15.07.2024

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Sächsisches Palais

Vollbremsung beim Wiederaufbauprojekt?

PiS-Partei forcierte die Idee – Doch nun ist die Zukunft des Barock-Ensembles in Warschau ungewiss

Hermann Müller
05.01.2024

Obwohl die Vorbereitungen zur Rekons-truktion des Sächsischen Palais in der Warschauer Innenstadt bereits weit fortgeschritten sind, droht dem Wiederaufbauprojekt nun doch wieder das Aus. Das Barockpalais am heutigen Platz Piłsudski war im Zweiten Weltkrieg zerstört worden.

Nachdem bereits das Warschauer Büro WXCA den Architekturwettbewerb gewonnen hatte, waren von der PiS-Regierung noch in der Schlussphase ihrer Amtszeit Gelder zum Wiederaufbau des barocken Stadtschlosses Augusts des Starken in Aussicht gestellt worden. Der Entwurf des Architekturbüros sieht vor, das Sächsische Palais in seiner Form von 1939 neu entstehen zu lassen. Wiederaufgebaut werden soll zudem das angrenzende Brühlsche Palais in seiner modernisierten Fassung aus den 1930er Jahren sowie drei Bürgerhäuser aus dem 19. Jahrhundert an der Królewska Straße. Offizielle Schätzungen gehen von Kosten in Höhe von umgerechnet 530 Millionen Euro aus. Durch einen zügigen Baubeginn sollte das Ensemble bereits im Jahr 2030 fertiggestellt sein.

Mit dem Übergang der Amtsgeschäfte auf die Dreierkoalition unter Führung von Premier Donald Tusk ist die Umsetzung des Projekts allerdings wieder fraglich geworden. Dabei spielen nicht nur die Kosten eine Rolle, sondern auch politische Gründe. Die Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS) hat während ihrer Regierungszeit bereits den Piłsudski-Platz in eine Gedenklandschaft verwandelt. Seit 2018 steht auf dem Platz neben einer Statue von Józef Piłsudski auch eine des verstorbenen PiS-Politikers Lech Kaczynski. Wenige Meter neben der Piłsudski-Statue hat Jarosław Kaczyński ein Denkmal für den Flugzeugabsturz von Smolensk errichten lassen, bei dem sein Zwillingsbruder Lech ums Leben gekommen war.

Der Wiederaufbau des Sächsischen Palais am Piłsudski-Platz ist zudem ein Lieblingsprojekt der PiS-Partei. Erste Ideen für eine Rekonstruktion des Barockschlosses existieren bereits seit den 1970er Jahre. Es war dann allerdings Lech Kaczyński, der als damaliger Warschauer Bürgermeister 2004 einen Beschluss zum Wiederaufbau des Sächsischen Palais und des Brühlschen Palais unterzeichnete. Als Lech Kaczyński 2006 von Hanna Gronkiewicz-Waltz (Bürgerplattform) als Stadtoberhaupt abgelöst wurde, stoppte diese das Wiederaufbauprojekt.

Der PiS-nahe Staatspräsident Andrzej Duda lancierte 2018 dann die Idee der Rekonstruktion des Sächsischen Palais jedoch erneut. Zur Begründung sagte Duda unter anderem, der Wiederaufbau des Palais werde den heutigen polnischen Staat mit jenem der Zwischenkriegszeit verbinden. Zu dieser Zeit beherbergte das Sächsische Palais den Generalstab der polnischen Armee.

Angestoßen hatte Duda auch den Wiederaufbau des Palais, das sich Heinrich Graf von Brühl in unmittelbarer Nachbarschaft des Sächsischen Palais errichten ließ. Nach den bisherigen Planungen sollte das Brühlsche Palais Sitz des polnischen Senats werden, und die Regionalregierung der Woiwodschaft Masowiens sowie mehrere kulturelle Einrichtungen sollten einziehen. Das Sächsische Palais war nach den bisherigen Plänen als Sitz des Außenministeriums vorgesehen.


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