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Maarten van Heemskerck: „Blick auf das Forum Romanum“ (um 1532–1536)
Foto: smb/ Kupferstichkabinett/Volker-H. SchneiderMaarten van Heemskerck: „Blick auf das Forum Romanum“ (um 1532–1536)

Ausstellung

Von Rom fasziniert

Berliner Kupferstichkabinett präsentiert Zeichnungen des Niederländers Maarten van Heemskerck

Dirk Klose
22.06.2024

Klein, aber wirklich fein! Das Berliner Kupferstichkabinett zeigt eine Ausstellung des alt-niederländischen Künstlers Maarten van Heemskerck (1498-1574), der in seinen 30er Jahren für fünf Jahre in Rom gearbeitet hat. Heemskerck hat das noch antik wirkende Rom in Hunderten von Zeichnungen festgehalten, wie es nach der bald einsetzenden Umwandlung durch Michelangelo und Bernini schon bald nicht mehr zu erleben war.

Das Kupferstichkabinett besitzt ein Konvolut von 170 Zeichnungen, enthalten in zwei Skizzenbüchern, die es jetzt aus Anlass von Heemskercks 450 Todestag zusammen mit nationalen und internationalen Leihgaben unter dem Titel „Faszination Rom. Maarten van Heemskerck zeichnet die Stadt“ präsentiert.

Heemskerck war von 1532 bis 1537 in Rom. Die antiken Zeugnisse waren in einem schlimmen Zustand. Die einsetzende Renaissance mit ihrer Wertschätzung der Antike hat sie gewissermaßen in letzter Minute gerettet. Heemskerck muss von ihnen geradezu fasziniert gewesen sein, er hat sie in unterschiedlicher Technik, mit der Feder, mit Kreide und Rötel, festgehalten. Der Betrachter sieht das ziemlich verwilderte Forum Romanum mit den angrenzenden Kaiserforen und Thermen, immer wieder das Kolosseum (fast zierlich gezeichnet), Säulen, Obeliske und Tempelreste in unterschiedlichster Anschauung. Und immer wieder Skulpturen wie den erst wenige Jahre vor Heemskercks Ankunft gefundenen Laokoon oder den Apollo von Belvedere. Aber die neue Zeit klingt schon an. Mehrere Zeichnungen halten den Neubau der Peterskirche fest, noch ganz rudimentär, aber doch schon „neue“ Rundbögen, denen nichts Antikes mehr anhaftet.

Spätere Künstler, zumal in seiner Heimat, haben sich von Heemskercks Zeichnungen anregen zu lassen und mehrere, auch das zeigt die Ausstellung in Gegenüberstellungen sehr schön, in Kupferstichen festgehalten. Heemskerck selbst hat seine Zeichnungen immer wieder als Anregung für spätere größere Werke genommen. So zeigt ein großformatiges Gemälde den heiligen Hieronymus in einer Ruinenlandschaft, in der man eine just zuvor gesehene Zeichnung wiedererkennt.

Didaktisch ist die Ausstellung ungewöhnlich gut gemacht. In die Mitte eines großen Saals wurde eine Glasrotunde gestellt, die von innen und von außen die einzelnen Zeichnungen im thematischen Zusammenhang zeigt. Eines der zwei Skizzenbücher wurde jetzt aufgebunden, das zweite kleinere wird wöchentlich umgedreht. Beide Skizzenbücher sind auch digital einsehbar.

Bis 4. August, Matthäikirchplatz, 10785 Berlin, geöffnet täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr, Eintritt: 10 Euro. heemskerck.smb.museum/web


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