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Peter Hick – Stuntman und Intendant – wurde jüngst Preisträger des Landesverdienstordens von M.-V.
Peter Hick ist ein Mann, dessen Lebenslauf sich wie ein Drama liest – voller Risiko, Mut, Scheitern und Wiederaufstieg. 1946 geboren im sudetendeutschen Kriegern, wuchs er in Thüringen auf und wurde in der DDR zu einem der gefragtesten Stuntmen („Kaskadeur“) des staatlichen Filmstudios DEFA. Mit einer Mischung aus athletischer Furchtlosigkeit und dramaturgischem Gespür begeisterte er das Publikum nicht nur als akrobatischer Filmschurke, sondern hinterließ auch im kollektiven Bild jener Zeit einen bleibenden Eindruck.
Doch Hick war kein Mann, der sich mit den engen Grenzen seines Herkunftslandes zufriedengab. Sein Drang nach Freiheit führte 1975 zu einem Fluchtversuch aus der DDR – mit weitreichenden Konsequenzen. Man erwischte ihn bei der Republikflucht, es folgten anderthalb Jahre Haft im DDR-Gefängnis. Schließlich aber kaufte ihn die Bundesrepublik Deutschland frei – ein Zeugnis jener politischen und menschlichen Ambivalenzen des geteilten Deutschlands.
Im Westen angekommen, setzte er seine Karriere fort: als Weltklasse-Stuntman, der mehrfach ausgezeichnet und 1989 gar zum Stunt-Weltmeister in Toulouse gekürt worden ist. Sein Weg führte ihn zu den Karl-May-Festspielen in Bad Segeberg – ein Vorgriff auf das, was später seine vielleicht bedeutendste Lebensleistung werden sollte.
Störtebeker – Besuchermagnet
Nach der Wende kehrte Hick mit seiner Familie in den Osten zurück, um ein Stück kultureller Landschaft wiederzubeleben, das zuvor in der DDR eine eigene Tradition gehabt hatte: die Freilichtbühne in Ralswiek auf Rügen, einst Schauplatz der Rügenfestspiele. Mit der Gründung der Störtebeker-Festspiele im Jahr 1993 verwandelte er die marode Naturbühne am Großen Jasmunder Bodden in eines der erfolgreichsten Open-Air-Theater Deutschlands – ein Ort, der Geschichte, Legende und Volkstheater neu und kraftvoll verbindet.
Was Hick hier geschaffen hat, ist weit mehr als ein touristischer Magnet mit hunderttausenden Besuchern pro Saison. Es ist ein kulturelles Erlebnis, das tief im kollektiven Gedächtnis verwurzelt ist. Die Legende des Hamburger Freibeuters Klaus Störtebeker, der sich gegen Obrigkeit stellte, wird unter Hicks Regie mit einem zeitgenössischen Sinn für Spektakel, Gemeinschaft und Erzählkunst lebendig gehalten. Seine Interpretation des Piraten ist dabei kein bloßes Spektakel, sondern Ausdruck eines künstlerischen Anspruchs, der zugleich historisch verwurzelt und gegenwartsfähig ist.
Im diesem Januar wurde Hick mit dem Landesverdienstorden Mecklenburg-Vorpommern ausgezeichnet – eine Würdigung, die weit über die Insel Rügen hinaus Bedeutung hat. Die Verleihung würdigt sein „herausragendes Engagement“ für die Kultur des Landes und sein unermüdliches Wirken für das kulturelle Leben und den Tourismus in Mecklenburg-Vorpommern.
Mit dem Orden wird auch die Lebensleistung eines Mannes geehrt, dessen eigene Geschichte von Freiheitssuche, künstlerischer Leidenschaft und unternehmerischer Kühnheit erzählt.
In einer Zeit, in der kulturelle Identität oft auf dem Prüfstand steht, bietet Hick mit den Störtebeker-Festspielen ein Rezept: die Verbindung von Volksnähe, historischer Erzählung und ungebrochener Spielfreude. So zeigt sich, wie aus einem bewegten Leben ein nachhaltiges kulturelles Vermächtnis werden kann – und wie der Pirat Störtebeker auf der Bühne ebenso zu einem Symbol von Freiheit, aber auch von Gemeinschaft wird wie der Mann, der ihn allsommerlich zum Leben erweckt.