislang noch nicht informiert, weil „wir nach Beweisen suchen, dass es sich hier um eine mutwillige Zerstückelung von Grabsteinen handelt. Der Parkplatzbesitzer könnte ja behaupten, er hätte die Grabsteinbrocken auf einer Schuttdeponie quasi zum Zweck der Nachhaltigkeit wiederverwertet“, sagt Szurczak, die sich jedoch an den Liegnitzer Bürgermeister Tadeusz Krzakowski wandte. Sie möchte damit bewirken, dass die Stadt den Besitzer des Parkplatzes auffordert, die Teile der Grabsteine für Untersuchungen freizugeben.

Bürgermeister Krzakowski reagierte auf die Nachfrage des „Vereins Tiliae“ prompt: „Eine derartige Vorgehensweise gegenüber ehemaligen Bürgern bringt Schande über unsere Stadt, die so gerne von Nachkommen ehemaliger Liegnitzer besucht wird.“

Ein Lapidarium könnte entstehen

Szurczak hat bereits eine Idee für die Steine. „Auf dem Friedhof in Pfaffendorf gibt es einen Teil, wo keine Grabsteine mehr stehen. Dort könnte ein Lapidarium für Grabplatten, die noch zu retten sind, entstehen“, schlägt sie vor. Diese Idee findet auch Stefaniak gut: „Vor etwa sieben oder acht Jahren wandte sich ein gewisser Herr Gaida aus Hermsdorf an der Katzbach [Jerzmanice] bei Goldberg [Złotoryja] an meinen Großvater Jürgen Gretschel. Er erzählte, dass sich bei ihm auf dem Hof viele alte deutsche Grabsteine zum Beispiel von Schönauern [Świerzawa] befinden. Sein Vater war Steinmetz und wollte sie für neue Grabplatten verwenden. Zum Glück hatte er das nicht getan.“ Stefaniak 2016 verstorbener Großvater sorgte für die Entstehung eines Lapidariums in Schönau. Nun hofft Stefaniak, dass auch in Liegnitz ein solcher Ort der Erinnerung entsteht.



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Kommentare

sitra achra am 19.06.22, 13:59 Uhr

Leider gibt es diese respektlose Handlungsweise auch hierzulande. Ich habe derartige Beobachtungen bei Ausbesserungsarbeiten zum Küstenschutz machen können.

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