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Unverzeihlich

Wie man nach dem Putsch seine Haut rettet, und wie AKK Merkels Plan durcheinandergebracht hat

Hans Heckel
15.02.2020

Nach dem Putsch folgen die Säuberungen. Es wird abgerechnet mit den Abweichlern. Früher brausten an solchen Tagen schwarze Limousinen durch die Straßen, denen grobe Kerle in dunklen Mänteln entstiegen und „Kommse mit, stellense keine

Fragen!" brummelten. Die Eingesammelten verschwanden in dunklen Löchern oder wurden gar gleich liquidiert.

Diese Zeiten sind glücklicherweise vorbei. Heute rückt nur noch die Antifa an, beschmiert die Wände von Parteibüros und bedroht die Familie des Weggeputschten, derweil die Führer der siegreichen Putschisten das Land nach weiteren Opfern durchsuchen: „Als nächstes sind Kemmerich, Mohring und Lindner fällig, vorher geben wir keine Ruhe", so Timon Dzienus, Bundesvorstandmitglied der Grünen Jugend. Auch der frühere CDU-Abgeordnete im EU-Parlament Elmar Brok möchte die Gunst der aufgewühlten Stunde nutzen und klar Schiff machen. Die letzten konservativen Dissidenten in der CDU will er jetzt „mit aller Rücksichtslosigkeit bekämpfen", weil sie wie ein „Krebsgeschwür seien", das man „abschneiden" müsse.

Wir sehen: Zumindest die Sprache hat sich seit der Epoche der schwarzen Limousinen kaum verändert. Wie es unter Stalin zur Zeit der berüchtigten Säuberungen zuging, beschreibt Wolfgang Leonhard in seinem Bestseller „Die Revolution entlässt ihre Kinder" von 1955. Er erzählt dort, wie die Angeklagten in den berüchtigten Schauprozessen ihre Treue zum Regime und zur „gemeinsamen Sache" beteuerten und wie manche sogar angebliche eigene Verfehlungen erfunden haben, weil sie hofften, per Selbstanklage ein milderes Urteil zu erwirken.

Ria Schröder, die Chefin der Jungen Liberalen, hat ihren Leonhard offenbar gelesen. Beim Wahlkampf in Hamburg habe jemand sie als „Nazi" verurteilt, verrät Schröder dem Netzportal der „Zeit" und reagiert mit einem flehenden Plädoyer, das die erwähnte Selbstanklage gleich mit dem flammenden Treueschwur zur „gemeinsamen Sache" verbindet. Schröder wörtlich: „Wir müssen aufmerksamer werden gegenüber den vielfältigen Wegen, die sich die AfD sucht, um demokratische Prozesse zu unterwandern, und uns darauf besser vorbereiten. Wir haben die Ereignisse in Thüringen nicht kommen sehen. Da waren wir nicht wachsam genug." Nicht „wachsam genug" war laut Leonhard eine sehr beliebte Formel der abgenötigten „Selbstkritik".

Eines hat Ria Schröder auf jeden Fall gelernt: Wenn du vor dem Tribunal stehst, zeige bloß kein Mitleid oder gar Zeichen von Solidarität mit anderen Angeklagten. Im Gegenteil, schmeiß ins Feuer, wen du finden kannst. Die Ankläger mögen Denunzianten. So stellt die Jungliberale die (historisch wie weltanschaulich ziemlich sportliche) Gleichsetzung der AfD mit „Nazis" im „Zeit-online"-Interview auch mit keiner Silbe in Frage und gelobt stattdessen „klare Abgrenzung". Wir wollen hoffen, dass der Hechtsprung in den Staub die junge Frau noch einmal rettet.

Es kommt halt darauf an, auch in der fast ausweglosen Klemme eine Spalte zu finden, durch die man entweichen kann. Annegret Kramp-Karrenbauer hat die Spalte gefunden, sehr zum Unbehagen der Kanzlerin.

Angela Merkel hatte das nämlich ganz anders geplant, und zwar so: Nicht sie, sondern AKK sollte die kommenden Landtagswahlen für die CDU verlieren und dabei jedes Mal ein bisschen kleiner werden. Wenn es dann zur Kür des nächsten Kanzlerkandidaten der Union gekommen wäre, hätte die glücklose Parteichefin schon alle Federn verloren und wäre gar nicht mehr in Frage gekommen.

