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Politik

Überraschend andere Ansichten

Die NATO, ein geopolitisches Instrument der USA – Der Volkswirt Jeffrey Sachs hält die NATO-Osterweiterung als ursächlich für den Ukrainekrieg

Karlheinz Lau
05.04.2025

Jeffrey Sachs, Jahrgang 1954, ist amerikanischer Staatsbürger, studierter Volkswirt und hat bis heute verschiedene Funktionen in zahlreichen Ländern ausgeübt – etwa in Polen in Zeiten des politischen Umbruchs. In Deutschland ist er relativ unbekannt. Seine politischen Ansichten sind, wie das Buch „Diplomatie und Desaster“ zeigt, überraschend: „Der Ukrainekrieg wurde durch die NATO-Erweiterung und die Rolle der USA beim gewaltsamen Sturz des ukrainischen Präsidenten Janukowytsch ausgelöst.“ Diese Aussage zeigt in der weiteren Darstellung die grundsätzliche Position des Autors zur aktuellen politischen Situation, aber auch, wie sie sich entwickelt hat.

Die Außenpolitik der USA diene nicht dem Wohl des amerikanischen Volkes, sondern der führenden Elite. Seit Jahren hätten die USA die NATO-Erweiterung durch die Ukraine und auch Georgiens vorangetrieben, wobei der Aufstand gegen den regierenden Präsidenten Janukowytsch diesem Ziel gedient habe. Diese Strategie habe den russischen Interessen widersprochen, eine unmittelbare Nachbarschaft mit NATO-Staaten gefährde die Sicherheit Russlands.

Das ist nach Auffassung des Autors ein Vertragsbruch der USA und auch Deutschlands. Beide Staaten hätten im Zuge der deutschen Vereinigung der Noch-Sowjetunion zugesagt, dass sich die NATO mit keinem Zoll nach Osten erweitern werde. Inzwischen sind die NATO-Mitglieder Finnland, Schweden und die baltischen Staaten unmittelbare Nachbarn der Russischen Föderation.

Sachs sieht Putin nicht unbedingt als Gegner der USA, wenn er in den fünf Kapiteln des Buches Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine vorschlägt, aber mit Anerkennung der durch den Krieg geschaffenen Fakten. Ein Scheitern würde ein Desaster bedeuten.

Es ist eine spannende Lektüre, wie Sachs seine Thesen entwickelt. Seine Darstellungen enden mit der Ära Biden, also vor Trump und der neuen deutschen Regierung. Das anschließende Gespräch mit Oskar Lafontaine brachte volle Zustimmung des Deutschen zu den Thesen des Autors: „Heute ist die NATO definitiv ein geopolitisches Instrument der USA.“

Allerdings werden die Leser bei 135 Anmerkungen daran gehindert, die Quellen zu erfahren, die der Autor benutzt hat. Es wird nur auf eine Webseite hingewiesen, ein ungewöhnliches Verfahren, das die Lesbarkeit einschränkt.

Jeffrey Sachs: „Diplomatie oder Desaster“ – Zeitenwende in den USA – ist Frieden möglich? Mit einem Gespräch zur politischen Lage mit Oskar Lafontaine“, Westend Verlag, Neu-Isenburg 2024, kartoniert, 172 Seiten, 20 Euro


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