27.02.2024

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Tannenberg-Denkmal in Hohenstein: Der Ort hat immer noch große Anziehungskraft
Foto: Bildarchiv OstpreußenTannenberg-Denkmal in Hohenstein: Der Ort hat immer noch große Anziehungskraft

Tannenberg-Denkmal

Unveröffentlichte Fotos und Zeigzeugenaussagen

Jürgen Ehmann schließt mit seinem ansprechenden Buch Wissenslücken über das zerstörte Reichsehrenmal

Sven Ekdahl
28.01.2024

Das Tannenberg-Denkmal. Die kleine Geschichte eines großen Monuments. Eine Dokumentation aus Zeitungsartikeln, historischen Fotos und Zeitzeugenberichten“, zusammengestellt von Jürgen Ehmann.

Wie der Untertitel des obengenannten Buchs besagt, enthält dieser von der Kreisgemeinschaft Osterode, Ostpreußen herausgegebene schlanke Band eine Dokumentation aus Zeitungsartikeln, historischen Fotos und Zeitzeugenberichten. Er füllt damit eine Lücke in unserem Wissen über das enorme Tannenberg-Denkmal mit den acht Türmen in der Nähe der Stadt Hohenstein [Olsztynek], das von der Einweihung 1927 bis zur Zerstörung 1945 existierte.

Zwar gibt es etliche Bücher und Aufsätze über das Thema, wobei unter neueren Arbeiten ein wichtiges Buch von Jürgen Tietz 1999 hervorgehoben werden soll, aber der Autor Ehmann hat in jahrelangen Forschungen ergänzende Materialien hervorgeholt, letzte Zeitzeugen interviewt und seine Ergebnisse akribisch und ansprechend vorgestellt.

Jahrelange Forschungen und ergänzende Materialien
Vorangestellt ist eine kurze Übersicht von Uwe Dempwolff über die Vorgeschichte des Denkmals, nämlich über die siegreiche Schlacht bei Tannenberg 1914. Das Buch ist Ernst Vogelsang, der im Literaturverzeichnis mit vier Beiträgen vertreten ist, gewidmet.

Die sechs Kapitel des Buches führen den Leser von der Grundsteinlegung 1924, der Einweihung 1927, der Gedenkfeier 1933, der Totenfeier für Hindenburg 1934 und der Umbenennung des Denkmals zum Reichsehrenmal durch Hitler 1935 bis zu den Kriegsjahren und der Zerstörung durch die Deutschen 1945.

Ehmann macht uns mit „Ausstattungsarbeiten und Ehrungen“, „Hindenburgs letzte Fahrt“, der „Neugestaltung des Denkmals“ und dem „Denkmal als Touristenattraktion“ bekannt. Jedes Kapitel hat mehrere Unterabschnitte. Dem Verfasser ist für seine mühsame Durchsicht der damaligen Zeitungen und Literatur sowie seine Gespräche mit noch lebenden Zeitzeugen zu danken.

Außerdem freut man sich über die reiche Bebilderung mit über 50 Fotos, zum Teil bislang unbekannt gebliebenen, wie beispielsweise von dem Stammlager (Stalag) 1 b für Kriegsgefangene unweit des Denkmals, wo bis Kriegsende etwa 55.000 Gefangene, meist Russen, starben. Neu sind auch die Aufnahmen von deutschen Flüchtlingen vor dem Denkmal 1944 und von den zerstörten Resten desselben.

Ehmann behandelt sein Thema mit Verständnis für den damaligen Zeitgeist, aber zugleich mit lobenswerter Distanz. Der Leser findet im Text viele Angaben, die zwar unwesentlich erscheinen können, aber für das Thema doch von Interesse sind. Die Logistik anlässlich der Bewältigung des großen Bauvorhabens in der damaligen politischen und wirtschaftlichen Lage sowie die künstlerischen Aspekte hebt er hervor.

Verständnis für den damaligen Zeitgeist
Die überaus große Bedeutung des Denkmals in der damaligen Zeit ist auffällig. Bis Anfang September 1934 hatten rund 500.000 Menschen dem Reichspräsidenten Generalfeldmarschall von Hindenburg im Tannenberg-Denkmal die letzte Ehre erwiesen. Hitler hat es geschickt verstanden, das hohe Ansehen Hindenburgs für seine politischen Zwecke zu instrumentalisieren. Der anfängliche Bezug des Denkmalbaus auch zur verlorenen mittelalterlichen Schlacht bei Tannenberg von 1410 wäre eine kurze Erwähnung wert gewesen, ebenso die Frage, was mit den Hinterlassenschaften des zerstörten Denkmals nach 1945 geschah.

Die von Mörtel gesäuberten roten Ziegel wurden von den Polen nach Warschau transportiert, um beim Wiederaufbau der Stadt verwendet zu werden. Bei der Aufzählung der Artikel im Quellenverzeichnis hätten ruhig auch die jeweiligen Seiten angegeben werden können. Das sind aber nebensächliche Gesichtspunkte, welche die Verdienste von Ehmanns Arbeit nicht schmälern. Das Buch kann jedem, der sich für diese Thematik interessiert, empfohlen werden.

Aus: Rezensionen-Brief Ostmitteleuropa, Nr. 4 vom 6. Oktober 2023

Jürgen Ehmann: „Das Tannenberg-Denkmal. Die kleine Geschiche eines großen Monuments“, Kreisgemeinschaft Osterode Ostpreußen (Hg.), Osterode/Harz 2022, broschiert, 88 Seiten, 14,90 Euro zzgl. 2,75 Euro Versandkosten.
Zu beziehen über die Geschäftsstelle der Kreisgemeinschaft Osterode/Ostpreußen. Bestellungen sind ausschließlich an die Geschäftsstelle der Kreisgemeinschaft Osterode/Ostpreußen., Bergstraße 10, 37520 Osterode am Harz, Telefon (05522) 919870, Fax (05522) 5024671 oder per E-Mail: kgoev@t-online.de oder
Tannenberg-Denkmal@web.de zu richten.


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