Um ganz sicher zu gehen, dass AKK im Dreck landet, hat Merkel sie obendrein mit dem Verteidigungsministerium behängt. Kein Ressort ist verminter, keines gefährlicher als dieses, das fast alle seine Chefs in den Abgrund gezogen hat. (Dass von der Leyen danach trotzdem noch Karriere machen konnte, liegt nur an ihrer eigenen Chuzpe, die AKK fehlt, und daran, dass die meisten Medien den Berater-Skandal bemerkenswert tief gehängt haben.) Schließlich sollten die übrigen Aspiranten wie Merz, Laschet oder Spahn wild übereinander herfallen und sich dabei so hässlich machen, dass sie am Ende keiner sehen will.

Dann – aber eben erst dann! – wollte die große Merkel majestätisch aus der Kulisse schreiten und huldvoll verkünden: „Kinder, ihr seht ja: Es geht nicht ohne mich! Also habe ich schweren Herzens beschlossen, mich aus Sorge um das Land und unsere Partei doch noch einmal in die Pflicht nehmen zu lassen und trete daher 2021 erneut zur Kanzlerkandidatenwahl an. Niemand soll glauben, dass mir dieser Entschluss leichtgefallen ist."

Mit diesen Worten wäre das Tor aufgestoßen zu weiteren vier Jahren Kanzlerschaft für Angela Merkel. Doch was ist mit der Groko? Die überlebt die Wahlen Ende nächsten Jahres doch auf keinen Fall, schon wegen des absehbaren Untergangs der SPD.

Richtig, aber das kann Merkel egal sein. Selbst, wenn die Sozen 2021 aus dem Bundestag fliegen, braucht dies die Kanzlerin nicht zu kümmern. Sie kann ihre Macht danach auf eine solide Koalition aus Union, Grünen und Linkspartei stützen. Ein Bündnis, das in unseren bewegten Tagen bereits unübersehbar angebahnt wird.

Und die CDU? Der geht's schließlich auch immer schlechter. Na und? Ebenfalls kein Problem für Merkel: Der Niedergang der CDU läuft ja zeitversetzt zu dem der SPD ab, wird also etwas später zum Ziel kommen. Für Merkel wird's noch reichen, glaubt Merkel.

Übrigens ist man sich in der CDU gar nicht sicher: Hat Merkel die Partei zerstört? Oder ist nicht ausgerechnet sie die Klammer, welche die CDU zusammenhält, weshalb man den Tag ihres Abgangs eher fürchten als herbeisehnen sollte. Na? Was meinen Sie?

Ich sage, die Frau ist beides, Zerstörerin und letzte Klammer zugleich. Die Kanzlerin erscheint in dem Spiel wie ein Riesenkraken, der das Schiff CDU zerquetscht hat. Nachdem es längst zerschmettert ist, wird das Wrack nur noch von den Tentakeln seines eigenen Zerstörers zusammengehalten. Erst, wenn der sich zurückzieht und dafür seinen Würgegriff löst, wird alles auseinanderfallen und auf den Grund sinken, wo die SPD dann schon eine Weile liegt.

Die Kanzlerin benutzt die CDU sozusagen wie eine Endverbraucherin. Wenn sie 2025 tatsächlich in den Ruhestand geht, so ihr bisheriger Plan, kann die CDU ruhig verschwinden, denn dann hätte sie ja sowieso keine Verwendung mehr für diese Partei, also: Deckel auf und weg damit.

Ja, so hätte es kommen sollen. Blöderweise hat AKK ihre triste Rolle in dem Ränkespiel viel zu früh durchschaut. Daraufhin hat sie den ganzen Zeitplan durcheinandergebracht und Merkel damit großen Kummer bereitet, denn nun beginnt das Gerangel um die Kanzlerkandidatur viel zu früh, was Merkel aus dem Rennen werfen könnte. Mit einem schnell berühmt gewordenen Wort der Kanzlerin möchte man sagen: Das, was AKK da getan hat, ist „unverzeihlich" und müsste „rückgängig gemacht werden".



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